Hettys blaues Café

Schwarzromantik und dunkles Leben

Page: Ida von Duba

Sophie Albrecht

Ida von Duba

neu erzählt von Marie Louise Preuss


Ida von Duba – Wenn wir die Zeiten der Vergangenheit überdenken, uns die blutigen Schlachten, die fürchterlichen Kriege schaudern lassen, so verweilt unsere bebende Fantasie meistenteils bei brennenden Städten, verödeten Landstrichen, und der grauenvollen Stille toter Gefilde. – Ach! Schrecklich ist dieses Gemälde, ganz den Schmerz wert, den jedes Menschen Herz dabei empfindet. Wir vergessen das schreckliche Geräusch der Waffen. Wir hören vor lauter Röcheln der Sterbenden nicht das Sterben derer, die um die lieben nie Wiederkehrenden jammern, weit weg von der Erde, die ihr Blut trank.  Ach! Wie viel glücklicher sind die zu nennen, die im Getümmel der donnernden Geschütze sanken. Wie bedauernswert sind die, die zwischen Furcht und Hoffnung mit schmerzlichem Herzklopfen die Todespost erwarten,  die sie, wenn sie nun endlich kommt, doch ganz unerwartet niederwirft!

Wie viel unaussprechlich heiße Tränen benetzten die Schlachtfelder des dreißigjährigen Krieges? Wie viele Söhne, die letzte Stütze der allein gelassenen Mütter, wie viel Gatten liebender Frauen, wie viel Väter nun hungernder Kinder, töteten die fürchterlichen Waffen, die so viele Jahre wüteten? Wir lesen von den Gräueln dieses Krieges, staunen den großen blutigen Rahmen an, den sein Elend zog. Wir sehen nur Leichen und Grausamkeit. Die Tränen, den Jammer, der Gefallenen die überlebten, sehen wir nicht. Nicht die Wunden, die das kalte Schwert des Feindes schlug. Nicht die schönsten Bänder von Lieb und Freundschaft, Dankbarkeit und süßer Anhänglichkeit, die es zerschnitt. Die Klagen derer werden für die laute Wut des Ungeheuers nicht gehört. Hier und da trägt die Geschichte wohl noch den Namen der Bedauernswerten, die überlebten. Man fing erst an um ihr Leid zu weinen, als ihre Tränen schon lange von der Hand des Todes getrocknet waren. Als sie in der kühlen Erde ihren heißen Jammer vergessen hatten. Oft muss noch ihr Andenken durch diese oder jene Erzählung, weit entfernt unseres Herzens, aus der dunklen Vergangenheit gerufen werden. Auch diese kleine Geschichte, welche wir heute erzählen wollen, ist ein Beweis dafür, dass die herzlichsten Gefühle, die Namen der weich geschaffenen Menschen oft nur darum nach Jahrhunderten genannt werden, weil sie sich an eine wundervolle Legende schmiegen, die mehr unsere Fantasie als unser Herz beschäftigt.

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