Hettys schwarz-blaues Café

Schwarze Romantik & Dunkles Leben

Der Spielmann

König vom Odenwald

Ein bis in die heutige Zeit bekannter Spielmann des Mittelalters war der Künig vom Otenwald.

Der KvO war ein Dichter der um die Mitte des 14. Jahrhunderts lebte. Seiner Sprache nach war er wohl auch im Odenwald heimisch. Seine Wanderungen erstreckten sich wohl auch auf die dem Odenwald nächst gelegenen Gebiete. Er nennt die Herren v. Seckendorf und v. Ehnheim, zwei Geschlechter aus der baierischen Provinz Mittelfranken. Die von Neuenstein, worunter wohl Neuenstein im würtembergischen Jaxtkreise östlich von Oehringen zu verstehen ist. Dorthin weisen auch die von Ocinan, nordöstlich von Hall. Weiter nennt er die Herren von Sachsenflur aus dem badischen Unterrheinkreis, nordöstlich von Boxberg.

Die Richtung seiner Poesie ist der des Minnegesanges ähnlich, die in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts wie Steinmar u. a. eingeschlagen haben. Er sang Herbst- und Eßlieder, wie das Lob der Gans, des Huhnes, der Kuh, des Schafes, des Schweines. Die Gedichte sind reich an Aussagen über das Leben der Zeit. Das gilt auch von einigen anderen, die vollkommen der Schilderung damaliger Sitten und Gebräuche gewidmet sind, so das Gedicht von den Bärten, das vom Baden. Es gibt eine Schilderung des bösen Weibes, vom Wideräffen,  vom Unglimpf, vom wüsten Leben und Treiben der damaligen Ritterschaft. Der KvO hat zwei Fabeln gedichtet, „Der Mäuse Rath“ und „Tierbeichte“, die wohl zu seinen besten Sachen gehören. Er prangert den Missbrauch der Macht an.

Der dichterische Wert seiner einzelnen Gedichte wurde nicht hoch bewertet, doch wurde ihm eine humoristische Ader zugesprochen. Für die Kulturgeschichte jener Zeit sind sie von nicht unerheblichen Interesse.

Der König bediente sich der Tradition der paradoxen Lobrede. An Stelle von lobenswerten Dingen betrachtete er lästige und nicht lobenswert scheinende Gegenstände, Tiere und Gebrechen. Fliege und der Floh, Kahlheit und Gicht, Torheit und Dummheit. Diese Tradition bestand seit der Antike und wurde von Dichtern wie Hucbald von Saint-Armand (gest. 930) oder von Erasmus von Rotterdam (gest. 1536) weitergeführt.

Der Spielmann vom Odenwald schien die Tradition der paradoxen Lobrede weiterzuführen. Er lobte die Kuh, das Schwein und weitere Nutztiere, auch Alltagsgegenstände. Er argumentiert über die Unentbehrlichkeit der gelobten Gegenstände und Tiere. Doch folgen seine Texte wirklich der Tradition der Adoxographie?

Reinhard Olt sagt aus, dass die Gedichte des Spielmanns zwar in der Literaturgeschichtsschreibung Beachtung und Würdigung erhalten haben, jedoch immer wieder Unstimmigkeiten in der Forschung aufwerfen.

Der KvO verfasste seine Gedichte um 1340. Eine zeitlang lebte er in Würzburg im engen Umkreis des Michael de Leone und in der Gegend des (Ober-)Rheins, dies geht aus verschiedenen Quellen hervor. Der Dialekt, in dem seine Gedichte verfasst bzw. aufgeschrieben wurden, gibt Aufschluss über seine Herkunft bzw. seinen Aufenthaltsort: Die Sprache der überlieferten Gedichte ist Ostfränkisch, d.h. er war im mitteldeutschen Gebiet beheimatet. Außerdem findet sich ein „treues Abbild der Sitten und Gebräuche des Frankenlandes“ in seinen Gedichten.

