Hettys Gedankenwelten

Schwarze Romantik, dunkles Leben

Anderssein-Schmerzliche Erfahrungen

Anderssein – schmerzliche Erfahrungen.

Im Leben eines Menschen spielt immer die erste große Liebe eine besondere Rolle. Sie bestimmt das weitere Verhalten Männern, oder Frauen, im Allgemeinen und Besonderen gegenüber. Im Urlaub lernte ich einen netten jungen Mann kennen, er war mit 2 Kumpel unterwegs. Wir fühlten vom ersten Moment an eine besondere Anziehungskraft. Im September hatte ich dann mein Studium begonnen. Wir schrieben uns, telefonierten viel und trafen uns alle 14 Tage mit anderen Freunden. Er war sehr aufmerksam, gab mir das Gefühl, ein echter guter Freund geworden zu sein. Ich war verliebt, und stellte nichts in Frage. Ich war jung und naiv.

Silvester, unter dem Feuerwerk und Mistelzweig, gestand er mir, dass er schwul sei. Ich wusste zu diesem Zeitpunkt nicht wirklich, was es bedeutet. Alle unsere Freunde fingen mich auf. Sie bemühten sich sehr, dass ich den Schock gut verkraftete. Will hörte meinem inneren Kampf stundenlang geduldig zu. Nachdem ich mich durch dutzende Stapel Bücher gelesen hatte, u.a. Hirschfelder, nahm sich mein schwuler Freund die Zeit, und erklärte mir die Welt der Homosexualität. Nachdem Verständnis hergestellt war, versuchte ich, damit sauber umzugehen. P. war sehr rücksichtsvoll, ließ es mich kaum spüren, welchen Stellenwert eine Frau in der Welt der Homosexuellen wirklich hatte. Unsere emotional ungleiche Freundschaft hält bis heute. Sie hat mich vor vielen Enttäuschungen bewahrt. Aber vor allen Dummheiten konnte sie mich nicht bewahren.

Will hatte verstanden, dass unsere Freundschaft nie zu mehr werden würde. Er fand ein Mädchen, dass mir glich wie ein Ei dem anderen. Diese Erkenntnis traf sie im ersten Moment hart, doch wir sind gute Freundinnen geworden, ich habe 3 Patenkinder bekommen, die mich wiederum großzügig beschenkten.  Eine der wenigen Ehen in meinem Umfeld, die wohl auch die diamantene Hochzeit erleben wird.

Einmal in die Welt der Homosexualität eingetaucht, konnte ich sie lange nicht verlassen. Ja, ich gebe es zu, ich habe mein ganzes Leben so eine besondere Neigung zu Männern behalten, die weich, soft und anders waren. Lernt man einen Menschen kennen, fragt man zunächst nicht, an welchem Ufer der sexuellen Neigungen er steht. Man fühlt es, oder eben nicht. Ich habe nicht sehr viel übrig für den Typ, der seine Neigung vor sich her trägt. Der unbedingt die ganze Welt mit seiner homosexuellen Seite bis zur Peinlichkeit nerven muss. Auch wenn es für viele Schwule ein krasser Aufreger war als Armani sagte, ein Mann muss ein Mann bleiben, so stehe ich dahinter. Noch sind die Menschen nicht tolerant genug.

Homosexualität und Gesellschaft

Seit Jahren betreibe ich Familienforschung. So fand ich heraus, dass einer meiner Vorfahren den Freitod wählte, weil man seine Homosexualität dazu benutzte ihn zu erpressen. Das war im 19. Jahrhundert. Er verlor sein Hab und Gut und wurde letztlich von seinem Knecht zum Freitod gezwungen, dem er alles überschreiben musste.

Auch wenn unsere Gesellschaft so tut als sei Homosexualität akzeptiert, sie ist es noch lange nicht. Die Schwulen-und Lesben Ehe per Gesetz zu erlauben, ist kein Schritt nach vorne, sondern eine Spielweise des Mainstream. Sie dient allenfalls dem Marketing des Staates. Unser Staat wird von der katholischen Kirche in starkem Maße gesteuert, und für die Kirche ist das noch lange nicht normal. Betrachten wir unsere Altersstruktur, so haben viele ältere Menschen, die in den 1940er und 1950er Jahren geboren wurden nichts begriffen. Von heute fast 60jährigen Männern kann man immer noch hören, dass sie homosexuelle Geschlechtsgenossen pöbelnd als ‘schwule Sau’ bezeichnen. Im Dorf, in der Kleinstadt, in der Großstadt und auch in öffentlichen Foren. Akzeptanz eines Andersseins setzt auch eine gewisse Intelligenz voraus. Welches Recht glauben diese Mitmenschen zu haben, die Würde anderer auf diese Weise zu verletzen?

