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Schwarzromantik und dunkles Leben

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Die Gothic Kultur

steht für eine Subkultur die in den 1980er Jahren zu uns herüber schwappte, sie ging aus dem Punk– und New-Wave-Umfeld hervor. Man kann die Gothic Kultur als Knotenpunkt der “Schwarzen Szene” verstehen.Das grundlegende Element, das die Entwicklung der Gothic-Kultur überhaupt ermöglichte, war die Musik (Gothic Rock),  die Faszination für Themen wie Tod und Vergänglichkeit und einer daraus resultierenden Selbstinszenierung. Wesentlichen Einfluss übten dabei Literatur und Film (Gothic Fiction) aus, deren Thematiken das Erscheinungsbild dieser Szene zum Teil maßgeblich prägten.

Die Anhänger der Gothic-Kultur werden global als Goths bezeichnet, obwohl diese Bezeichnung innerhalb der Szene nicht generell Akzeptanz findet.  Gründe dafür finden sich im Versuch der Wahrung der eigenen Individualität. Im deutschen Sprachraum ist auch die Bezeichnung Grufti(e) gebräuchlich, den Szenemitglieder der Anfangszeit mehr bevorzugen. Viele frühe Anhänger der Szene kritisieren, dass sie nicht mehr gruftig genug ist. Das Zentrum der Gothic-Bewegung geriet schrittweise ins Abseits.

Gothik Szene

Die Gothic-Szene gilt als ästhetisch orientiert. Ihre Mitglieder werden als friedlich, aber auch unnahbar, abgehoben und wirklichkeitsfremd wahrgenommen. Sie ist eine rückblickende Kultur mit einer enormen Bandbreite an modischen Formen. Ein großer Teil der Bevölkerung wird von Teilen der Gothic Kultur kritisiert. Man schimpft sie konservativ, konsumorientiert, intolerant, egoistisch und vom Mainstream geleitet. Daraus resultiert auch eine demonstrative Distanzierung zum “besseren” Teil der Gesellschaft. Eine typische, allgemeinverbindliche Lebenseinstellung gibt es für die Szeneanhänger nicht. Es werden philosophische, religiöse, sozialkritische wie auch politische Fragen  thematisiert, jedoch nicht einheitlich, oder gar nicht, beantwortet.

Die Auseinandersetzung mit dem Tod und dessen Diskussion als natürlicher Bestandteil des Lebens wird häufig ambivalent, auf ernsthafte wie auch ironische Weise, betrachtet. Es lässt sich ein Hang zur Existenzphilosophie erkennen, dem Reinkarnationsgedanken und Erkenntnissen über die Vergänglichkeit und Sinnlosigkeit des Lebens, woraus sich wiederum negative Gemütszustände wie Gleichgültigkeit, Resignation oder Todessehnsucht entwickeln können. Das Todesbild der Szene enthält extreme und direkte Formen der Beschäftigung mit dem Tod, was vom Rest der Gesellschaft negativ aufgenommen wird. Außenstehenden ist es oft unverständlich, warum sich gerade junge Menschen mit dem Sterben befassen.

Die Friedfertigkeit der Szene ist überwiegend auf die selbstbezogene, passive wie teilweise resignierende Grundhaltung zurückzuführen. Sie verfolgt weder politische Ziele noch folgt sie einer bestimmten Ideologie. Die Anhänger kreisen vielmehr um sich selbst, denken über sich und ihr Erlebtes nach, durchaus auch über große Themen, ohne ihre Kritik jedoch lautstark zu Gehör zu bringen. Es ist eine gewisse Defensive in Bezug auf Nichtszenemitglieder zu erkennen. 

