Hettys schwarz-blaues Café

Schwarze Romantik & Dunkles Leben

Der Eid der Ärzte

Was ist der Eid des Hippokrates?

Sie denken, das ist diese Formel da, auf die jeder Arzt schwört? Nein, das ist ein Fragment aus der tiefsten Historie. Kein Arzt schwört in Deutschland auf den Eid des Hippokrates oder legt das Genfer Gelöbnis ab, das wurde nämlich abgeschafft. Bevor Ärzte heute ihre Approbation bekommen verpflichten sie sich der ärztlichen Ethik, das ist es aber auch.

Die ärztliche Ethik geht u.a. konform mit dem 5. Gebot der Bibel – du Arzt sollst nicht töten, doch nicht genug damit, du Arzt sollst das Leben deiner Patienten retten. Als grundlegende Werte gelten heutzutage das Wohlergehen des Menschen, das Verbot zu schaden („Primum non nocere“) und das Recht auf Selbstbestimmung der Patienten (Prinzip der Autonomie), allgemeiner das Prinzip der Menschenwürde.

Bleiben wir einmal kurz bei dieser Selbstbestimmung des Patienten. Selbstbestimmung, Autonomie, bedeutet: Unabhängigkeit (Souveränität), Selbstverwaltung oder Entscheidungs- bzw. Handlungsfreiheit. Der Patient darf sich als Wesen der Freiheit begreifen und aus dieser Freiheit heraus handeln. Soweit die Theorie. Wie sieht aber die Praxis aus?

Bei fast jedem Arzt hört man: ziehen sie sich aus, dass ich sie untersuchen kann. Wie bitte? Wozu muss man sich bei einem Orthopäden der die Hüfte untersucht ausziehen? Wozu muss dieser Arzt sich die Füße anschauen? Was haben die Hinterpfoten mit der Hüfte zu tun? Was soll ich ausziehen? Na alles, Hose, Strümpfe usw. Falscher Film oder was?

Beim Kardiologen, der ein Langzeitmessgerät für den Blutdruck anlegt. Machen sie sich oben frei. Ja wie frei? Na alles ausziehen. Wozu denn bitte? Ja, na wenn sie das nicht machen, kann ich das Gerät nicht anlegen. Ach nein, warum denn nicht? Und so weiter und so fort.

Wo ist sie nun, die Selbstbestimmung des Patienten? Wenn ich mich nicht entblößen möchte als Patient, dann möchte ich das nicht, das ist meine Selbstbestimmung.

Im Land vor unserer Zeit, genannt DDR, war bei fast allen Untersuchungen bei Ärzten eine Krankenschwester mit im Zimmer. Es gab einen Paravent, hinter dem man sich entkleiden konnte, soweit wie nötig. Dieser Tage hat kein Patient mehr eine Intimsphäre beim Arzt. Er wird beobachtet, ja selbst von Ärztinnen beim Entkleiden angestarrt. Da sich Ärzte, egal welches Geschlecht, nicht mehr wie Ärzte, also Vertrauenspersonen, benehmen, muss auch der Patient kein Vertrauen haben.

Da wird man vom Arzt gezwungen, sofern man sich das gefallen lässt, sich zu entkleiden, der auch noch ungezogen zuguckt, jedoch nicht zufasst, wenn es Schwierigkeiten gibt. Nicht jede ältere Frau ist mehr in der Lage sich den BH hinten zu öffnen. Nein, da greifen die Trampel nicht zu und helfen. Keine Schwester wird herbeigerufen. Im Gegenteil, der Arzt blubbert unwillig, nu beeilen sie sich, ich habe noch mehr Patienten. Aha, die drei die da noch sitzen? Die warten auch noch 10 Minuten. Sitzen ja eh schon lange genug gelangweilt da rum. Diese Paravents findet man in unserer modernen Anstarrgesellschaft zum großen Teil nicht einmal mehr beim Gynäkologen.

Als Patient möchte ich auch beim Arzt eine Handlungsfreiheit, eine Intimsphäre und erwarte Anstand. Die Autonomie des Patienten, da waren wir stehen geblieben, beinhaltet die Forderung der informierten Einwilligung vor jeder diagnostischen und therapeutischen Maßnahme und die Berücksichtigung der Wünsche, Ziele und Wertvorstellungen des Patienten. Vielleicht sollten sich die Ärzte der Neuzeit ganz einfach mal darüber informieren, was diese ärztliche Ethik eigentlich für den Patienten bedeutet. Geht man zum Arzt, erwartet man als Patient nur eine Sache, dass der allwissende Doktor die Ursache der Leiden findet. Durch Fernsehen und eigenes Erleben weiß ich, dass viele Ärzte das nicht tun. Ist es ehrlich soweit in Deutschland, dass die Ärzte ihre angebliche Ethik vergessen und nicht mehr die Würde des Menschen zählt, sondern nur noch der Geldbeutel?

In Berlin geht die Tendenz momentan dahin, dass sich die Ärzte vorwiegend den Privatpatienten widmen, bei denen sie offenbar abrechnen können was sie wollen. Man hört Aussagen wie: Wir haben keine Kassenzulassung und so weiter.  Gesundheit ist eine Ware geworden. Wie vereinbart sich das mit der ärztlichen Ethik? Für mich gar nicht.

 

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