Hettys schwarz-blaues Café

Schwarze Romantik & Dunkles Leben

Rückblende: Der Pharao

Es war eigenartig. Im Laufe der Zeit entwickelten sich so etwas wie engere Bekanntschaften mit einigen Spielern. Nach fast einem Monat gab es da so zehn Spieler mit denen ich mehr oder weniger täglich ein paar Worte wechselte. Sie wurden einem vertraut, der Tonfall lockerte sich und wir trafen uns auch in so einer Art Team Speak, genannt Skype. An diesem Punkt angekommen, begann mich das Spiel zu belasten. Ein wenig Spiel und Spaß, gut, doch bereits am Morgen mit netten freundlichen Gesprächen begrüßt zu werden nervte mich. Ich brauchte nun einmal den Computer für meinen Job und musste ihn anschalten.

Von jeher misstraute ich allen Internetbekanntschaften und bemühte mich auch jetzt um sehr viel Zurückhaltung. Die Pflege dieser Zurückhaltung war jedoch gar nicht so einfach. Kaum im Spiel stürzte sich der Pharao auf mich, wie einige andere. Ich bemühte mich zwar den Leuten ein wenig aus dem Weg zugehen, doch auf Ansprachen nicht zu antworten war auch unhöflich.

Die kleine Pfirsichblüte, so nannte sich die junge Frau im Spiel, machte sich aus persönlichen Gründen rar, zwei andere Mädels kamen, doch irgendwie würde ich zu einer Art weiblichen Ikone. War es der Name? War ich im Spiel, war der Chat gut besucht. Ich machte meine Scherze, dumme Sprüche und foppte die anwesenden Herren. Es gefiel offenbar, denn wer da war, machte mit.

Der Pharao schien einen Narren an mir gefressen zu haben. Bald verließen wir den Chat und lebten unser eigenes virtuelles Leben. Waren wir im Chat, ließ man uns reden und flirten. Ich hatte jedoch das Gefühl, dass alle mitlasen. Der Pharao glaube ich, genoss die Aufmerksamkeit, mir gefiel sie weniger. Ich war für viel zu haben, doch wurde Spaß zur Schlüpfrigkeit, war es vorbei.

Mein Sohn war von meinem neuen Hobby gar nicht begeistert. Er war es gewohnt, voll und allein wie selbstverständlich über meine Zeit zu verfügen. Da ich ihm beim Aufbau seines Geschäftes etwas half, leitete er daraus den Anspruch ab, meine Zeit einteilen zu dürfen. Von jeher ließ ich mir meine Zeit nicht einteilen.

Was ihm noch weniger gefiel war, dass ich fröhlicher wurde. Oft gab es viel im Spiel zu lachen. Da man auch noch per Kamera mit den anwesenden Herren skypte, machte es mir wieder Spaß, mich aufzuhübschen. Ein wenig Schminke hier, ein wenig Haardesign da und ständig vor dem Spiegel stehen. Nicht, dass ich eitel wurde, doch ich wollte gefallen.

Selbstkritisch stellte ich fest, dass mir das Spiel wirklich guttat. Ich hatte wieder mehr Lust am Job, war nicht mehr genervt über die Kleinigkeiten des Lebens und mein alter Zynismus kam zurück. Die Mädels und ich trafen uns wieder öfter, telefonierten mehr und gingen shoppen. Selbst Klaus, der Dunkelste der dunklen Bande, wurde angesteckt. Er war nicht mehr ganz so melancholisch wie sonst. Er hatte etwas gefunden, worin er aufging.

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