Einige Goths suchen, ihrem Rückzugsbedürfnis entsprechend, Stille und Einsamkeit. Sich mit einer Atmosphäre von Tod, Trauer, Leid, Frieden und Vergänglichkeit zu umgeben. Die Gothic-Szene darf man jedoch nicht als Trauer-Kultur verstehen. Es gibt Goths, die sich primär zu mystischen und okkulten Themen hingezogen fühlen und versuchen, diese Seite ihrer Persönlichkeit auch auszuleben. Melancholische und introvertierte Eigenheiten sind stark verbreitet, lassen sich jedoch aufgrund der Uneinheitlichkeit der Zusammensetzung der Szene und ihrer Ausdrucksformen nicht verallgemeinern. Humoristische und zynische Wesenszüge sind ebenfalls vorhanden, was die Grufti-Comics verdeutlichen.

 

Einsamkeit

Epochen wie das Viktorianische Zeitalter, die Gründerzeit und das Fin de siècle, ziehen das Interesse der Gothic-Szene stark an.  Die Vorliebe für die Gothic Novels und die Schwarze Romantik üben einen starken Einfluss auf das Erscheinungsbild der Szene aus. Eine der Grundeigenschaften der Szene ist somit nicht, wie häufig gedacht, eine Reflektion auf das Gotik-Zeitalter, sondern auf das 18./19. Jahrhundert, dem Zeitalter der Trivialliteratur und Schauerromane. Weiter ist eine Hinwendung zum Mittelalter, seinen Mythen und Sagen anzutreffen. Dabei wird das Mittelalters stark romantisiert. Was viele Goths vor Augen haben, ermöglicht eine Flucht vor der sie umgebenden realen Welt. 

Die Beweggründe, sich der Gothicbewegung anzuschließen sind unterschiedlich. Sie unterscheiden sich aber nur unwesentlich von denen anderer Subkulturen. Neben den musikalischen Vorlieben gehört bei den Jugendlichen die Suche nach der eigenen Identität, alternativen Lebensentwürfen, aber Protest und Abgrenzung gegenüber dem Elternhaus und der Gesellschaft eine Rolle. Bei  den jungen Erwachsenen ein entstehendes depressives Lebensgefühl, das vielfach durch Sinnleere und das Gefühl des Unverstandenseins hervorgerufen wird. Ältere Erwachsene haben ähnliche Beweggründe. Ihr depressives Lebensgefühl hat sich jedoch vielfach durch die Summe der negativen Erfahrungen geprägt, die sie nicht genügend aufgearbeitet haben.

Die Entscheidung, sich der Gothic-Szene anzuschließen, bringt oft viele private, schulische und berufliche Konflikte mit sich. In Einzelfällen kann diese Entscheidung Bindungen komplett zerstören. Dies geschieht meist dann, wenn die Beziehungen schon vorher stark belastet und unharmonisch waren. Im Erwachsenenalter ist es nicht viel anders. Je stärker die Menschen mit der Szene verhaftet sind, je größer ist die Problematik beim Aufbau von Kontakten außerhalb der Szene. Die selbstgewählte Einsamkeit, die Abkehr vom RL kann zu einer Art Realitätsverlust bezüglich der eigenen Rolle führen. Durch das Fehlen positiver sozialer Kontakte, das Einspinnen in die eigene Welt, die ausschließliche Suche nach seinesgleichen verklebt die Augen für das Schöne im eigenen Umfeld. Da neue Menschen die in das eigene Leben treten nichts von der Neigung zur dunklen Seite wissen, reagieren sie falsch und zerstören oft eine beginnende Freundschaft oder gar mögliche emotionale Keime. Im Ergebnis dessen, wird das depressive Lebensgefühl weiter gefestigt. Anstatt mit der Wahrheit in die Offensive zu gehen, und bei dem anderen ein Verstehen zu fördern, geht derjenige in die Defensive. Das dunkle Leben hat sein Opfer zurück.