Ob er Berufsdichter war, worauf die sorgfältig signierten Gedichte hinweisen,  oder Gelegenheitsliterat, ist unbekannt. Olt vermutet, „dass es sich beim KvO nicht nur um eine bescheidene Lokalgröße’ sondern um einen zu seiner Zeit geachteten Dichter gehandelt haben muß“. Aufgrund seiner Lese- und Schreibkenntnis und der Vertrautheit mit Texten der großen mittelalterlichen Dichter, ordnet man ihn dem Bildungsbürgertum zu. Vermutlich studierte er an verschiedenen europäischen Universitäten.

Es gibt verschiedene Theorien zu seiner Identität: der Selbstbezeichnung als König vom Odenwald in ihm einen „König“ der Spielleute im Odenwald. Er könnte aber auch – darauf weisen die vielen Anspielungen auf Speisezubereitung in seinen Gedichten hin ein Küchenmeister gewesen sein. Man vermutete in ihm den Küchenmeister von Michael de Leone.

Eine weitere Theorie vermutet hinter dem Pseudonym König vom Odenwald „eine höherstehende Persönlichkeit aus diesem Raum Odenwald in der Umgebung Michaels de Leone“. Dass sich dieser Dichter hinter einem Pseudonym versteckt spricht dafür, „dass er unerkannt bleiben will, zumal er in seinen Gedichten nicht nur den Nutzen der Haustiere lobt, sondern in gleichem Umfang massive Ständekritik übt“. Die Überlieferung der Gedichte vom König vom Odenwald beschränken sich hauptsächlich auf ein handschriftliches Werk aus dem 14. Jahrhundert. Urkundlich ist er nicht zu fassen und es ist schwer, ihm anonym geschriebene Gedichte nachträglich zuzuordnen.

Moderne Forschungen vermuten in dem König Johann II. von Erbach (1300 bis 1385/1386) aus dem Geschlecht der Schenken und Reichsgrafen. Die Erbach lebten bei dem Ort König, wo sie eine Wasserburg besaßen. Die Familie stellte verschiedene kirchliche Würdenträger in Worms, Mainz, Speyer und Würzburg. Johannes II. und Michael Jude ( de Leone) kannten sich persönlich aus der gemeinsamen Studienzeit in Barcelona. Johannes II. hatte sein Studium 1 Jahr vor Michael begonnen. Die v. Erbach waren zunächst Ministeriale, die das Amt des Vogtes der Abtei Lorsch innehatten. Die Wittelsbacher Pfalzgrafen machten die Herren von Erbach um 1226 als Schenken von Erbach zu ihren Erbschenken.

Werk

Das Werk des Königs vom Odenwald umfasst mindestens zwölf Gedichte, die alle in der Würzburger Liederhandschrift enthalten sind, es finden sich auch Überlieferungen in der Gothaer Sammelhandschrift und vereinzelt auch gekürzte Fassungen und Bruchstücke in anderen Sammelhandschriften und Frühdrucken. Diese Gedichte können aufgrund der Selbstnennung des Dichters dem König vom Odenwald zugeordnet werden. Die Gedichte wurden in mehreren zeitlich getrennten Absätzen geschrieben.  Dies lässt den Schluss zu, dass der Dichter dem engeren Umfeld von Michael de Leone lebte mit ihm befreundet war bzw. Michael persönlich Gönner oder Bewunderer des Königs vom Odenwald war. Es könnte das Bestreben Michaels gewesen sein, mit der Anlage seines schriftlichen Nachlasses vor allem seine Lebensweise darzustellen, bzw. darstellen zu lassen.

Der König vom Odenwald verfasste hauptsächlich Reimpaargedichte, außerdem werden ihm zwei Fabeln, ein Kochbuch und mehrere namenlose Gedichte zugeschrieben, bei den meisten wurde die Autorschaft mittlerweile jedoch widerlegt. Das zuerst in der Straßburger Handschrift A 94 (um 1330- 1350) überlieferte Gedicht Von dem husrate kann jedoch nicht zweifelsfrei dem König vom Odenwald zugeschrieben werden.

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