Hettys blaues Café

Schwarzromantik und dunkles Leben

Page: Die Zeit des Mittelalters

Die Zeit des Mittelalters übt nicht nur auf die “Schwarze Szene” eine besondere Anziehungskraft aus. Es ist aber die Epoche, die genau zum dunklen Leben passt, voll von Mystik, Aberglaube und dunklen Geschichten. Die Kritiker der “Schwarzen Szene” werfen ihr vor, sie verherrliche das Mittelalter, und stehe ihm kritiklos gegenüber. Ist es wirklich die Aufgabe der Menschen unserer Zeit die Vergangenheit zu bewerten, zu verurteilen und das Handeln der Menschen zu verteufeln? Ganz sicher nicht.

Das Mittelalter wird auch als dunkles Zeitalter bezeichnet. Dunkel unter anderem deswegen, weil die Pest und andere Krankheiten die Menschen dahin raffte. Als Schwarzer Tod wurde die große europäische Pandemie zwischen 1346 und 1353 betitelt, die geschätzte 25 Millionen Todesopfer, ein Drittel der damaligen europäischen Bevölkerung, forderte. Als Auslöser gilt eine Variante des Pest­erregers Yersinia pestis. Die Einschleppung der Pest in unsere Breiten war eine Folge des Welthandels mit Asien, und insofern unvermeidbar.

Betrachtet man sich das Mittelalter insgesamt, so war es aus unserer Sicht sehr primitiv, und doch eine Zeit des Fortschritts. Nicht alles was über das Mittelalter geschrieben wurde, wird und werden wird, ist wahr. Historiker neigen dazu, alles was für sie nicht belegbar ist zu interpretieren. Die Quellenlage zum Mittelalter ist sehr dürftig und daher wissenschaftlich ungenügend auswertbar.  Der Deutsche neigt häufig dazu, sich als vermeintlicher Richter über die Vergangenheit aufschwingen zu müssen. Man kann die vergangenen Epochen jedoch nicht mit heutigen Maßstäben messen. Jeder soll und muss das Recht behalten, sich aus der Vergangenheit das zu entnehmen, was seinen Interessen entspricht. Das gilt für das Mittelalter wie alle nachfolgenden Epochen.

Unsere Zeit ist überfrachtet mit Technik und anderen Reizen, wen wundert es, dass sich viele als “Aussteiger” betätigen und sich wenigstens in ihrer Freizeit Aktivitäten suchen, an denen sie Freude haben. Warum also nicht am Mittelalter und dem dunklen Leben?

Das heute praktizierte Mittelalter auf Festivals und Märkten, hat eigentlich wenig mit dem Mittelalter zu tun, es ist Kommerz. Ein wenig Authentizität haben noch die Ritterspiele. Die modernen Ritter bemühen sich sehr stark um eine detailgetreue Wiedergabe des Ritterlebens. Leider sind auch die zur Show gebrachten Handwerke in ihrer Darstellung nicht in jedem Fall mittelalterlich korrekt.

Mittelalterküche

Auch ein Goth muss essen. Die Mittelalterküche ist sehr gut aufgearbeitet, doch leider mangelt es auch hier an wirklicher Authentizität im Ergebnis. Wer Mittelalterküche praktizieren möchte, der muss zuerst einmal die Besonderheiten aus heutiger Sicht kennen. man sollte damit beginnen, das Ernährungsverhalten zu studieren.

Die Zeit des Mittelalters fasst die Jahre ab dem 6. Jhdt. bis zur Neuzeit, also Ende des 15. Jhdts. Bekanntermaßen teilt man das Mittelalter in Früh-Hoch-und Spätmittelalter ein. Interessant ist die Zeit ab dem 13. Jahrhundert, denn ab da gibt es überlieferte Aufzeichnungen. Aus England steht uns das Buch “Forme of cury” zur Verfügung, aus Deutschland “Das Buoch von guter Spise”. Beides sind keine Kochbücher im heutigen Sinne. Es sind lediglich Kochanleitungen, die erst zu Rezepturen umgearbeitet werden müssen. Ich beziehe mich zu der gesamten Thematik auf das Kulinarik Wiki von Justine Marén. Justine ist Küchenmeister und Kochbuchhistoriker, und stellt mir ihre Rezepte und Forschungsergebnisse für dieses Blog zur Verfügung. Vielen, vielen Dank.

