Hettys Gedankenwelten

Schwarze Romantik, dunkles Leben

Page: Ich bin ASS

Ich bin ASS. ASS ist die Abkürzung für Asexualität und wird zu den sexuellen Orientierungen wie Homosexualität, Bisexualität oder Intersexualität gezählt. Im Gegensatz zu den anderen sexuellen Orientierungen lehnen Asexuelle jegliche sexuelle Interaktion mit beiderlei Geschlecht ab. Man braucht es nicht, man kann nichts damit anfangen, man empfindet nichts dabei. Hier zu unterscheiden sind Personen, die aus negativen Erlebnissen heraus Sexualität ablehnen.

Die Wissenschaft ist sich darin einig, dass Asexualität angeboren ist, wie alle anderen sexuellen Orientierungen auch. Dass man anders ist, begreift man meist mit der Pubertät. Gespräche über den tollen ersten Sex mit dem anderen Geschlecht auf dem Schulhof hört man wohl, doch der Lolli den man gerade lutscht, der ist viel interessanter. Die Mädels, oder Jungen, auf dem Schulhof  flüstern über ihre Traumtypen, man sieht hin, doch es weckt eigentlich keine Begehrlichkeiten.

Asexualität darf nicht verwechselt werden mit Verklemmtheit, Prüderie oder Frigidität. In der Phase des Erwachsenwerdens denken viele Asexuelle, sie seien homosexuell, bisexuell, im falschen Körper oder was auch immer. Sie empfinden das Desinteresse an sexuellen Themen, doch sie können es nicht einordnen. Das eigene wie das andere Geschlecht lässt einen kalt. Asexuelle können romantische Empfindungen für ein Geschlecht haben oder aromantisch sein. Die Romantiker unter den ASS können sich verlieben und platonische Beziehungen pflegen, die Aromantiker streben nur Freundschaften an. Für sie selbst ist es unmöglich sich zu verlieben. Es gibt auch noch die Demisexuellen, die nur sexuelle Interaktionen mit eng befreundeten Partnern pflegen können.

ASS fühlen sich in ihrem Leben durchaus wohl.

ASS haben mit der Gesellschaft keine Probleme, doch die Gesellschaft mit ihnen. Wir leben in einer Zeit, wo Sexualität das Wichtigste im Leben überhaupt zu sein scheint. Nackte Körper, egal ob Mann oder Frau, verkaufen gut. Spärlich bekleidete Körper hüpfen über Show-Bühnen. Eine Sängerin um die 50 tritt mit Korsage auf und die Kerle sabbern. Das ist, was die Menschen heute anzieht? Sexuelle Thematiken in Bild und Schrift scheinen der einzige Lebenszweck geworden zu sein.

Für ASS sind nackte Körper, Geschlechtsorgane des anderen oder eigenen Geschlechts völlig uninteressant. Im Gegenteil, ich finde nackte unbehaarte Männerkörper hässlich. Ein nackter Frauenkörper mit schön geformter Brust kann mein Auge durchaus erfreuen, mich jedoch nicht erregen. Frauen mit schlaffer Brust finde ich abstoßend. Ich persönlich bin mein ganzes Leben, zu Hause oder wo auch immer, nur bekleidet herumgelaufen. Was ich selber nicht sehen möchte, mute ich auch anderen nicht zu.

Jeder Mensch, auch asexuelle, machen irgendwann einmal ihre Erfahrungen mit sexuellen Interaktionen. Sofern man romantische Empfindungen für andere Menschen verspürt, kann man sich auch verlieben. Beruhen diese Gefühle auf Beidseitigkeit, ist nach dem Austausch von Zärtlichkeiten auch sexuelle Interaktion möglich. Zuerst tut man es, weil man weiß, dass es erwartet wird. Ein liebender Mann möchte seine Liebste natürlich auch auf die Gipfel der Lust bringen. Schon sehr früh habe ich erkannt, dass ich keine Orgasmen bekomme. Im Laufe der Zeit habe ich mitbekommen, dass es überhaupt nur einen Weg gibt, Lustgewinn zu erreichen. Was jedoch nicht bedeutet, dass ich es brauche und will.

