Hettys blaues Gothic Café

Schwarze Romantik des dunklen Leben

Page: Mein dunkles Leben

Mein Weg ins dunkle Leben

Mein Weg ins dunkle Leben nahm in meiner Kindheit seinen Anfang. Ich wuchs in einer Kleinstadt auf. So ein Ort, wo jeder alles weiß, sich in alles einmischt, über alles redet und doch nichts weiß. Mein Vater war Schuldirektor, meine Mutter Schulsekretärin. Wir lebten in einem Haus etwas fernab der Zivilisation am Stadtrand. Für mich als Kind war es ein schweres Dasein. Mein Vater erlaubte nicht, dass ich andere Kinder zu Besuch empfing, wenn ich alleine zu Hause war. Freunde hatte ich keine, man befreundete sich nicht gerne mit der Tochter vom Direktor. 🙂

Ich verbrachte meine Hofpausen in der Schule nicht etwa mit den anderen Kindern, nein, ich war gut geschützt bei der Hausmeisterfamilie, wo ich frühstückte, Mittag aß und meine Hausaufgaben machte. Gemeinsam mit meinem Vater fuhr ich gegen 16.00 Uhr nach Hause.

Da mein Vater nicht nur Direktor war sondern auch Mathematik-und  Physiklehrer, hatte ich als Tochter perfekt in diesen Fächern zu sein. Meine Wochenenden verbrachte ich also damit, mich nach dem Fach Physik mit Freude der Mathematik zu widmen. Leider gab es kein Entrinnen, es sei denn, mein von Herzen geliebter Opa erlöste mich aus dieser Einzelhaft. Jeden Sonntag sah ich gegen 8:00 Uhr sehnsüchtig aus meinem Fenster, ob er nicht um die Ecke geradelt kam. Oh, mein Opa war ein zuverlässiger Freund. In seinem dunkelblauen Nadelstreifenanzug, mit Schlips und Kragen, weißen Tennisschuhen und einem weißen Hut, radelte er jeden Sonntag die 10 km, um mich aus meinem Kerker zu befreien. Hatte ich in der Mathearbeit keine 1 oder 2 geschrieben, bekam ich Stubenarrest zum Lernen. Mein lieber Opa nahm davon wenig Notiz. Er riss schwungvoll meine Zimmertür auf, rief meiner Mutter fröhlich zu “Elfi, zieh das Mädel an”, nahm mich an die Hand, und wir verschwanden in Wald und Flur.

Als ich 10 Jahre alt war, wurden meine Eltern geschieden, und mein Leben bekam einen Riss. Obwohl mein Vater so streng zu mir war, liebte ich ihn abgöttisch. Egal was auch immer, er ließ keine Gefühle zu. Bis zu einem sagenhaften Sonntag. Meine Eltern hatten sich ganz übel gestritten, es wurde handgreiflich zwischen ihnen, und ich saß verängstigt im großen Ehebett. Mein Zimmer war zu seinem Zimmer geworden. Nach dieser Szene ging ich zu meinem Vater um ihn zu fragen, warum er denn so böse zu meiner Mama war. Er nahm mich auf den Schoß, und verlor die mühsam gepflegte Haltung. Er drückte mich fest an sich. Tränen rollten über seine Wangen, er küßte mich auf Stirn, Wangen und meinen kleinen Mund. Das erste und einzige Mal sagte er “Ich habe dich so lieb meine Kleine.” Dieses Erlebnis hat mich emotional so aufgewühlt, dass ich mehrere Wochen mit schwerer Migräne in einem dunklen Zimmer liegen musste. Die Neigung zur Migräne behielt ich viele Jahre. Bei jeder emotionalen Belastung wurde mir das dunkle Zimmer zum Bedürfnis.

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