Hettys Gedankenwelten

Schwarze Romantik, dunkles Leben

Gegengeschlechtliche wahre Freundschaft

Ich erwidere deine Gefühle nicht, aber ich mag dich…

Dieser Satz hat sich tief in mein Bewusstsein eingegraben. Mal abgesehen davon, dass ich es bis heute nicht glaube, war der gesamte Satz unnötig. Ich habe zwar erwidert, was der Situation angemessen schien, doch es war die gleiche Lüge. Ist dieses ›mögen‹ nicht auch ein Gefühl? Unser ganzes Leben wird von Gefühlen gesteuert.

Weil es die Situation so ergab, hatte ich dem bewussten Mann etliche Monate vorher unfreiwillig gestanden, dass ich mich verliebt hätte. Zu diesem Zeitpunkt hat es auch gestimmt. Allerdings lag fast ein Jahr zwischen beiden Aussagen. Mein zufälliges Geständnis hatte eigentlich wenig an unserem Verhalten zueinander geändert. Keiner von uns war je darauf zurückgekommen. Es entwickelte sich, so empfand ich es, eine kleine Freundschaft. Wir schrieben uns Nachrichten, mal mehr, mal weniger. Mal täglich, mal wöchentlich. Wir redeten über nichts oder über viel. Es gab Zeiten, da standen wir uns näher, fühlten Vertrautheit.

Die anfänglich gefühlte Verliebtheit war ganz normalen freundschaftlichen Gefühlen gewichen. Hinzu kommt, dass ich fast zwanzig Jahre älter bin. Der Mann hätte mein Sohn sein können, so empfand ich es auch. Er war zwar ein Mann, doch ich konnte ihn nicht als den Mann sehen, den ich begehrte. Selbst als ich meinte verliebt zu sein, verspürte ich keine sexuelle Anziehung. Für mich war er schlichtweg ein liebgewordener Mensch geworden, mit dem ich über ganz spezielle Themen reden konnte und wollte.

Mitunter hatte ich das Empfinden, dass er mir Gefühle entgegenbrachte. Gefühle, die ich nicht erwidern konnte, aus besagtem Grund auch nicht wollte. Meinerseits war es eine reine Kameradschaft geworden, ohne jegliche tiefer gehende Gefühle. Wir hatten gemeinsame Interessen und ich war der Hoffnung erlegen, dass wir unseren Konsens dazu fänden, fanden wir aber nicht. Wie meine Intuition mir sagte, glaubte er noch immer, ich sei verliebt.

Eines Tages trafen wir uns noch einmal. Wir machten einen Stadtbummel, gingen zusammen essen und redeten über alles mögliche. Für mich war es ein schönes Treffen, allerdings wurde ich die ganze Zeit das Gefühl nicht los, dass er auf gewisse Weise auch zu flirten versuchte. Bewusst war ich nicht alleine zu diesem Treffen gefahren, was ich auch vorher ankündigte. Ein Flirt ist immer ein Schritt auf einen Menschen zu, den ich nicht erwidern wollte. Es war ein Kreis der sich nicht schloss. Den ich nicht schließen wollte.

Nach unserem Treffen bekam ich besagte Nachricht, die mich erstaunte und erheiterte. Erstaunte, weil es einerseits keine Gefühle mehr zu erwidern gab, er sie aber doch erwiderte. Erheiterte, weil er die Chance mir das zu schreiben ein Jahr nicht genutzt hatte, trotz meiner Angebote. Immer wieder fand er etwas, mich festzuhalten. Gleichzeitig sagte er auch, dass er sich nicht einlassen könne, weil er nicht vertrauen könne. Eingelassen aufeinander hatten wir uns per WhatsApp schon vor einem Jahr. Die begonnene kleine Freundschaft war damit beendet, vielleicht auch nur auf Eis gelegt.

Was mich ärgerte, war die typische männliche Feigheit. Männer nutzen heute WhatsApp um “Schluss” zu machen, so geht man Fragen aus dem Weg. Man kann sich ja dann tot stellen. Frauen reden und wollen zumindest wissen, was nun das Problem sei. Männer schaffen Konflikte, Frauen wollen sie gelöst haben.

Können gegengeschlechtliche Freundschaften wirklich nicht existieren?