Ich habe in meinem Leben nur 3 Partnerschaften gehabt. 2 mit schwulen Männern und eine mit einem asexuellen Mann. Ja, es gibt auch die Männer, die sich in einer asexuellen Beziehung absolut wohl und aufgehoben fühlen. Für asexuelle Menschen kann es erfüllend sein, zusammen einzuschlafen in den Armen des anderen ohne irgendwelche Interaktionen.

Platonische Liebe

Der Begriff der platonischen Liebe geht auf Platon zurück, hat jedoch nichts mehr mit Platons Konzept zu tun. Platon benutzte in seiner Dialogführung den antiken Begriff Eros. In der philosophischen Tradition steht er für eine unterschiedlich definierte Form starken Begehrens oder Verlangens, die nichts mit dem heutigen Begriff Liebe zu tun hatte. Dieses Begehren konnte auch auf geistige Dinge gerichtet sein, zum Beispiel Wissenzuwachs. Platon verstand darunter allgemein das starke Verlange nach etwas.

Eros  ist in der griechischen Mythologie der Gott der Liebe. Daraus leitete die Philosophie eine Form starken Begehrens und Verlangens ab. Neben Eros gab es Philia und Agape. Eros ist dadurch charakterisiert, dass der „erotisch“ Liebende mit großer Heftigkeit für sich die Erlangung seines Liebesobjekts oder eine Verbindung mit diesem erstrebt. Das Objekt des Eros muss nicht ein Mensch sein; es kann für den Philosophen auch etwas rein Geistiges sein.

Philia ist die Liebe zwischen zwei Menschen, die ähnlich oder gleiche Interessen, Lebensvorstellungen, Eigenschaften haben oder jemanden mögen wegen seiner geistigen, philosophischen und spirituellen Interessen. Hier steht der Aspekt der Freundschaft und freundschaftlichen Liebe im Vordergrund.

Mit Agape ist eine Liebe im Sinne von Wohlwollen gemeint, das nicht in erster Linie, oder nie, im Begehren wurzelt, daher nicht auf Bedürfnisbefriedigung des Liebenden abzielt. Agape setzt auch kein Freundschaftsverhältnis voraus bzw soll es auch nicht schaffen.

Die platonische Liebe des Aromantikers entspräche Philia, die des Romantikers Eros.

ASS und Sexuelle Aufklärung

Eine umfassende sexuelle Aufklärung fand vor 50 Jahren ebensowenig statt wie heute. Es wird den jungen Leuten zwar vermittelt, dass es Schwule und Lesben gibt, mehr oder weniger korrekt, doch dass auch Asexualität oder Intersexualität zu den sexuellen Orientierungen gehört wird nur am Rande oder gar nicht erwähnt. Dank diverser schmuddliger Filmchen wissen oft schon 12-jährige wie das Kinder machen funktioniert. Die Heranwachsenden werden jedoch mit all ihren Problemen alleine gelassen. Wer keinen Spaß am Sex empfindet, nicht mitredet, wird stigmatisiert.

Mädchen werden von den ganz Cleveren vergewaltigt, weil sie den Sex ja angeblich wollen. Wer nicht mitspielt, wird gemobbt und ausgegrenzt. Wir kennen all die Fälle, wo selbst Eltern ihre Kinder als Lustknaben benutzen oder verkaufen, ebenso wie ihre Töchter. Wie sollen Heranwachsende in dieser Gesellschaft eine Möglichkeiten finden, sich über die Eigenartigkeiten die sie in sich wahrnehmen auszutauschen?

