Hettys blaues Café

Schwarzromantik und dunkles Leben

Page: Komm Tristesse

2. Kapitel

Wien, die Traumstadt meines Lebens. Immer schon wollte ich nach Wien. Ich liebte Kaffeehäuser, die herrschaftlichen Häuser, die Historie, Sisi, Marika Rökk, Hans Moser, den Wiener Dialekt, den feinen Schmäh. Der Umzug in die Stadt meiner Träume war wie der Einzug ins Paradies. Mein Mann hatte alles getan, um das wunderschönste Nest für uns zu bauen. Unserem Baby und mir sollte es an nichts fehlen. Wir lebten glücklich und zufrieden bis………………….., bis ich bemerkte, dass mein Traum vom edlen Ritter Risse bekam. Boris war Alkoholiker.

Erst hatte ich es nicht bemerkt, dann wollte ich es nicht merken, dann verdrängte ich. Der Prozess verlief schleichend. Liebe kann viel ignorieren. Wie alle Koalkoholiker redete ich mir die Welt schön. Fand es ›putzig‹ wenn er kuschelte, nahm es sportlich. Im Lauf der Jahre stiegen jedoch die Mengen, irgendwann musste ich hinschauen. Mein geliebter Mann wurde nie gewalttätig, wusste nie wann es genug ist, trank nie in Gegenwart unseres Sohnes. Kurz, er war sehr diskret, doch er veränderte sich. Eines Tages sagte meine Allerbeste kurz und knapp, lass dich scheiden und komm nach Hause.

Da stand er nun im Raum der Satz. Fest und unerschütterlich nahm er Besitz von mir. Scheidung bedeutet Trennung. Warum sollte ich mich von einem Mann trennen, den ich doch liebte? Mein Hirn weigerte sich, die einzig vernünftige Lösung zu akzeptieren. Immer wieder fand ich neue Ausflüchte es nicht zu tun. Boris machte mir die Entscheidung leichter. Er begann, mich mit seiner Eifersucht zu quälen, wurde launisch und zickig. Bonjour Tristesse.

Unsere Beziehung war nie abhängig vom verschmelzen der Körper. Wir liebten uns gerne. Mal verrückt, mal ein wenig mit BDSM, mal ganz gediegen. Wir verführten uns abwechselnd, spielten wann und wozu wir gerade Lust hatten. Er konnte sehr ausdauernd sein, ich nie genug bekommen. Mit zunehmendem Alkoholgenuss änderte sich auch das. Nicht dass ich ohne Sex nicht leben konnte, doch ich liebte seinen Körper, seine Kraft und seine verrückten Wünsche. Für unsere Art zu lieben hatte es keine Tabus gegeben. Ich hatte Sehnsucht nach ihm, seinen Streicheleinheiten und seiner Tabulosigkeit. Niemals könnte ich das mit einem anderen Mann. Niemals könnte ich einem anderen Mann gestatten, diese Stellen zu berühren die wir beide so liebten. Die Stellungen zu praktizieren, die uns so süchtig gemacht haben. Bei Boris hat mich nichts Überwindung gekostet, gar nichts. Selbst im Eva- und Adamskostüm wurde putzen zu einer übersinnlichen Verführung.  Immer öfter empfand ich Ekel, wenn er mich betrunken anfasste.

Irgendwann kam der Tag, der für mich ausschlaggebend war. Ich stellte fest, dass mein Mann mich betrog. Wie es bei diesen Dingen üblich war, mit einer Frau, die ebenfalls vom Alkohol abhängig war. Da ich nie gehe ohne mich zu verabschieden, stellte ich Boris eiskalt an einem nüchternen Tag vor meinen Entschluss. Ich hatte mich lange mit diesem Tag auseinandergesetzt, sogar eine Gruppe für Koalkoholiker aufgesucht, mir dort Kraft und Zuspruch geholt.

Ich hatte schon lange mein Lächeln verloren. Die Tristesse hatte von mir Besitz ergriffen. Wollte ich meine Gedanken beruhigen, besuchte ich Falco auf dem Wiener Zentralfriedhof. Hier hatten viele Menschen ihre letzte Ruhe gefunden, ich fand sie auch. Man kann nicht sagen, dass es besonders ruhig war, doch die Menschen lenkten mich ab. Es mag komisch klingen, selbst auf einem Friedhof macht man nette Bekanntschaften. So hatte ich einen Mann kennen gelernt, der das lebende Abbild meines großen Idols Falco war. Wir begannen uns zu verabreden, setzten uns ins Kaffeehaus und redeten. Irgendwie waren wir Seelenverwandte. Das gefährliche an solchen Situationen ist, dass man mit einem neuen Chaos dass alte Dilemma überblendet. So nett der Falco Abklatsch auch war, ich musste zurück nach Deutschland.

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