Hettys Gedankenwelten

Schwarze Romantik, dunkles Leben

Page: G.K.Chesterton und Father Brown

Gilbert und Frances

Der Schriftsteller G.K.Chesterton ist uns als Vater von Father Brown bekannt, doch Chesterton schrieb noch weit mehr. Er wurde in eine gut etablierte Familie von Immobilienmaklern und Landvermessern hineingeboren, die von 1805 bis 2005 in Kensington existierte.

Gilbert Keith Chesterton wurde am 29. Mai 1874 auf Campden Hill im Londoner Stadtteil Kensington geboren. Seine Eltern wohnten in unmittelbarer Nähe der kleinen Kirche von St. George gegenüber dem großen Wasserturm. Hier wurde er auch getauft. Chesterton sagt: “…Mein Vater, der heiter, humorvoll und voller Hobbys war…
Meine Mutter, die schnell, unruhig und in der Regel radikal in ihren Instinkten war… sagte: Wir waren doch nie respektabel, wir wollen nicht jetzt damit beginnen. ” Ich erinnere mich an meines Vater milde Antwort: “Meine liebe, Sie präsentieren ein eher alarmierendes Bild unseres Lebens, wenn Sie sagen, dass wir nie für einen einzigen Augenblick respektabel waren. “

G.K. sagte: …Meine Sippe gehörte eher der altmodischen englischen Mittelschicht an, in der es einem Geschäftsmann noch erlaubt wurde, sich um seine eigenen Angelegenheiten zu kümmern. Sie hatten keine Vorstellung von dieser weiter fortschreitenden und abenteuerlichen Entwicklung von Handel, in dem ein Geschäftsmann Rivalen ruinierte, zerstörte, absorbierte und alle anderen Geschäfte vernichtete.
Mein Vater war von der Schule der Liberalen, die vor dem Aufstieg des Sozialismus existierte, nahm es für selbstverständlich, dass alle gesunden Menschen an Privateigentum glaubten; aber er hat sich nicht die Mühe gemacht, dieses in private Unternehmen zu übertragen. Seine Leute waren von der Sorte, die immer erfolgreich genug waren; aber kaum im modernen Sinne unternehmungslustig. Mein Vater war der Kopf eines ererbten Geschäfts von Agenten und Vermessern, die schon seit drei Generationen in Kensington etabliert waren, und ich erinnere mich, dass es eine Art von lokalen Patriotismus und ein wenig Zurückhaltung bei den älteren Mitgliedern gab, als die jüngeren zum ersten Mal vorschlugen, dass es Filialen außerhalb Kensington geben sollte. Diese besondere Art von unauffälligem Stolz war sehr charakteristisch für die Art von Geschäften älterer Männer.

Chesterton und seine Stimmungsbilder

G.K. Chesterton war kein Schriftsteller der Romantik, die Epoche endete ca 1848 und stand zwischen Klassik, Sturm und Drang, Empfindsamkeit, Aufklärung, Biedermeier, Vormärz und Realismus. Chesterton war ein genialer Maler von Stimmungsbildern in Worten. Seine Father Brown Geschichten sind düster, ein wenig schaurig und durchaus dazu geeignet sich mitunter etwas leicht zu gruseln.  😉 Der 1,90 m große voluminöse Gilbert war weder Kriminalschriftsteller noch ein typischer Autor von Detektivgeschichten.

Chesterton und sein Father Brown wurde mehrfach übersetzt. Nicht alles ist so wie G.K. es meinte. Er hatte eine besondere Art Humor, bediente sich gerne eines besonderen Schreibstils der ihn kennzeichnete. Man bezeichnet ihn nicht zu Unrecht als Meister der Paradoxen. Er liebte Parallelsätze, Wortwiederholungen und Stabreime. In seinen Kurzromanen setzte er sich mit modernen Philosophien und Denkrichtungen auseinander, machte oft gewagte Gedankensprünge. Sein Zusammenbringen scheinbar unvereinbarer Ideen brachten oft überraschende Ergebnisse. Seine Argumentationsweise wurde und wird plakativ als „geistiger Husarenritt“ bezeichnet.

Father Brown ist kein Detektiv

Father Brown ist kein Detektiv. Er ist katholischer Priester und kriminalisieren ist sein Hobby. So wollte es auch GKC verstanden wissen. Er selber hat die Geschichten nie mit dem nötigen Ernst betrachtet, hätte er es getan, wären sie wohl besser geworden – so der Autor.

Chesterton ist kein leichter Happen. So groß und schwer er lebend war, so gewaltig und schwer ist seine Sprache. Man interpretiert sehr viel in Chesterton hinein, begonnen vom genialsten Denker des 20. Jahrhunderts bis zum ersten Profiler in der Literatur. Lassen wir all die Aufzählungen. Die Geschichten um Father Brown sind mehr oder weniger gut gelungene Erzählungen. Der katholische Priester ist auch nicht der einzige Held bei Chesterton, der sich dem Kriminalisieren widmet. Als er die Geschichten schrieb, mag er sich manchmal wohl halb scheckig gelacht haben, wie es seine Art war. Ja, man kann lachen, nicht immer, aber öfter.

Geschichten zu übersetzen aus einer längst vergangenen Zeit hat seine Tücken, Chesterton zu übersetzen noch viel mehr. Um das zu übertragen, was der Autor meinte, muss man nicht nur seine Zeit kennen, sondern auch ihn selber. Marie Luise Preuss hat sehr viel Zeit mit GKC verbracht. Erst wenn man die gesamte Familiensaga der Chestertons kennt, sich durch die unzähligen Trivialitäten gekämpft hat die GKC zu Papier brachte, kann man ihn verstehen lernen.

Nichts ist gerade mal so

Nichts ist bei Chesterton gerade mal so, auch wenn es danach aussieht. Nicht dass er besonders gut sein wollte, er hat versucht gut zu schaffen. Er hat seinen Weg der Abrechnung mit der katholischen Kirche gesucht. In den Father Brown Geschichten gibt es wirkliche Kriminalerzählungen und wütende Ausbrüche. Es gibt Handlungen und Abhandlungen. Es gibt Erzählungen und wütendes Gebell. Als Übersetzer eines Chesterton stellt man sich immer die Frage – Was will er uns sagen und warum hat er diesen Ort oder Namen gewählt. Die Antwort darauf findet man sehr einfach in seiner Familiengeschichte, seiner Autobiografie und diversen anderen Lebensbeschreibungen.

Von einem Father Brown erwartet der Leser eine Kriminalerzählung, möglichst spannend, möglichst witzig, das soll er ja gewesen sein dieser Chesterton, und auf jeden Fall eine Handlung. Das mit der Handlung ist nicht immer einfach, denn Father Brown handelt oft nicht.  Mitunter kommt er erst nach der Mitternachtsmesse, wenn der Mörder schon fast entlarvt ist. Bis dahin ergeht sich der geschätzte Autor in wütendem Gebell über die bösen Sozialisten, die nicht rechtgläubigen Kirchen und die gute katholische Kirche.

Ein weiteres Problem Chestertons ist der rote Faden, der in vielen seiner Abhandlungen fehlt. Er verliert sich beim Schreiben und oft gelingt es ihm nicht, den Faden wiederzufinden. Die Fülle von Motiven, Schauplätzen, Personen und wütendem Gebell kann er teilweise nur schwer unter seinen zerknautschten Schlapphut bringen. Er möchte so viel sagen, kann sich jedoch nicht ausdrücken. Er war wohl einerseits wortgewaltig, hatte jedoch keinen gewaltigen Wortschatz.

Bei der Übersetzung dieser mitunter recht flachen Schreiberei steht man vor der Frage, wie übersetzt man ihn – originalgetreu oder sinngemäß? Marie Luise Preuss hat sich für einen Mittelweg entschieden, denn originalgetreu kann man ihn sich in der Mehrzahl nicht wirklich antun. Ich gehe davon aus, dem Leser geht es um eine nette spannende Geschichte, und nicht um eine Litanei über Gott, Kirchenkrieg und die Wut des Autors.

Die Frau, die Chesterton war

Wir haben uns bemüht, den Chester-ton sowenig wie möglich zu verändern, hier ein wenig raffen und da ein wenig ausbauen, so, dass der Leser auch verstehen kann, worum es geht. Wer die ganzen Beteiligten waren, von denen er spricht, was die vielen Fremdwörter bedeuten die er benutzt, aber nicht immer richtig anwendet. Chestertons Wortspiele, seine schwere Wortgewaltigkeit ist vielfach nicht im Einklang mit dem Inhalt, sie erschlägt den Inhalt und passte nicht überall.

Wer auch immer Lobeshymnen über Chesterton singt und ihn zum schreibenden Genie machen möchte, ein gutes Beispiel ist Hanswilhelm Haefs, unterschlägt dem geschätzten Konsumenten eine Wahrheit. Chesterton war geistig zurückgeblieben. Ohne seine Frau, ebenfalls Autor, wäre Chesterton wohl nie das geworden, was er war. Frances Alice Blogg war die Frau die Chesterton war. Ihr eigenes Schaffen ist in GKCs Nachlass untergegangen und nur noch schwer identifizierbar. Gilbert war völlig abhängig von seiner Frau, physisch wie intellektuell. Sie formte aus seinen Notizen seine Werke.

 

Father Brown Geschichten
übertragen in die Neuzeit von Marie Luise Preuss

 

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