Hettys blaues Café

Schwarzromantik und dunkles Leben

Page: Ida von Duba

»Wie verstehst du das, Kätchen?« rief Walburgis, bleich geworden wie ihr Schleier, und an allen Gliedern bebend. »Hast du etwas bemerkt? Komm, lass uns eilen! Hier, hier ist es nicht gut zu bleiben. Der Abend grenzt schon an die Nacht.«

Katharina bat die Nonne vergebens, ihr zu sagen, warum sie ihr diese besondere Krümmung der Moldau, wo sie so gern unter den dichten Schatten der hohen Eichen weilte, schlecht zu machen. Walburgis stellte nur Fragen, antwortete aber selbst keine.

Du bist also oft dort, wenn die Sonne untergeht? Sehr oft, und allein?

»Ganz allein, doch zuweilen begleitet mich auch meine Oda, aber dann bleib ich gewiß, bis es tief Nacht wird.«

Und du hattest nie Schreck?

»Nie! – Was sollte mich denn dort schrecken, wo alles so freundlich ist?«

»Nun ich meine nur, wenn dir dort jemand begegnen würde im Mondlicht.Wie du weißt, hilft unsere Fantasie oft etwas schauriges zu   malen, was bei  hellem Tageslicht nur Bäume und Felsen sind. Ich riet dir doch, deine Abendspaziergänge einzustellen. Besonders so ganz allein. Deine Nerven hat der Kummer geschwächt, wie leicht könnte dir etwas zustoßen.«

»Und was sollte das sein? Wie gesagt, wilde Tiere gibt’s nicht, und Menschen sah ich nicht hier.«

»Meine liebe, du kennst vielleicht deine ganze Nachbarschaft noch nicht. So eine unvermutete Bekanntschaft würde dir auf alle Fälle nicht angenehm sein.«

»Aber wo sollte sich diese Nachbarschaft wohl aufhalten? Ich kenne ja die kleinste Jägerhütte. Und wenn sie nicht in der Marien-Kapelle wohnte, wüsste ich mir für sie kein Obdach zu denken.«

»In der Marien-Kapelle?« schrie die Nonne schaudernd. »Welche Bewohner meinst du? Ist dir etwas bekannt worden?«

»Nichts, gar nichts, liebe! Heilige Clara, wie kann dir dieses so auffallen?«

»Vergib mir, liebe, es ist das erste mal nach vielen Monden, dass mir eine Art Scherz entschlüpfte, der mir ja fremd sein sollte. Ich sehe meinen Leichtsinn durch deinen Schreck bestraft. Nichts, gar nichts ist mir bekannt, was könnte mir denn bekannt sein, was?«

Walburgis brach dieses und jedes ähnliche Gespräch kurzerhand ab. Nach einigen Tagen zeigte sie so viel Missbehagen an der ganzen Gegend, dass Katharina ihrem Abschied sogar freudig entgegen sah, denn sie verlor durch sie alle ihre nächtlichen lieb gewordenen Spaziergänge. Nach der Abreise der Klosterfrau war deren Furcht in der Dämmerung und den einsamen Wallfahrten, noch oft der Inhalt der Gespräche der furchtlosen Katharina und ihrer Oda. Sie schrieb deren ängstliches Wesen dem Klosterzwang zu. Oda wollte mehr dem Hang der Nonnen zu Sagen und Märchen von Räubern und Geistern, die nach der Vorstellung der Klöster hier hausten, ihr gesamtes rätselhaftes Benehmen zuschreiben. Die Gegend, die Walburgis am meisten ängstigte, betrachteten unsere Einsiedlerinnen besonders intensiv. Bei jeder neuen Untersuchung fanden sie neue Reize. Noch ehe der späte Herbstwind wehte, hatte der stille, sanfte Melancholie gebende Ort so viel Interesse für Katharina, dass beschlossen wurde, ihn durch ein kleines Monument zu ehren. Das hatte sie dem Andenken ihres Lichten in dieser Gegend versprochen.

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