Die Ausstattung der mittelalterlichen Küchen war einfach. Man kochte an kniehoch gemauerten offenen Feuerstellen. Die offene Feuerstelle befand sich anfangs auch in den wohlhabenden Haushalten in der Mitte des Wohnraums, und heizte gleichzeitig den Hauptraum. Kamine sind bereits für das Jahr 820 im Kloster St. Gallen belegt. Mit Funkenschutz versehene Rauchfänge sorgten für einen zunehmend besser werdenden Rauchabzug. Im Hochmittelalter entstanden dann die ersten Feuerverordnungen, die in vielen Städten direkt vorschrieben, dass Häuser einen gemauerten Kamin haben müssen. Die Kochstelle wurde nun an die Wand des Hauptraumes verlagert, es entstanden vom Wohnraum getrennte Küchen.

In den wohlhabenden, größeren Haushalten wurden die Küchen häufig in einem separaten Gebäude untergebracht und mit dem Hauptwohnbereich durch einen Gang oder eine Arkade verbunden. Rauch, Küchengerüche und Lärm belästigten die Bewohner nicht mehr.

Man verwendete tragbare Öfen, die mit dem Gargut befüllt direkt in die Glut gestellt wurden. In spätmittelalterlichen Städten zogen die Pasteten- und Waffelbäcker mit mobilen Öfen durch die Straßen und bereiteten kleine Gerichte zu. Diese Art “Imbiss” gab es schon bei den alten Römern. Die Mahlzeiten wurden in einem großen Kessel über dem Feuer zubereitet, das war die effizienteste Methode, da man nur eine Kochstelle hatte. Die mittelalterliche Speisekarte wurde deswegen von suppigen und breiigen Speisen dominiert. Diese stark gemusten Speisen waren auch aus einer anderen Notwendigkeit heraus wichtig. In der Zeit des Mittelalters gab es natürlich noch keine Zahnärzte. Einzig das Zähne ziehen übernahmen die Bader. Das gebiss der Menschen verschliss sehr schnell, die Zähne wurden durch schlechtes grobes Mehl sehr stark abgerieben. Die Zähne wurden immer kürzer und begannen zeitig zu schmerzen. Die ungenügende Versorgung mit Vitamin C ließ das Zahnfleisch zurückgehen, Zahnlosigkeit bzw. sehr lückenhafte Gebisse und schmerzende Zähne waren die Folge. Darüber hinaus vertrat die mittelalterliche Heilkunde die Auffassung, dass ein Körper die Nahrung nur effektiv aufnehmen könne, wenn sie von feiner Konsistenz sei. Das führte zu dem Unfug der doppelten und dreifachen “Tötung” der Nahrungsmittel. Es gab eigentlich nichts, was noch einen Nährwert hatte.

In heutiger Zeit mokiert man sich über die hohen Nahrungsmittelmengen die im Mittelalter nachgewiesen wurden, und dass die “Reichen” daher sehr beleibt waren. Der mittelalterliche Mensch lebte von sehr kohlenhydrathaltigen Speisen mit leeren Kalorien, und stopfte den Magen nur mit Füllmasse ohne Nährstoffe zu. Das kennt jeder, der oft zu McDonald’s geht. Man isst, und hat 10 Minuten später wieder Hunger.

Als Küchenutensilien verwendete man Dreifußtöpfe, Pfannen, Waffeleisen, Siebe und Reiben, Bratenroste und drehbare Bratenspieße. Wegen ihrer hohen Anschaffungskosten waren diese nur in sehr wohlhabenden und fürstlichen Haushalten zu finden. Wo Bratenspieße vorhanden waren, wurde meist alles am offenen Feuer zubereitet. Töpfe und Kessel wurden dort auch mit Hilfe von schwenkbaren Hebevorrichtungen direkt über dem Feuer bewegt, da sie an längenverstellbaren Ketten hingen, um die Hitzeintensität besser regulieren zu können.


Weiter geht’s hier:

  1. Rezepte verstehen
  2. Rheingauer Hühner
  3. → Der Spielmann
  4. Michael de Leone

 

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