Hettys blaues Café

Schwarzromantik und dunkles Leben

Page: Ida von Duba

»Diese Hingabe meine Katharina « erwiderte Pater Erhardt »ist so edel, dass ich das Äußerste wage, euch von einem Irrtum zu befreien, der eurer gefühlvollen Seele gefährlich werden könnte. Ja, mein Fräulein, Walburgis, Oda und Pater Ignaz haben mir jeden Umstand eures Umgangs mit Ida von Duba erzählt. Ich bin, ohne auf meine Krankheit Rücksicht zu nehmen, die mich seit langem auf meinem Lager gefangen hielt, zu euch geeilt, um euch zu retten.«

»Mich zu retten!«  rief Katharine erstaunt.  »So wäre Ida eine Verworfene, die mich beschimpfte durch ihre Freundschaft?«

»So wäre sie vielleicht nichts von alle dem, was ihr mutmaßt, wie ich an euren Ausrufungen höre. Kommt, der Abend bricht heran, wir wollen nach Hause eilen, eure Dienerinnen werden euch erwarten! «

»Ach, mein Vater! « bat Katharins, »könntet ihr mir die Bitte abschlagen, hier mit mir Ida zu erwarten? Wäret ihr bereit, ihr selbst Vorwürfe über das zu machen, was sie an meinem wunden Herzen verbrochen hat. Ich werde sie leider selbst dann noch lieben, wenn ich sie auch nicht mehr achten könnte. – O! mein Vater, führt sie wieder auf den Weg der Ehre, von dem sie gewiss nur jugendlicher Leichtsinn geführt hat.«

»Ich sehe,«rief Erhardt seufzend» dass ich, um euer verwundetes Herz zu heilen, euch noch mehr erschütternde Worte sagen muss. Nur noch kurze Zeit, und eine fürchterlichere Überraschung nimmt euch euren Irrtum. Jetzt geschieht es nicht von eurer Freundin, jetzt geschähe es in geheiligten Mauern. Die Nacht kommt näher. Morgen um diese Zeit werdet ihr wissen, dass ich eure Ida weder sehen noch sprechen konnte. Kommt, ich führe euch zu euren Dienerinnen. Meine Pflicht ruft mich zum Krankenbett eines meiner sterbenden Freunde. Schlaft im Namen aller Heiligen ein, und denkt diese Nacht so wenig als möglich an Ida! Im Namen der Religion gebiete ich euch, sprecht mit keinem Menschen von unserem heutigen Gespräch bis morgen um diese Zeit. Schlaft ruhig, Gottes Engel der Sicherheit wachen um euer Lager! Sobald die Morgenröte die Nacht verdrängt, fahrt in das Franziskaner-Kloster am Berge, lasst euch beim Prior melden, und übergebt ihm diesen auf Latein geschriebenen Brief. Bereits vorbereitet auf den Ausgang des heutigen Tages, schrieb ich ihm. Bittet ihn auch um das, was meine Bitte ist. Verlangt er es, so erzählt ihm eure Bekanntschaft mit Ida so ausführlich wie möglich. Er wird euch eine Schrift geben mit dem Titel: ›Das höfliche Gespenst‹. Lest sie und lernt eure Ida kennen.«

Hier reichte der Abt Katharina den Arm, und ging eiligen Schrittes mit ihr in das nahe liegende Schloss. Auf dem Hof stand, seinem Befehl zufolge, schon sein wartender Wagen. Er gab Katharina, die nachdenklich an seiner Seite stand, seinen Segen. Als er schon in den Wagen steigen wollte, bat er sie, nicht allein zum Franziskaner-Kloster zu fahren, sondern einige ihrer Dienerinnen mitzunehmen. Auch ihnen sollte sie Befehl geben, sich in ihrer Nähe aufzuhalten. Wenn sie die besagte Schrift lesen würde, könne man nicht dafür garantieren, dass sie ihre Lebensgeister nicht verließen. Auch bat er sie, sich auf außerordentliche Enthüllungen gefasst zu machen, die sie lesen würde. Katharina küsste stumm seine dargebotene Hand, und ging, von tausend Gedanken bestürmt, in ihr Gemach.

Sie hielt Wort, sprach mit niemandem von dem, was sie erwarten sollte. Sie gab Befehl zur morgigen Reise nach dem Franziskaner-Kloster, betete zerstreuter als je zuvor. Sie dachte an Ida mit Glut und grauenvoller Hoffnung. Erwartete, sie endlich zu kennen. Katharina legte sich nicht zu Bett um zu schlafen, sondern in fiebriger Angst dem Tag entgegen zu sehen. Er erschien, oder vielmehr, die Morgenröte ließ ihn erst kommen, als schon alles in Katharinas kleinem Schloss damit beschäftigt war, den Reisewagen ihrer ungeduldigen Gebieterin zu rüsten. Er fuhr vor, sie und drei ihrer Dienerinnen setzten sich hinein, und in wenigen Stunden hielten sie vor der Pforte des Franziskaner-Klosters. Katharina schien bei dem Abt schon gemeldet zu sein. Er empfing sie als würde sie erwartet werden. Das Herz schlug lauter, als sie den Mann sah, der ihr Ida nehmen oder geben sollte. Bebend reichte sie dem Prior den Brief Erhardts. Zitternd vereinte sie ihre Bitte mit der ihres Freundes. Der Prior, ein langer bleicher Mann, voll Würde und sanfter Huld, legte seine Hand auf ihre Stirn, und wünschte ihr Mut, das zu hören, was sie, setzte er seufzend hinzu, hier zu wissen wünschte. Er führte sie in ein kleines dicht vergittertes Zimmer, und holte aus einer dreifach verschlossenen Schatulle eine Pergamentrolle, die er ihr mit den Worten überreichte: Vergebt der Armen, was sie euch gezwungener Maßen zu leiden gibt. Betet für ihre Ruhe. Amen!

Katharinas Erwartung war aufs höchste gespannt. Sie sank, sobald sie allein war, vor dem Bild Marias nieder, das einen kleinen Altar des Zimmers zierte. Sie erbat sich Stärke, alles zu verkraften, rollte die Schriften auf, und las:

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