Der Hang zur Einsamkeit und Außenseiterposition ist bei nicht wenig Menschen auch durch die eigene Entwicklung bedingt. Die Summe der eigenen positiven Erfahrungen in dieser Rolle wird überbewertet. Bin ich alleine, oder ziehe mich in meine Einsamkeit zurück, lebe ich besser. Letztlich ist das ein Trugschluss. Wer soziale Kontakte meidet, entwickelt ein verschrobenes Weltbild. Das eigene ICH wird zum Maßstab aller Dinge. Toleranz, Anpassungsbereitschaft, selbst Taktgefühl und Höflichkeit, sinken oder fallen ganz. Durch den Großteil der Gesellschaft wird das als negativ registriert. Zu der selbst gewählten Außenseiterposition kommt die “Abschiebung” durch das persönliche Umfeld.

Viele Goths pflegen ein starkes Traditionsbewusstsein, und behalten ihren Lebensstil, sowie die damit verbundenen Vorlieben, weit bis ins Erwachsenenalter bei. So entsteht ein altersübergreifender Dialog, der, bei richtiger Umsetzung, die Szene bereichern könnte.

Lifestyle

Ein zentrales Merkmal der Gothic Kultur ist das Styling, das als Mittel der Abgrenzung, der Zugehörigkeit und des Ausdrucks eingesetzt wird. Goths, die ihre Gefühls- und Gedankenwelt durch ihr Erscheinungsbild auszudrücken versuchen, bevorzugen die „Farbe“ Schwarz. Sie ist Ausdruck von Würde, Eleganz und Nachdenklichkeit. Goths verstehen die Farbe schwarz nicht als Trauer und Tod. In Anlehnung an die Wurzeln im Punk werden Kleidungsstücke absichtlich mit Rissen oder Löchern versehen. Ebenso orientieren sich Frisuren an der Punk- und Wave-Kultur der 1980er Jahre, wodurch sich die Gothic-Bewegung auch heute noch optisch im Post-Punk-Milieu verorten lässt.

Die Bekleidungsstrategie der frühen Gothic-Szene zeigte sich nicht wie bei den Punks als Ästhetisierung des Hässlichen, oder bei den New Romantics als Revival des Glamourösen vergangener Zeiten, sondern als Inszenierung des Horrors. Bei den Gruftis galt es lange Zeit als modisch, die Vergänglichkeit des Daseins gezielt durch ein totenähnliches Auftreten zu versinnbildlichen. Heutige Goths grenzen sich teilweise bewusst vom Erscheinungsbild der Punk-Kultur ab. Elemente aus Kleidungsstilen der Renaissance, des Viktorianischen Zeitalters oder des Jugendstils gehören zum Outfit. Reine Kleidungsstile sind jedoch nur selten in reiner Form anzutreffen. Meist werden einzelne Kleidungskomponenten unterschiedlicher Epochen miteinander kombiniert. Dabei werden neben dem damit verbundenen Aufwand auch hohe Kosten in Kauf genommen, um sich stilechte Kleidung schneidern zu lassen. Vorlage für diesen Kleidungsstil, der als Relikt der New-Romantic-Szene angesehen wird,  sind oft romantische Vampirfilme.

Die Gothic-Szene ermöglicht eigentlich jedem das bzw. der zu sein, der man sein will. Jeder der es möchte findet darin sein Eckchen. Man muss nicht zwingend Todessehnsucht haben um ein Goth zu sein bzw. zu werden. Wer sich dieser Szene anschließen möchte, muss sich darüber bewusst sein, dass die Szene eine sehr oberflächliche und im Umgang miteinander nicht unbedingt ehrliche Welt ist. Man darf sein was oder wer man möchte. Das eigene ICH wird überblendet. Obwohl man den Mainstream ablehnt, wird er dennoch bedient. Gibt sich die Szene nach außen edel und ehrlich, ist sie innerlich durch Alkoholmissbrauch und Drogenkonsum belastet. Die oft labilen und lebensuntüchtigen Charaktere suchen sich ihre Fluchtpunkte in Scheinwelten.

 

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