Hettys blaues Café

Schwarzromantik und dunkles Leben

Page: Ida von Duba

In einer schwach vom Mond erhellten Nacht kam Katharina später als gewöhnlich nach Hause. Sie traf Oda schon unterwegs an, die ihr mit Bangen entgegen kam.

»Gutes Mädchen, du hast dich über mein langes Ausbleiben geängstigt? Dass du auch heute just nicht bei mir sein musstest.«

»Gewiss, liebes Fräulein, ich wünschte es auch so. Aus eurem heiteren Blick lässt sich schließen, dass meine Gebieterin frohe Stunden durchlebt hat. Eure arme Oda hat euch noch nie so wenig frohe Augenblicke durchleben sehn. Ich darf es mir wohl wünschen, in den seltenen heiteren Stunden bei euch zu sein.«

»Je nun, liebe Oda, was nicht war, kann ja ein anderes Mal geschehen. Du musst wissen liebes Mädchen, ich habe eine Bekanntschaft gemacht. «

»Eine Bekanntschaft, in dieser Mitternacht?«

»Recht! Eben wie der Mondstand die Mitternacht verkündete, grüßten wir uns zuerst.«

»Aber wer grüßte euch in dieser ungelegenen Stunde?«

»Ungelegen? Nein, Oda, es war und ist mir eine liebe Morgenstunde voll schönen Gefühls. Dem Gefühl, eine Seele mehr gefunden zu haben, die, wie du, gerne meine Klagen hört. Die mich wegen der Dauer meines Schmerzes liebt. Meine Trauer Ehre nennt. Kurz Mädchen, unser letztes Geräusch, ich hatte doch recht. Es waren Mädchen, und keine Mönche.«

Oda konnte erst als sie aufs Schloß kamen vollständig von ihrer Dame hören, was sie so zu entzücken schien. Sie hatte das schon einige Male vernommene Geräusch wieder gehört. Viel näher und deutlicher als sonst.

»Ich ging ihm, wie neulich,« fuhr Katharina fort »entgegen, und nicht lange darauf trat aus dem kleinen Erlen-Gehölz ein Mädchen hervor. Sie war so freundlich und hold, dass ich ihr näher trat, um von ihr nicht übersehen zu werden. Wir grüßten uns wie alte Bekannte, doch schien sie eine scheue Ehrfurcht zu haben. Ich fühlte nur den Drang, die liebenswürdige Fremde näher zu kennen. Wir sind weit, sehr weit miteinander gegangen. Sie scheint so viel Gefühl für alles was groß und schön in der Natur ist, zu haben. Ihr Blick ist so redend. Jede ihrer Bewegungen ist so bedeutungsvoll. Sie hat an meiner Urne geweint, und ich habe sie bis weit über die kleine Brücke geleitet.«

»Wie? Bis zur Marien-Kapelle, mein Fräulein?« fiel Oda ein.

»Vergib mir, gutes Mädchen, ja! Diese Nacht habe ich das Wort das ich dir gab, vergessen. Aber was hätte ich nicht in ihrer Gesellschaft vergessen? In der Tat, erst die alten Mauern der Kapelle sagten mir, wo wir waren. Du wirst dies alles sehr natürlich finden liebes Kind. Wenn du sie erst selbst siehst, selbst sprichst. Sie ist so schwesterlich gut, selbst zu ihrer Dienerin, wie ich es noch bei keiner fand. Ihre edle Gestalt, die vorzügliche Kleidung und jede Bewegung, die uns gleich beim ersten Anblick zuruft, ihr Stand ist der edelste! So gütig, so demütig, ich möchte sagen fast zu höflich. Das ist das Einzige was ich an ihr aussetzen könnte. Auf jedem kleinen Pfad musste ich voraus gehen. Kam ich durch Zufall, was ich gar nicht bemerkte, an ihre rechte Hand, so wand sie sich gleich mit ängstlicher Eile zur linken. Ich bat sie darum, freundlicher mit mir umzugehen und diese lästigen Ängstlichkeiten den Stadtdamen zu überlassen. Aber da half kein bitten, selbst meine kleinen Spöttereien blieben fruchtlos. Ich musste ihr endlich nachgeben, denn dieses Nichterfüllen der feinsten Höflichkeit schien ihr schmerzlich zu sein. Als ich bei den Mauern der Kapelle Abschied nahm, schien sie noch blasser zu werden, als ihr schönes Gesicht ohnehin war. Sie schien so herzlich, schien mich so ungerne zu verlassen. Ihr unaufhörliches tiefes Knicksen abgerechnet, war unser beider Abschied sehr innig.«

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