Hettys blaues Café

Schwarzromantik und dunkles Leben

Page: Blog – Kommentar auf “Allein”

Blog – Kommentar | Ich fand auf diesem Blog den nachfolgenden Beitrag, den ich einmal kommentieren werde.

Allein, Allein …

Blog-Kommentar: Werter Blogger, öffentliche Bekenntnisse sind dazu da, ihnen auch öffentlich zu antworten. Dieser Blogeintrag ist interessant, reizt jedoch gleichzeitig zum Widerspruch. Den Originaleintrag kann man oben finden.

Blogger: Es wird mal wieder Zeit für etwas persönliches, auch wenn es für die meisten uninteressant wird. Hauptsache und das wichtige daran ist, dass es mir wichtig ist. Es gibt nichts Wichtigeres als die Nichtigkeiten, auch wenn sie nicht wichtig sind.

Vor einigen Jahren hab ich DEN Schlußstrich gezogen, den ich für nötig erachtet habe. Der Punkt im Leben, an dem man feststellt, dass so einiges nicht gelaufen ist, wie es einem persönlich gut tut. Jeder Mensch ist anders, doch ich bin ganz anders. Wahrscheinlich war für mich schon immer die Rolle des Eremiten vorgesehen, wenn man denn an eine Vorsehung glauben möchte.

Hetty: Die Rolle des Eremiten, des Einsiedlers, ist sicher für niemanden vorgesehen, man wählt sie sich selber. Betrachte ich mein eigenes Leben, so wurde ich dazu erzogen. Ich bin alleine aufgewachsen, durfte viele Jahre keine Freunde haben, und habe mich daran gewöhnt, meine Freizeit zu gestalten. Als ich die Möglichkeit hatte, mir Freunde zu wählen, habe ich es nicht gewollt, weil mich die Teilung meiner Zeit und Interessen in meiner Abgeschiedenheit gestört hat. “Wer keine Freunde hat, hat keine jeh begehrt.” so ist es. Ich möchte nicht behaupten, dass mich das selbstgewählte allein sein nicht auch belastet hat, doch wenn ich mir die Frage stelle, was hat mich mehr belastet, das alleine sein oder meine Zeit zu teilen mit anderen Menschen, so fällt die Antwort immer zu Lasten der Menschen aus.
Wer sich mit Menschen umgibt, muss auch ihre Interessen, Sorgen und Wünsche teilen. Es bleibt auch hier die Frage, will man das denn? Ab einem bestimmten Zeitpunkt möchte man es nicht mehr. Man ist zu sehr auf seine eigenen Interessen fixiert.

Blogger: Auch wenn die Jugend geprägt war, so waren es doch die Momente in Einsamkeit, die ich mehr genossen habe, schon immer irgendwie. Alleine aufgewachsen und alleine groß geworden, mehr oder weniger schon alleine durchs Leben geschlagen. An allen wichtigen Stellen und Wegpunkten war schon immer ich es, auf den ich mich am meisten verlassen konnte.

Immer, wenn andere Menschen im Spiel waren, waren auch die großen negativen Stationen im Leben erreicht. Sicher, es gab auch die glücklichen Momente der Zweisamkeit, glückliche Momente in der Gesellschaft, doch leider überwogen bisher immer persönlich die weniger glücklichen Zeiten. Sicher, die Spielchen macht jeder mit, wird belogen und betrogen, hintergangen und bestohlen, opfert Zeit und Muse für andere, um hinterher die goldene Arschkarte zu bekommen. Und jeder geht mit der Erfahrung anders um – für mich war vor einigen Jahren der Punkt erreicht: Genug ist genug.

Hetty: Waren es wirklich die anderen Menschen, die die negativen Stationen herbei geführt haben? Nein, man war es immer selber. Wer es gewohnt ist, sich nicht zu teilen, der kann sich auch nicht teilen, auch wenn er sich noch so sehr darum bemüht. In jedem Kennenlernen gibt es den neuen Anfang, die glücklichen Momente. In jede Sache schleicht sich aber ganz schnell Routine ein. Ob man es will oder nicht, man wird mit ungeahnter Gewalt in ein anderes Leben hineingezogen.
Hintergangen, belogen und betrogen wird nur der, der nicht auf die Nebengeräusche achtet. Ein Mensch der sich nicht teilen kann, vernachlässigt andere Menschen. Versäumt es, um den anderen zu kämpfen, die Beziehung zu pflegen und auch die kleinen Dinge, die der andere nun einmal erwartet. Man hintergeht, belügt und betrügt uns nur, weil unsere Aufmerksamkeit einer ganz anderen Sache gehört, nämlich uns. Der Einbruch in unsere heile Welt ist uns lästig, belastet und wir wollen das nach kurzer Zeit nicht mehr. Wir haben nur einen Wunsch, die Belastung für uns los zu werden. Es kommt zu Streit, zu Vorwürfen und Zerwürfnissen. Die Trennung betrachten wir als Befreiung.
In unserer eigenen Arroganz bemerken wir nicht einmal, dass wir es sind, die die anderen verletzen. Wir verlangen von anderen, was wir selber nicht bereit sind zu geben – Respekt. Wir verlangen, das gleiche Recht haben andere aber auch. Wir lehnen jede Form von Zuwendung für uns ab, betrachten es sogar als Einmischung. Wir betrachten den als Feind, der doch unser Freund ist und sein will. Der uns so nimmt wie wir sind. Uns liebt und achtet, sich nach unserer Hand sehnt, die wir ihm verweigern.

