Schwarze Romantik

Hettys dunkles Blog

Moritz Irrungen und Wirrungen

Die erste Begegnung mit Moritz hatte ich mit seiner Stimme. Persönlich trafen wir uns an einem Tag mit der Kennenlernzahl 8. Nimmt man die Numerologie wörtlich, wäre es nicht einmal gelogen. Wir sind zwar nicht die Menschen die von der perfekten Familie träumen, jedenfalls ich nicht, doch ich denke schon, dass wir uns aufeinander verlassen könnten und immer Halt beieinander fänden. Dieser Zusammenhalt könnte stark wie kein anderer sein.

Wie ich feststellte, mögen wir alte Häuser, alte Möbel, alte Filme, ältere Musik …………… Sind wir altbacken? 🙂 Vielleicht ein wenig, jeder auf seine Art. Ich weiß nicht was es war, doch es war da, von der ersten Sekunde an. Es war ein besonderes Gefühl der Anziehung. Nie würde ich das als Liebe bezeichnen wollen. Es war eine eigenartige Vertrautheit, so als kannten wir uns schon viele Jahre. Ich wusste, dass Moritz einmal Grufti war. Mir schien es, dass er auch sehr zu einem Romantik Goth tendierte.

Im Allgemeinen hatte ich Probleme mit jüngeren Männern, bei Moritz merkte ich anfangs kein Alter. Man konnte mit ihm wunderbar reden. Wir brachten es auf Skype einmal auf 4 Stunden. Solange hatte ich noch nie vorher mit reden verbracht. Nicht mit einem Menschen den ich gar nicht weiter kannte. Selbst mit meiner besten Freundin schon lange nicht mehr. Nicht dass ich nicht gerne redete, doch meistens nervte mich das bald. Noch weniger mochte ich WhatsApp. Das ewige Gepiepse war kontraproduktiv und störte mich in meinen Gedanken. Ja, mitunter nervte mich auch Moritz Gepiepse, aber es kam dosiert. Nach wenigen Wochen machte es mich sogar fröhlich. Ich wusste sofort, wann eine Nachricht von ihm kam. In mein Gesicht zauberte das ein fröhliches Lächeln.

Moritz vs Rolf

Kurz vor Moritz lernte ich Rolf, unseren Chef, kennen. Er war aufgedreht, hatte ein wunderbares Lachen, dass einen sofort mitzog. Ein wenig diabolisch, aber hell und klar. Wenn Rolf lachte, es war Musik. Er fühlte sich ein wenig allein in der großen Stadt und so verabredeten wir uns an einem Sonntag zum Brunch. Für ihn war es, denke ich, ein kleiner Schock als er mitbekam, wie alt ich bin. Es wurde zwar nie eine engere Bekanntschaft daraus, doch manchmal braucht auch Mann Menschen, denen er seine Probleme anvertrauen kann. Nichts weiter wollte ich sein.

Irgendwie bekam ich das Gefühl, Moritz und Rolf buhlten um das Treppchen auf der Leiter. Es ging nicht darum, wer in die Rolle des Lovers schlüpfte, sondern wer mir näher stand. Jeder, so schien es mir, wollte der Favorit sein. Bekam Moritz mehr Aufmerksamkeit, schien Rolf eingeschnappt zu sein und umgedreht. Mochte ich auch beide ganz gerne um mich haben, so stand mir Moritz emotional immer näher. Der gleiche Beruf, die gleichen Interessen. Ich fasste mir ein Herz und sagte es ihm. Von da an ging es mir und unserer Bekanntschaft besser.

Wiedersehen

Nach ca. 3 Monaten hatte ich den Wunsch Moritz wieder einmal zu sehen. Einerseits waren wir Kollegen, andererseits aber auch persönliche Bekannte. Ich wollte einfach nur mit ihm reden, ein wenig mehr über ihn erfahren. Ganz vorsichtig deutete ich es an. Einige Tage später schlug er ein Treffen vor. Dieser Tag hatte die Kennenlernzahl 2 in der Numerologie, was identisch mit meiner Namenszahl war. Vielleicht hätte ich es vorher erforschen sollen. Unsere gemeinsame Schicksalszahl war 11, die Herzenszahl 7. Auf jeden Fall gute Voraussetzungen sich zu vertragen.

