Schwarze Romantik

Hettys dunkles Blog

Page: Ida von Duba

Sophie Albrecht

Ida von Duba (1805)

neu erzählt von Marie Louise Preuss


Ida von Duba – Wenn wir die Zeiten der Vergangenheit überdenken, uns die blutigen Schlachten der fürchterlichen Kriege schaudern lassen, verweilt unsere bebende Fantasie meistenteils bei brennenden Städten, verödeten Landstrichen und der grauenvollen Stille toter Gefilde. Ach so schrecklich ist dieses Gemälde! Ganz den Schmerz wert, den jedes Menschen Herz dabei empfindet. Vergessen ist das schreckliche Geräusch der Waffen. Wir hören vor lauter Röcheln der Sterbenden nicht das Sterben derer, die um die geliebten nie Wiederkehrenden trauern, weit weg von der Erde die ihr Blut trank. Wie viel glücklicher sind die zu nennen, die im Getümmel der donnernden Geschütze sanken. Wie bedauernswert sind die, die zwischen Furcht und Hoffnung mit schmerzlichem Herzklopfen die Todespost erwarten.  Die, wenn sie dann endlich kommt, die Anverwandten doch unerwartet trifft und niederwirft!

Wie viele heiße Tränen benetzten die Schlachtfelder des dreißigjährigen Krieges? Wie viele Söhne, die letzte Stütze der allein gelassenen Mütter, wie viele Gatten liebender Frauen, wie viele Väter nun hungernder Kinder, töteten die fürchterlichen Waffen die so viele Jahre wüteten? Wir lesen von den Gräueln dieses Krieges, staunen über den großen blutigen Rahmen den sein Elend zog. Wir sehen nur Leichen und Grausamkeit. Die Tränen, die Klagen der Gefallenen die überlebten, sehen und hören wir nicht. Uns bleiben die Wunden verborgen, die das scharfe Schwert des Feindes in die Seelen schlug. Sehen nicht die schönen Bänder der Liebe und Freundschaft, Dankbarkeit und süßer Anhänglichkeit die es zerschnitt. Die Klagen der Verbliebenen, ihre laute Wut, wird von dem Ungeheuer nicht gehört. Hier und da trägt die Geschichte wohl noch den Namen der Bedauernswerten die überlebten. Man fing erst an um deren Leid zu weinen, als alle anderen Tränen schon lange vom Hauch des Todes getrocknet waren. Als sie in der kühlen Erde ihren heißen Jammer vergessen konnten. Oft muss ihr Andenken erst durch diese oder jene Erzählung, weit entfernt unseres Herzens, aus der dunklen Vergangenheit gerufen werden. Auch diese kleine Geschichte, welche wir heute erzählen wollen, ist ein Beweis dafür, dass die herzlichsten Gefühle, die Namen der weich geschaffenen Menschen oft nur darum noch nach Jahrhunderten genannt werden, weil sie sich an eine wundervolle Legende schmiegen, die mehr unsere Fantasie als unser Herz beschäftigt.

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