Hettys blaues Café

Schwarzromantik und dunkles Leben

Literatur: Schwarze Romantik

Es geht in der Romantik um die Hervorhebung des Wunderbaren, des nicht Begreiflichen. Der Romantiker will poetisch seine namenlose Sehnsucht stillen. Er sucht die Erfüllung in der Natur, die für ihn Quelle und Inspiration ist. Sehr modern ist die Vorliebe für das Mittelalter und seine Idealisierung. In der Literatur wird die Bedeutung des Unterbewussten und der Psyche hervorgehoben. Der oftmals melancholische Protagonist verirrt sich im Labyrinth seiner Psyche.

Der Begriff ›Schwarze Romantik‹ in der Literatur ist ein Genre, dass bereits 1667 seinen Ursprung hatte. Schauerromane, die englischen “Gothic novels” und der französische “Le roman noir” der Frühromantik, schlagen sich eindrucksvoll in den Werken von Marquis de Sade, Lord Byron, Edgar Allan Poe, Mafindenry Shelley oder Charles Baudelaire nieder. Satanismus und Sadismus, Grausamkeit und Perversion jeder erdenklichen Art, Mord und Wahnsinn, Inzest, Folterungen, Geißelungen, Magie und schwarze Messen wurden zu einer großen literarischen Mode.

Die Schwarze Romantik repräsentiert daher die dunkle Seite, die Nachtseiten der Romantik. Heute zählen auch die Brüder Grimm zu den Schwarzromantikern. Viele Vertreter dieser Gattung waren Wegbereiter der phantastischen Literatur. Niemand konnte den Wahnsinn so schön beschreiben wie E.T. A. Hoffmann, oder auch Edgar Allan Poe.

Mario Praz [1986 – 1982], hat 1963 mit Liebe, Tod und Teufel ein Standardwerk über die schwarze Romantik geschaffen, allerding bezieht er sich nur auf die französischen und englischen Schwarzromantiker. Damit zeigt er eine etwas einseitige Sicht der Dinge. Er hebt den Sadismus und das erotische Empfinden zu stark hervor und vernachlässigt die anderen Aspekte. Sein Stil ist etwas schwer und Geschmackssache. Mehr auf die deutsche Romantik bezogen ist das Buch “Nachtseiten”, die Literatur der Schwarzen Romantik von Andre Vieregge. Er hat sich die Mühe gemacht, eine explizite Definition der Schwarzen Romantik zu entwickeln. Nach Vieregge ist ein Werk schwarzromantisch, wenn das Übersinnliche die Handlung motiviert, und das Übersinnliche in der Wahrheitswahrscheinlichkeit als faktisch existent angenommen wird. Dracula ist für den Protagonisten wirklich existent. Die Auswirkungen stellen stets eine textinterne Bedrohung dar. Leib, Leben und Seele schweben also in ernsthafter Gefahr.

 

Das Schloss von Otranto” von Horace Walpole 1764 ist die erste “Gothic Novel” (Schauerroman) .

Nach den Aussagen des Autors soll der Schauplatz des Kurzromans das Fürstentum Otranto in Apulien sein. Die Zeit, so wünschte er, war  zur Zeit der Kreuzzüge. Den Schlossherrn von Otranto, Manfred von Otranto, plagen Ängste. Auf der Burg lastet ein alter Fluch, denn sein Großvater hatte sie unrechtmäßig dem wahren Besitzer abgenommen. Es heißt, dass seine Familie die Herrschaft über Otranto verlieren wird, sobald der rechtmäßige Eigentümer Ansprüche erhebt. Nur ein männlicher Erbe kann dies verhindern. Der Sohn des Schlossherrn ist jedoch kränklich und gibt wenig Hoffnung auf einen Erben. Erschwerend kommt hinzu, dass er vor seiner Hochzeit von einem herabstürzenden überdimensionalen Eisenhelm erschlagen wird. Der cholerische Schloßherr, ein Tyrann, möchte den Platz seines Sohnes einnehmen, und nun selber die schöne Braut, sein Mündel, zur Frau haben. Diese will den Despoten aber nicht, und kann dank der Mithilfe eines mysteriösen Bauernjungen durch ein unterirdisches Labyrinth  fliehen. Sie findet Zuflucht im Kloster bei Pater Jerome. Der Schlossherr lässt nichts unversucht, Isabelle zurück zu holen.

Das “Grauen” beginnt, als der Tyrann Fürst Manfred von Otranto sein Mündel zur Frau begehrt, die Ehe mit seiner Gemahlin Hippolyte lösen möchte um einen männlichen Erben zu zeugen. Eine riesige scheppernde Rüstung wandelt durch die Gänge, eine Statue blutet aus der Nase und das Porträt des Großvaters rutscht stöhnend aus dem Rahmen. Dazu kommt, dass ein geheimnisvoller Ritter samt Gefolge auf der Zugbrücke erscheint.

Der Kurzroman entstand als erster Roman der Schauerromane, und begründete das Gothic Genre in England. Was darf der Leser von einem Schauerroman des Jahres 1764 erwarten? Schauriges??? Zunächst einmal einen Lesestoff in der Sprache des 18. Jhdt mit schlechter Übersetzung. Obwohl das Werk gemeinfrei ist und problemlos für den heutigen Leser bearbeitet werden könnte, wurde es nie getan. Dies führt natürlich zu einer gewissen Komik durch die oft unsinnige Ausdrucksweise. Walpole war auch ganz gewiss kein geübter Schreiber von Romanen, was unverkennbar ist. Wer einen Stephen King aus 1764 erwartet, der sieht sich natürlich enttäuscht. Es gibt keine Zombies, keine lebenden Leichen und keine umherkreischende Monster. Die Burg von Otranto verbreitet leichten Schauer aus der Zeit der Frühromantik, die noch nicht ganz mit der Aufklärung gebrochen hatte.

Weitere Schauerromane:

Ida von Duba Sophie Albrecht

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