Es bleibt die Frage, können reine Freundschaften zwischen den Geschlechtern wirklich nicht existieren? Müssen Männer, gemäß ihrer Geschlechterrolle, immer davon ausgehen, eine Frau möchte sie, egal wie alt? Sympathie und Empathie sind nicht gleichzusetzen mit Liebe. Nicht bei jedem andersgeschlechtlichen Menschen springt der Funkte der sexuellen Anziehung über. Man kann den Menschen in seiner Gesamtheit mögen, wie es Frauen eigen ist, doch muss man sie auch körperlich begehren?

Heute machen vielfach Frauen den ersten Schritt auf einen Mann zu. Ich für meinen Teil denke, das habe ich auf meine Weise auch getan. Ich habe dem Mann mehr als eindeutig zu verstehen gegeben, dass er mir als Mensch, als geistiger Partner, wichtig ist, mir etwas bedeutet. Sind Männer wirklich so stark darauf gepolt, dass jeder kleine Schritt auf sie zu sexuelles Verlangen bedeutet? Ist es im männlichen Denken wirklich so abwegig, das eine Frau sie nur als geistigen Partner begehrt? Wäre der Mann älter, hätte ich vielleicht eine andere Einstellung zu dieser Sache. Auf der anderen Seite stehe ich noch immer auf dem Standpunkt, wenn ein Mann eine Frau wirklich haben möchte, als Freund oder als Beziehungspartnerin, dann muss er sich öffnen. Für mich ist auch bis heute unklar, warum dieser, ja absolut, nette Mann, diesen Kontakt zu mir überhaupt gesucht hatte. War es das besagte Konkurrenzverhalten der Gruppendynamik? Ich habe es geschafft, ihr nicht! War es Neugier? War es Abenteuerlust? War es wirklich persönliches Interesse?

Es gibt so viele Möglichkeiten einem anderen einen Fingerzeig zu geben. Eine Freundschaft ist keine Liebesbeziehung. Jemanden zum Freund zu wollen, ihn wert zu befinden ein Stück seines Lebens zu werden, ist völlig unabhängig von sexueller Anziehung. Wer in meinen Gedanken ist, ist Teil meines Lebens. Ein guter, wahrer Freund, wie mehrfach dargelegt, fragt nicht nach Liebe, er ist da. Um eines anderen Tränen zu trocknen, muss man ihn nicht lieben, dafür ist Empathie zuständig. Sich einfühlen können, Leid und Freude teilen, auch Zweifel und berufliche Probleme, erfordert ebenfalls keine Liebe. Männer sollten lernen, dass eine Freundschaft mehr Wert hat, als eine Liebesbeziehung, die sich abnutzt.

Im Internet liest man zu Hauf klagende Frauen, die nicht damit klar kommen, dass Männer ihre Annäherungsversuche nicht erwidern. Wie wir wissen, öffnen sich Männer nur schwer. Zeigen nur zögernd Gefühle. Aber ganz ohne geht es nicht. Wer sich um einen anderen Menschen bemüht, muss auch durchhalten. Männer fühlen sich oft von Frauen veralbert, nicht ernst genommen. Ja wie denn, wenn sie den Schritt nach vorne wagen und derlei Nachrichten wie oben verschicken. Einfach Mut haben. Jeder fühlt, ob der andere ihm Gefühle entgegenbringt, Freundschaft ist auch ein Gefühl.

Was hat diesen Mann zu der Nachricht bewogen? Enttäuschung, weil ich nicht auf seine wirklich schönen Flirtversuche eingegangen bin? Fühlte er sich überfordert? Meinte er, mir nicht gewachsen zu sein? Hatte er etwas falsch verstanden? Es war doch nichts weiter als ein Treffen von zwei Menschen die sich sympathisch waren. Oder doch nicht? Wie auch immer, ein klärendes Gespräch hätte Klarheit gebracht. Und vielleicht hätte ich, bei guten Argumenten, auch meinen Standpunkt überdacht. Einfach füreinander da sein, das ist Freundschaft.

Trotz Emanzipation kommen alte Geschlechterrollen wieder. Immer mehr junge Frauen suchen eher einen Versorger, einen Erzeuger für den Nachwuchs. Es ist traurig, dass gerade das in der heutigen Zeit viele Männer in die Einsamkeit treibt. Sie eher eine ehrliche Freundschaft zu Frauen ablehnen, ehrliche Gefühle nicht erkennen und ernst nehmen. Wahre Freundschaft, ehrliche Zuneigung, zeigt sich immer im Handeln, nie in schönen Worten.

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