Asexualität ist keine Krankheit. Es ist eine Andersartigkeit im sexuellen Empfinden. Unter Homosexuellen und Bisexuellen ist Asexualität ebenso vorhanden wie umgedreht. Leider werden, trotz einer toleranteren Gesellschaft, in christlichen Kreisen anders Orientierte noch immer als abartig, schmutzig oder gar kriminell betrachtet. Schwule werden oft von Männern abfällig als schwule Sau betitelt wie auch Lesben. In so einer Umgebung sehen ASS gar keine Chance für sich, sich hinsichtlich ihrer eigenen Andersartigkeit zu offenbaren.

ASS: Ich bin anders – Coming-out

 Bisher wird das Coming-out nur Homosexuellen zugeschrieben. Muss man sich als ASS outen? Viele ASS erkennen erst relativ spät, dass sie anders sind. Man hat einen Freund, man gibt sich hin, weil es das Leben so als normal vorschreibt. Keine Lust zum Sex wird als Macke des Partners abgetan und hingenommen, oder die Beziehung geht kaputt. Der Partner bezeichnet die Frau als frigide und beginnt oft sich anderweitig seine sexuellen Erlebnisse zu holen. Wie vor 100 Jahren werden Mädchen dazu erzogen, sich einen Mann suchen zu sollen, Kinder zu bekommen und eine gute Mutter zu sein.  Ärzte werden befragt, Psychologen aufgesucht und anderes mehr. Wer kein sexuelles Lustempfinden hat, der ist halt nicht normal. Nicht nur ein Problem von Frauen.

Männer haben es noch schwerer sich ihrer Asexualität bewusst zu werden. Sie durchlaufen mehrere Phasen des Erkenntnisprozesses. Da Männer generell ein anderes Gefühlsleben haben als Frauen, müssen sie sich zuerst einmal über ihre romantische Orientierung klar werden. Auch Männer können sich für Männer begeistern ohne schwul zu sein. Männer können ebenso in Schwärmereien für andere Männer verfallen ohne diese zu begehren. Das muss Mann jedoch erst einmal begreifen. Oft halten sich Männer für bisexuell ohne es zu sein. Es ist bekannt, dass es nicht nur eine Stellung gibt, die Lust erzeugt. Asexuelle, Männer wie Frauen, erleben Lust im Analbereich. Sie gehen auch BDSM Spiele ein, weil diese allgemein frei von Sex sind.

Für die Erkenntnis ASS zu sein sind jedoch noch andere Erfahrungen notwendig. Romantiker oder Demisexuelle verschließen sich Partnerschaften meist nicht. Aromantiker jedoch suchen weniger eine Partnerschaft von der sie sich belastet fühlen. Für viele ASS ist Nacktheit anderer problematisch. Da Körper bei Asexuellen wenig Begehren auslösen, mag man oft keine nackten Körper sehen, im Gegenteil, es belastet. Der Anblick eines nackten Männerkörpers kann für Frau ekelerregend sein, wie eine nackte unvollkommene Frau für einen Mann.

In einer Gesellschaft wie derzeit, wo Sex wichtiger zu sein scheint als Arbeit, sollte man sich überlegen, ob ein Coming-out überhaupt notwendig ist. Ich habe mich mein Leben lang nur offenbart., wenn es offensichtlich unvermeidbar war. Wozu auch? Sicher haben Asexuelle so einige Besonderheiten, doch man muss damit ja nicht hausieren gehen. Solange Asexualität von unserer Gesellschaft sowenig verstanden wird, muss man sich nicht angreifbar machen. Im Gegensatz zu einigen Homosexuellen sieht man Asexualität nicht. Geht es um Liebe oder Partnerschaft, dann ist Ehrlichkeit ganz sicher notwendig und angebracht, doch es ist an jedem selber zu vermitteln was man nicht möchte, ohne sich groß zu outen. Es kann passieren, dass man auf diese Weise auch Freunde oder Bekannte verliert.

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