Hettys blaues Café

Schwarzromantik & Dunkles Leben

Er ist mir nah, und doch so fern

 Oft hat man das Gefühl, ein Mensch ist einem nah und doch so fern. Man lernt sich kennen, ist sich sympathisch, schreibt sich immer öfter Nachrichten und irgendwann kommt der Punkt wo man fühlt, das ist er, oder sie. Obwohl man vielleicht die berühmten Schmetterlinge im Bauch hat, für sich kann man es nicht akzeptieren. Man möchte Nähe, und stößt den anderen doch weg. Anfangs macht man es unbewusst, doch je länger das alles dauert, man sich seine Zuneigung eingesteht, um so stärker ist der Drang, diese starke Bindung abzuschütteln. Dazu sagt man kurz und knapp “Beziehungsangst”.

Wie alles was in unserem Leben nicht normal läuft, wird das mit der Kindheit begründet. Nun gut, betrachte ich meine Kindheit, so mag da ja vielleicht auch etwas dran sein, doch der ursächliche Punkt für mich war ein Erlebnis, dass ich in meiner Schulzeit hatte. Es war so die Zeit der ersten Freundschaften, und des ersten Verliebt seins. Ich war in einen Jungen aus meiner Klasse verliebt, dass muss so mit 12 gewesen sein. Wir verstanden uns gut, verbrachten viel Zeit miteinander und irgendwie “gingen” wir dann auch miteinander.

Kindheitstrauma

Mit den Jungs aus meiner Klasse kam ich gut klar. Es mag da wohl auch einige gegeben haben, die mich ganz nett fanden, jedoch hatte ich für niemanden Augen. Plötzlich fand ich nette Kleinigkeiten auf meinem Platz. Mal ein Stück Obst, mal ein Blümchen, mal dies, mal das. Ich hatte Peter im Verdacht. Er war stets in meiner Nähe, war stets zu Hilfe, wenn man jemanden brauchte. Hatte er Probleme mit den Hausaufgaben, fragte er immer bei mir nach. Zu unserer Zeit besuchte man sich noch ohne böse Hintergedanken. So lernte ich auch irgendwann seinen großen Bruder kennen, der um die 15 war. Eines schönen morgens sah ich, wie der große Bruder aus unserem Klassenraum huschte, und wieder fand ich etwas auf meinem Platz. Dazu einen Zettel. Der große Bruder wollte sich mit mir treffen. In der Pause kam Peter zu mir und warnte mich. Ich solle da nicht hingehen. Sein Bruder wolle mich nur veralbern.

Mein Freund bat mich, doch hinzugehen, aber er käme mit ein paar Kumpels heimlich mit. Gesagt, gemacht. Da wir uns auf dem allseits bekannten Treffpunkt verabredeten, dem “Alten Friedhof”, versteckten sich die Jungen im Gebüsch. Der große Bruder kam. Gerade als er die “Bombe” platzen lassen wollte, tauchten die Jungen aus dem Gebüsch auf, und es war die edelste Klopperei im Gange. Der Bruder meines Schulkumpel war vom Typ: “Ich kriege alle”, nun, mich bekam er nicht. In der Schule machte es die Runde, die Lacher waren auf meiner Seite.

Für mich persönlich war es ein einschneidendes Erlebnis. Ich fühlte mich tief verletzt, und habe seither nur 3x wirklich Nähe zugelassen. Nie wieder habe ich schönen Worten, Komplimenten oder Bemühungen um mich vertraut. Mancher Mann tat mir wirklich leid. Alles war gut, solange es bei einer Freundschaft blieb, doch überwand sich mal jemand, habe ich das abgebogen und den Kontakt abgebrochen.

Ich will dich, doch lass mir mein Leben

Unlängst hatte ich ein derartiges Erlebnis im umgedrehten Fall. Ich bin dem Mann gar nicht böse, dass er den Kontakt abbrach, weil er wohl Angst vor all dem bekam, nur, dass er nicht ehrlich darüber geredet hat. Bei der Gelegenheit hätte ich ihm sagen können, dass ich keinerlei Ambitionen zu einer engeren Beziehung habe, jedoch sehr viel Wert auf seine Freundschaft lege. Wünscht man sich vielleicht auch einerseits einen Menschen an seiner Seite, der zu einem gehört, so kann man doch nicht wie auf einer Insel leben. Eine Beziehung führen heißt, sich zu teilen. Von lieb gewordenen Gewohnheiten, wenigstens teilweise, Abschied nehmen. Man bekommt eine Familie dazu, die man nicht wirklich möchte. Man muss sich versuchen anzupassen. Kompromisse eingehen.

Wer lange alleine lebt, oder negative Erfahrungen, für sich, aus anderen Beziehungen mit nimmt, der wird immer versuchen, gerade das zu vermeiden. Ganz selten findet man Partner, die das eigene Bedürfnisse nach Abstand auch in einer Beziehung respektieren. Die dem Partner Raum lassen für eigene Hobbys und Gewohnheiten. Es gibt auch in einer Beziehung Momente, in denen man ganz allein sein möchte. Seine Türe hinter sich schließen und tief durchatmen. Mich nervt es ungemein, wenn ich mein Leben permanent vor einem ausbreiten muss. Ständig gefragt werde, was machst du, wo gehst du hin, wo warst du? Das ist in einer Beziehung eben so, höre ich gerade. Nein, ist es nicht. Jeder Mensch gehört noch immer sich selber, sich ganz allein. Wie viel man davon hergeben möchte, ist die eigene Entscheidung.

Es gibt wenig Menschen, die dem Partner kein Leben lassen. Mit dem Moment, wo sie zusammen kommen, meinen sie, zu siamesischen Zwillingen werden zu müssen. In der Jugend mag das willkommen sein, mit fortschreitendem Alter nicht mehr. Auch wenn in einer Partnerschaft vieles vom ich zum wir wird, bin ich doch letzten Endes immer noch ich.

Views All Time
Views All Time
85
Views Today
Views Today
2

Comments are closed.

 

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen