Hettys schwarz-blaues Café

Schwarze Romantik & Dunkles Leben

Rückblende: Wie es begann

Tagebuch-Januar

JANUAR

Das neue Jahr hatte begonnen. Wie immer trafen wir uns bei irgendjemandem, um nicht alleine rumzuhängen. Diesmal musste Siva dran glauben. Wie immer brachten wir Essen und Trinken mit. Siva verteilte es auf einem Buffet und fertig war der Küchenjob. Ich mochte unsere Silvesterpartys, vor allem traf man Leute wieder, die man mitunter das ganze Jahr nicht sah. Unsere Gruppe verband zwei Dinge: erstens die Liebe zu Friedhöfen und zweitens das dunkle Leben. Beerdigungen und Friedhöfe waren eben nicht immer das Ende eines Weges, manchmal auch der Anfang.

Wir trafen uns nicht regelmäßig. Mal zu Geburtstagen, Trauertagen, Hochzeiten, Weihnachten, Silvester oder wenn wir Langeweile hatten. Es gab Zeiten, da wollte man einfach Gesellschaft. Da wollte man etwas unternehmen und irgendwer hatte immer Zeit. Ja, und Hilfe brauchte man auch manchmal. Umziehen, umräumen, malern oder ein paar Löcher in die Wand bohren. Unser letztes gemeinsames Treffen war Sivas Umzug, der nun gebührend gefeiert wurde. Das Jahr hatte begonnen und so standen auch unsere “Maskenbälle” an, die wir natürlich gemeinsam besuchten: Wave Gotik Treffen und Mera Luna, die Gotik Festivals. Siva war unsere Schneiderin und verpasste uns immer neue bekloppte Outfits. Die erste Anprobe war Ostern, denn Pfingsten musste alles fertig sein. Der halbe Silvesterabend war damit vergangen in alten Erinnerungen zu kramen, festzulegen was wir in dieser Saison trugen und wer alles mitkam.

Unser Nerd Klaus hatte wieder neue Spiele und Communitys entdeckt. Ein wenig spielten wir alle im Internet. Auch dort trafen wir uns an Regentagen. Jeder hatte andere Ambitionen dabei, ich mochte Strategie- und Aufbauspiele. Unsere Zocker Gang hatte neues Futter.

Klaus und ich fühlten uns ganz wohl in dem neuen Spiel und blieben erst einmal. Es war recht anspruchsvoll. Zu zweit in einem Spiel zu sein war praktisch, denn hatte der eine keine Zeit, konnte der andere spielen und so fiel es gar nicht auf. Zuerst untersuchte ich die ganzen Spieler die sich da tummelten. Wie sich heraus stellte, war ein Großteil um die vierzig. Mit uns zusammen hatten noch mehrere angefangen.

Ich spielte zwar mehrere Spiele, doch weder besonders regelmäßig, noch besonders intensiv. Dieses Game war anders. Man unterhielt sich im Chat, half sich, entwickelte Sympathien und Empathie, vielleicht auch etwas mehr. Da man nur die geschriebenen Worte hatte, musste man lernen, aus den Worten zu lesen. Was es nicht alles für Typen gab. Nerd Klaus war ja schon ein Unikum für sich, doch einige männliche Spieler waren noch verrückter. Die Leute, mit denen ich zu tun hatte, waren allgemein sehr “wichtig”. Hier zeigte sich das entfesselte Leben, ein Spiegelbild der Männlichkeit. Es waren nur sehr wenig Frauen in dem Spiel, eine fast männliche Domäne. Die holde Männlichkeit stürzte sich also auf uns Mädels. Sie überhäuften uns mit Charme, blöden Anmachsprüchen, guten Ratschlägen und Smalltalk.

Viele Aliasnamen waren altgermanisch, altisländisch oder entstammten der nordischen Mythologie. Es gab auch Namen aus Fantasy Serien usw. Jeder zeigte so ein wenig von sich selbst. Das geistige Niveau war auch sehr gemischt. Es reichte im Bereich der Rechtschreibung von kaum zu verstehen bis perfekt.

Ich loggte mich meist nachts ein, wenn ich genug von meiner Arbeit hatte. Hier traf ich auf ganz nette Leute. Bald waren wir ein eingeschworenes Häufchen. Einem Spieler hatte ich es wohl besonders angetan. Er nannte sich nach einem ägyptischen Pharao. War es nun der Spieler oder der Namen des Pharao, der mein Interesse weckte? Ich weiß es nicht. Da man sehr viel Gold, Eisen und Lebensmittel brauchte, half ich dem Pharao mitunter etwas aus, wenn er gar zu laut bettelte. Er quittierte das mit Kosewörtern. Wir verbrachten die Zeit im Spiel bald mehr mit reden als mit spielen.

 

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