Hettys blaues Café

Schwarzromantik und dunkles Leben

Page: Ida von Duba

Grausen sträubte Katharinens Haar aufwärts, als sie das Amen des alten Schreibers las; sie gab das Manuscript noch denselben Tag zurück, bezahlte viel Seelenmessen zum reichen Grabe, eilte auf ihr kleines Güt, aber die heitere Ruhe war aus ihrer Einsamkeit geflohen – sie konnte in der Gegend, wo ihr Ida so oft als liebe Gespielin, als hoffende Freundin sichtbar geworden war, nicht einen Augenblick allein seyn; überall sah sie Ida; Ida die Mutterverächterin, die Frevlerin, die Gerichtete, das Gespenst Ida. sie wagte es nicht noch einmahl, selbst am lichten Mittag ihr Denkmal der Liebe zu besuchen. Alle die sanften Gänge, sonst so traulich durch Einsamkeit und himmlische Stille, umschwebte Grausen, welches ihr Blut erstarrte, und sie weit von der lieben Gegend trieb, die ihr einstens ihres Herzens tiefste Wunden verband. Sie ließ, zum Erstaunen aller ihrer Leute, die mehr als tausendmal von ihr die Versicherung gehört hatten, hier wollte sie ihr Leben endigen, eilig einpacken, und so ganz alles, dass man wohl sähe, daß es keine Reise für Monate nach Prag war, wie man erst glaubte. Die letzte Nacht, welche sie auf ihrem kleinen Gut schlafen sollte, beschloss sie, im Zirkel ihrer Dienerinnen zu durchwachen, und da sie mit allen ihren Geschäften fertig war, als die Mitternacht ihre tiefe Stille über die vom schönsten Mondenschein umfloßnen Fluren goß, so glaubte Oda, dass diese letzte Nacht noch der schönen Ida bestimmt sei. Sie suchte Schleier und Handschuh für sich und ihre Dame, und machte die Bemerkung, dass da in diesen Sommertagen die Nächte so kurz, ihr Fräulein wohl würde eilen müssen, um ihre Entschuldigung wegen der Flucht von diesen Gegenden zu endigen. Bei wem soll ich mich denn entschuldigen? und noch diese Nacht? frug Katharine verwundert. – Wie? rief Oda, wollt Ihr nicht Abschied nehmen von der reizenden Ida? – Kalter Schrecken floß bey diesem Namen über die bebende Katharine: schweig! rief sie; schweig, Oda, von dieser auf ewig, und wenn dir mein Friede lieb ist, wenn du mich nicht sterben sehn willst, verwische jedes Wort der Frage über diese Ida. Kein Augenblick der Erinnerung von den Tagen seit ihrer ersten Bekanntschaft gewinne Raum in deinem Gedächtnis, und wenn du dein Fräulein liebst, so laß alles, alles, alles was uns mit ihr begegnet ist, wo, wenn, wie wir sie gesehen haben, was wir mit ihr gesprochen haben, selbst jede Mutmaßung über sie und ihr Geheimnis für einen schweren Traum gelten. – Oda schwieg, und folgte ihrem Fräulein nach einem kurzen Aufenthalt in Prag nach Sachsen, wo sie in einer sanften aber sehr lebhaften Gegend dem Andenken ihrer treuen Liebe lebte, und nach wenig Jahren starb. Oda, durch das Vermächtniß ihrer Dame Besitzerin des Gutes in Sachsen, glaubte sich nach dem Tod ihrer Herrschaft nicht länger verbunden, die Geschichte von dem Wesen Ida’s, die sie unter den Papieren Katharinens aufgezeichnet fand, geheim zu halten.

ENDE


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