Aber auch die Schwule und Lesben kann man nicht von Schuld an dieser schleppenden Entwicklung frei sprechen. Man erreicht keine Akzeptanz seines Andersseins, wenn man der Gesellschaft mit dem nackten Hintern mitten ins Gesicht springt. Das was man von heterosexuellen Partnerschaften im Knigge fordert, kann man auch von homosexuellen Paaren erwarten. Es geht immer auch darum, das ästhetische Empfinden seiner Mitmenschen nicht zu verletzen. Selbst mir ist es persönlich sehr unangenehm, wenn ich beobachte, wie sich zwei überzogene Tunten auf der Straße wie die Kaschperln benehmen. Muss man so tief sinken? Da bin ich doch dann mit Armani eins. Jeder soll sich entsprechend seines persönlichen Lebensgefühls kleiden, doch man sollte sich auch etwas zurücknehmen hinsichtlich der gesellschaftlichen Normen, das ist für mich auch Anstand. Das gleiche ist von heterosexuellen Paaren zu fordern.

Unlängst saß ich mit einer Freundin im Shoppingcenter im Café. Am Nebentisch saßen 2 Erwachsene und zwei Jugendliche. Die Erwachsenen knutschten ohne Unterlass, es drängte sich die Frage auf, na, wer legt nun wen zuerst flach. Den Kindern, 15 und 16, war es mehr als peinlich. Irgendetwas mussten wir ausgestrahlt haben. Die beiden Teenis sahen sich an, nahmen ihre Sachen und kamen zu uns. Der junge Mann fragte: Dürfen wir zu euch kommen? Irgendwann fiel der Mutter das dann auf und sie wollte, die Kinder kamen zurück. ‘Nee, lass mal’, sagte der Junge sehr laut, ‘ihr seid einfach nur peinlich.’ So viel zu gutem Benehmen.

 

Offenheit und Ehrlichkeit

Niemand muss mit seiner sexuellen Neigung hausieren gehen. Das ist, so meine ich, eine reine Privatsache. Wie jeder wahrgenommen werden möchte, muss er mit sich ausmachen. Es ist ja niemandem als Stigma auf die Stirn gepresst. Kein Chef muss sich angreifbar machen, indem er sich diesbezüglich vor seinen Mitarbeitern outet. Ich erinnere an meinen Vorfahren. Solche Schicksale sind ja bis heute nicht ausgestorben. Ich hatte diverse schwule Chefs in meinem Leben, bei manchen habe ich es nur durch Zufall mitbekommen. Die sexuelle Neigung sagt nichts, aber auch gar nichts, über die Persönlichkeit eines Menschen aus. Niemand ist dadurch besser oder schlechter. Ganz persönlich meine ich, Reden ist silber, Schweigen ist oft gold.

Ist man jedoch an dem Punkt angekommen, an dem man denkt, man kann sich jemandem gegenüber outen, dann sollte man es auch tun. Und man sollte es rücksichtsvoll tun. Eine WhatsApp Nachricht der Art, ach was ich noch sagen wollte, ist ganz sicher der falsche Weg. Fast alle Menschen die sich mir diesbezüglich geöffnet haben, nicht immer sieht man es auf den ersten Blick, hatten dieses Taktgefühl. Auch in dem aufgeklärtesten Menschen entstehen Fragen. Viele schweigen, weil sie glauben, durch diese Offenheit den anderen zu verlieren. Nein, gute, wahre, ehrliche Freunde verliert man nicht. Wahre Worte sind nicht immer schön, doch man kann damit umgehen. Der Mensch der in einer solchen Situation geht, wäre auch so gegangen.

Niemand weiß, wer in wen verliebt ist, denn es gibt auch Menschen, die das für sich behalten. Doch weiß man, oder denkt man, dass ein anderer verliebt ist, ist wohl der Zeitpunkt gekommen, offen damit umzugehen. Das sollte man generell tun, auch wenn es sich um hetereosexuelle Beziehungen handelt. Man sollte es aus Respekt vor den Gefühlen anderer sagen. Es gibt Menschen, die sich voneinander angezogen fühlen, auch wenn sie nicht gleichgeschlechtlich orientiert sind. Vielleicht kann man es als eine Art Seelenverwandschaft betrachten. Gefühle setzen nicht zwingend ein sexuelles Begehren voraus. Gefühle haben wir für jeden Menschen, positive oder negative. Oft ist es nur das Charisma das uns anzieht. Ein bisschen verliebt sein, Schwärmerei, ist ja nicht die große Liebe.

Jemand sagte mal zu mir, man muss ja nicht mit jedem zusammen schlafen, mit dem man in einem Bett liegt. Richtig, und man muss nicht jeden lieben, dessen Nähe man mag. Offene Worte verhindern Missverständnisse. Ehrlichkeit hilft positionieren. Wenn man weiß wie man zueinander steht, kann man oft sehr viel besser miteinander umgehen. Willkommen in meinem Leben, bedeutet nicht zwingend, ich will mit dir leben, es bedeutet einfach nur -Sei mein Freund, du bist es mir wert.-

Homosexualität und Politik

Karrenbauer

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