Ich spreche aus Erfahrung lieber Blogger, denn ich bin auch so nett. 🙂 Dennoch habe ich in meinem Leben Menschen gefunden, die das mitgemacht haben, länger oder kürzer. 🙂

Blogger: Der Schutzwall der Einsamkeit, den nur wenige Menschen verstehen können. Sehr wenige. Es hat etwas mit wohlfühlen zu tun. Und ja, es gibt auch die Momente, bei denen man sich inmitten von Menschen wohl fühlt. Es ist nicht alles schlecht, was wie Scheiße aussieht und auch nicht alles Gold, was glänzt. Und doch fühle ich mich wohler, wenn ich alleine entscheiden kann, wie der Tag aussieht. Wenn ich keine Rücksicht auf andere nehmen muss, was ich allerdings durchaus auch kann. Wenn ich mir meinen Tag einteile, wie es mir beliebt. Nicht nach irgendwelchen Normen, sondern frei in der Wahl, frei in der Entscheidung.

Hetty: Ja richtig, unsere selbst gewählte Einsamkeit ist ein Schutzwall, an dem alles abprallen soll. Er soll uns vor allem schützen, in erster Linie aber vor uns selbst und unseren Marotten. Sind wir in unserer selbst gewählten Einsamkeit wirklich so glücklich? Wenn wir mal den Mut aufbringen, ehrlich zu uns selbst zu sein, sind wir nur glücklich, wenn unser Tag bis auf die letzte Sekunde ausgefüllt ist, wir todmüde ins Bett fallen, und uns nie Rede und Antwort stehen müssen.
Was wir nicht können, das ist nicht zu leugnen, uns gänzlich abzuschotten. Wir suchen Kontakte, wir wollen schon mit anderen zusammen sein, doch nur auf Zeit. Wir haben unseren eigenen Rhytmus. Wir brauchen länger Zeit als andere, um uns auf Nähe einstellen zu können. Wir wollen alles kontrollieren und den Zeitpunkt bestimmen. Wir geben das Heft nie aus der Hand.
Es gibt Menschen die uns verstehen, das sind Menschen wie wir. Doch es ist schwer, so einen Menschen zu erkennen. Wir bauen eine riesenhohe Mauer um uns, und begreifen teilweise nicht einmal, dass der andere nie ganz drüber klettern möchte, nur einen kleinen Spalt sucht um die Hand da durch zu strecken. Wir sind misstrauisch gegen alle, auch gegen die, die uns ganz ehrlich und mit viel Herzenswärme entgegenkommen.

Blogger: Die Frage, die sich viele dabei stellen, ist die, ob man in der Zeit der Einsamkeit nicht langsam verblödet, zu einem Monster mutiert oder psychopatisch wird. Nicht unbedingt. denn andersrum würde das eher bei mir der Fall werden. Denn mit der Zeit habe ich gelernt, hinter die Masken der Menschen zu sehen, sie einzuschätzen und das auch noch richtig. Ein Blickwinkel, neutral zu betrachten. Und was man da sieht, ist alles andere als schön. Die Verlogenheit in den Augen anderer zu sehen, Neid und Gier – das bekräftigt nur und immer wieder die eigene Entscheidung, sich so weit wie möglich von alldem zu entfernen.

Hetty: Allein sein macht empfindsam, das ist richtig. Aber, wir lehnen den Umgang mit anderen nicht allein deswegen ab, weil uns die Qualität der anderen nicht gefällt, wir werden zunehmend intolerant. Wir sind der Mittelpunkt unseres eigenen Sonnensystems. Wir erwarten, dass alle anderen auch so sind. Wir machen uns die Welt nach unseren Bedürfnissen zurecht. Da wir nicht, wie der meiste Teil der Menschen, alle Störfaktoren abschütteln können, konzentrieren wir uns viel zu sehr auf das, was in unsere Welt hereinbricht. Das macht Angst, das verbreitet in uns Panik. Wir suchen Nähe, und wollen sie doch nicht.
Wir stellen alles in Frage, selbst ein freundliches Wort, einen vorsichtigen Annäherungsversuch, eine liebe Geste. Selbst ein wohlwollend gemeintes ehrliches Kompliment kann uns, je nach Tagesform, von ganz oben nach ganz unten fallen lassen. Ich war Zeit meines Lebens durch keine nette Geste zu beeindrucken. Habe jedes Kompliment als Lüge und Falschheit verworfen. Dabei war ein großer Teil davon sicher ehrlich gemeint. Noch weniger habe ich Worten wie “Ich mag dich” geglaubt. Sie haben nie mein Herz erreicht. Nicht bei Freunden, schon gar nicht bei Männern. Ganz ehrlich gebe ich zu, dass ich dadurch viele Menschen verloren habe. Ich hatte nur ein Bestreben, die “Eindringlinge” in meine Welt los zu werden.
Ich bin an einem Punkt in meinem Leben angekommen, wo ich selber empfindsamer werde. Ich habe gelernt, weniger mich als Mittelpunkt meines Sonnensystems zu sehen, und anderen eine Chance zu geben. Das gelingt nicht immer, aber immer besser. Ich habe es nie angenommen, wenn sich jemand um mich bemüht hat. Es war mir immer unangenehm, teils auch zuwider. Doch wenn man verliert was man doch liebt, weil der andere keine Geduld hat monatelang auf uns zu warten, dann kann es sehr weh tun. Auch wir kennen Sehnsucht und suchen Seelenverwandte. In unserer eigenen Verbohrtheit begreifen wir nicht einmal, dass wir als liebenswert wahrgenommen werden. Es gibt auch Menschen die um uns “Ekel” kämpfen, weil sie bereit sind uns so zu nehmen wie wir sind.

Blaues Gothic Café

 

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