Einerseits war ich mit Freude erfüllt vor und nach dem Treffen, andererseits enttäuscht. Ich wollte doch nur reden über das, was ich an Gemeinsamkeiten zwischen uns entdeckt hatte. Moritz ließ mir gar keine Gelegenheit zu reden. Er plapperte wie aufgezogen, obwohl reden angeblich gar nicht seine Sache war. Es gab Dinge, die er sagte, die mich eher abstießen, als anzogen. Es klang falsch, auswendig gelernt. Was mich zu diesem Zeitpunkt absolut nicht interessierte war ein Ausflug in sein Selbst. Das, was ich wirklich gerne gewusst hätte, erfuhr ich nicht, fand auch keine Gelegenheit danach zu fragen. Diese Art des Treffen war nicht das, was ich gewollt hatte. Ich wollte keinen Flirt, kein Date. Nur eine rein sachliche Begegnung, hatte sein Blog gelesen und gerne dies und das hinterfragt. Von der Sache her war ich eher ein Kopfmensch, kein Herzmensch, trotz Romantik.

Moritz sprach sich auf seinem Blog offen dazu aus, dass er keine Partnerin wollte. Er sei von Frauen enttäuscht. Bei ihm hieß es, er suche niemanden für nichts. Ich auch nicht. Ich wollte einen Menschen, mit dem ich mich gedanklich austauschen konnte, ganz sicher keine Gefühlsduselei. Warum also kam er als Romeo daher? Erwarten das Frauen? Ich jedenfalls nicht. Auch sonst machte er alles perfekt. Am nächsten Tag meldete er sich bei mir, auch am übernächsten. Einige Zeit später gab er mir zu verstehen, dass dieser Tag für ihn mit Abstand einer der Schönsten des Jahres bisher war. Ich wollte und konnte es nicht glauben. Meine Antwort hatte ihn sicher enttäuscht.

Trotz allem verliebte ich mich ein wenig in Moritz, zugegeben. Das alles machte mir Angst. Ich wollte nur eine geistige Freundschaft, nichts mehr. Seine Nähe die nächsten Tage darauf versetzte mich in absolute Panik. Unser Kontakt wurde so eng wie nie vorher. Wir schrieben nicht nur eine Nachricht, mitunter 2 oder 3. Es entstand sogar ein kleines Ritual. Mein Klingelton für ihn wurde Leonard Cohen: Dance me to the end of love. (Quelle: YouTube)

1000 Fragen

dark-ladyEinerseits zog mich Moritz magisch an, andererseits verstand ich ihn nicht, oder er mich nicht. Unsere Beziehung, sofern man das so umschreiben konnte, glich einer Achterbahn. Wir fuhren gemeinsam hoch und wieder runter. Mal waren wir uns nah, dann wieder so fremd wie nie zuvor. Ich verstand nicht, was er von mir wollte, besser wollte es nicht. Ein Mann der sagt, er möchte keine Frauen in seinem Leben, tat alles um mich festzuhalten? Ich entschloss mich, alles dazuzutun, ihn aus meinem persönlichen Leben loszuwerden. Es gelang nicht. Kühlte sich auch einerseits unser Verhältnis ab, war Moritz scheinbar noch nicht dazu bereit mich gehen zu lassen. Eine Zeitlang hatte ich das Gefühl, er hatte jemanden anderes gefunden, doch dies war wohl nur ein kurzer Moment. Kam er mir ein Stück entgegen, wich ich ihm aus. War er nett zu mir, war ich hässlich zu ihm. Im Grunde bewunderte ich Moritz dafür, dass er mich so tapfer ertrug.

Auch das Verhältnis zu Rolf wurde immer schlechter. Wir redeten langsam so gut wie gar nicht mehr privat miteinander. Mal ein paar Zeilen, auch mal ein paar Worte, doch das war es. Er hatte persönliche Probleme. Gerne hätte ich ihm ein wenig zur Seite gestanden. Der Auslöser war, glaube ich, als sich ein Dritter zwischen die beiden drängte. Wieso habe ich nie herausgefunden.

Langsam aber sicher ergriff mich tiefe Tristesse. Der Goth kam durch und überschattete alles.  Ich wurde schwermütig, melancholisch, unleidlich. Suchte Trost in der Dunkelheit, nahm meine Friedhofswege wieder auf und schottete mich von allem ab. Ich wollte zerstören was mir von Moritz noch geblieben war, ihn endgültig aus meinem Leben verbannen. Alles schmerzte und die tausend Fragen gingen nicht aus meinem Kopf.

Moritz fehlte mir. Seine Nähe, seine Schreiberei, sein Lachen, seine Stimme. Das Blog stand still. Den letzten Eintrag hatte er  kurz nach unserem persönlichen Kennenlernen gemacht. Mal suchten wir uns, um dann wieder wochenlang zu schweigen. Ich suchte Wege, um ihn nicht ganz zu verlieren, ich glaube, er spürte es auch.

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