Schwarze Romantik

Hettys dunkles Blog

Goth ist man

dark-ladyGoth kann man nicht werden, Goth muss man sein. Goth ist eine Lebenseinstellung, die tief in einem ist und schon immer war.

Ab heute trage ich nur noch schwarze Outfits, weiße Haut und stark schwarzes Make-up, dann bin ich Goth, das funktioniert nicht. Heute bin ich dunkel und morgen ein fideler spießiger Familienmensch, funktioniert auch nicht.

In erster Linie bedeutet Goth sein anders zu denken und zu fühlen wie der Mainstream vorschreibt. Welcher Gothicrichtung man sich auch zugehörig fühlt, alle haben die gleiche Basis. Den Goth zeichnet nicht der Riesenweltschmerz aus, den viele zum zentralen Thema ihres Daseins machen. Raben, Fledermäuse und andere dunkle Gesellen schön finden. Es ist die weit verbreitete Ablehnung, sich vorschreiben zu lassen wie man denken soll und fühlen muss. Wie man zu leben hat, um erfolgreich zu sein, welche Statussymbole man sich anschaffen muss. Leben wie es zur persönlichen Grundeinstellung passt. Nur weil ich der Meinung bin, ich brauche kein Auto, fahre nur Fahrrad, ich lehne Plastikgeld ab, also sind alle anderen Spießer die das haben, muss man nicht von allen Menschen erwarten, das ebenso zu sehen. Goths sind tolerant.

Wir sind anders

Die Gothic Szene ist, das muss man auch sagen, ein Auffangbecken für Außenseiter in allen Bereichen des Lebens, und verkrachte Existenzen. Ein Großteil der Goths sind Melancholiker. Sie sind durch die Kombination von emotionaler Labilität mit Introversion gekennzeichnet. Neigen zu Schwermut, Trübsinn und Tristesse, aber auch zu Misstrauen und stetiger Kritik. Im positiven Sinn sind sie verlässlich und können viel Selbstbeherrschung haben.
Gerade introvertierte Charaktere, die ihre Aufmerksamkeit und Energie stärker auf ihr Innenleben lenken, betrachten das Leben als sehr unvollkommen. Sie neigen eher zum passiven Beobachten als zum Handeln, werden häufig als still, zurückhaltend und ruhig wahrgenommen. Introvertierte fühlen sich eher energielos und ausgesogen. Sie bevorzugen eine ruhige Umgebung, wie Parks, Wälder, Friedhöfe, was ihnen schnell das Urteil Langweiler einbringt. Sie streben genauso wie alle nach sozialen Kontakten, Freundschaften und Unternehmungen, jedoch dosierter als andere. Meist konzentrieren sie sich auf bereits vertraute Menschen, solange die Gruppe nicht allzu groß wird.

Alle Goths bevorzugen die Dunkelheit, meiden es, im Mittelpunkt zu stehen und denken über die Welt nach, ganz besonders ihre eigene. Jammern über das eigene Schicksal entspricht der melancholischen Grundhaltung. Vieles wirft sie aus der Bahn. Negative Erlebnisse werden doppelt so stark abgespeichert, oft nicht richtig aufgearbeitet. Von jeher sagt man Goths nach, dass sie Todessehnsucht haben, die jedoch ihrer Schwermut entspringt. Im Allgemeinen ist sie nicht zwingend.

Männliche Androgynität

Die Schwarze Szene hat noch eine weitere übergreifende Gemeinsamkeit, sie betrachtet sich weitestgehend als androgyn, maskulin androgyn. Von vielen Beobachtern wird diese maskuline Androgynität oft falsch verstanden. Natürlich fühlen sich Homosexuelle, Intersexuelle, Transvestiten und Zwitterwesen in dieser dunklen Welt aufgehoben. Auch Anhänger der verschiedensten Sexpraktiken haben hier ein zu Hause gefunden. Die Szene fragt nicht, man ist wie und was man ist.

Alle Menschen vereinigen beide Seiten der Geschlechter in sich. Die einen mehr maskulin, die anderen mehr feminin. Es gibt maskuline Lesben und feminine Schwule. Es gibt aber auch heterosexuelle Männer und Frauen, die Cross-Dressing als Ausdruck eines persönlichen Mode-Stils, Protest gegen Geschlechter-Stereotype oder einer nicht zum biologischen Geschlecht passenden Geschlechtsidentität benutzen.

Androgyne Männer werden in der Öffentlichkeit sofort als homosexuell betitelt und angegriffen ohne es zu sein. Bis heute ist es nicht gesellschaftsfähig geworden, dass Männer für sich typisch feminine Beautystilmittel in Anspruch nehmen können. Schminke, lackierte Fingernägel oder Augenbrauen zupfen wird belächelt.
Wenn ich Männer kennenlerne, sehe ich ihnen gerne auf die Hände. Ich mag gepflegte, manikürte Männerhände mit graziösen Bewegungen. Hände können sehr viel Erotik ausstrahlen. Gut, ein Mann sollte letztlich ein Mann bleiben, doch die Pflege des eigenen Körpers steht Männlichkeit nicht im Wege. Man muss den Mut haben, zu sich zu stehen, dann passt auch das Gesamtbild. Sicherlich ist es ein eigentümlicher Anblick, wenn ein Mann in ein Zimmer hineingeht und eine Frau wieder herauskommt. Wir haben unsere festgelegten Geschlechter-Stereotype. Als viel wichtiger und mutiger betrachte ich, dass ein Mensch den Mut hat, zu sich zu stehen, ICH zu sein. Das ist wichtig für die eigene Zufriedenheit.

Im Bereich der Romantik können sich Männer wenigstens teilweise ausleben. Hier sind Rüschenhemden absolut angesagt. Es gehört zur Toleranz der Szene, auch einen Mann Frau sein zu lassen. Und ganz ehrlich, oft haben Männer den besseren Blick dafür, was eine Frau nicht tragen sollte.

Leder, typisch maskulin?

Man sagt, Leder sei eine typisch maskuline Bekleidung. Warum? Zeit meines Lebens liebe ich Leder, egal ob als Bekleidung oder Möbel. Selbst mein armes Kind wurde in Lederklamotten gehüllt. Auch in der DDR gab es jede Art von Klamotten, wer etwas anderes sagt, der lügt. Man musste ein wenig wendig sein, sicherlich, öfter einmal über Stadt- und Ländergrenzen fahren, doch bekommen hat man immer, was man wollte, früher oder später. Ich hatte mir in den Kopf gesetzt, meinen Sohn 1989 komplett in schwarzem Leder einzuschulen mit schwarzen Lackschuhen und einem Samt Pullover. Hat zwar etwas gedauert, doch es hat geklappt. Schon aus diesem Grund habe ich auch die gesamte Grufti Lamentiererei in dieser Hinsicht nie verstanden. Schwarze Klamotten gab es doch wirklich genug. Frauen kauften Männerklamotten und Männer Frauensachen, ohne Knöpfe und mit Reißverschluss ging alles. Da ich bei Damen selten fand was ich suchte, habe ich in der Herrenbekleidung eingekauft. Die Sachen waren ohnehin viel schöner. Das, was man suchte, kam nie gelaufen, man musste es zu finden verstehen.

Es ist nicht in meinem Interesse alle Gothsrichtungen zu erklären, ich bin ein Romantik Goth, und werde mich daher nur auf diese Richtung beschränken.

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