Schwarze Romantik

Hettys dunkles Blog

Seinen Schreibstil finden

Im Internet gibt es ja dutzende Tipps. Die erste Empfehlung von mir ist, den Deutschunterricht nicht grundsätzlich zu schwänzen. Schreibstil entwickelt sich nicht losgelöst vom Sprachstil. Wer seine Sprache schult, in vollständigen Sätzen redet, sich um einen gepflegten Ausdruck bemüht, sich verständlich ausdrücken kann, hat den ersten Schritt getan. Schreiben ist Sprache.

Wer gut schreiben möchte, muss den deutschen Satzbau beherrschen. Es gibt Wörter die in der Literatur nichts zu suchen haben. Dazu gehören Jargon und Fäkalienbegriffe. Wer eine gepflegte Sprache hat, hat auch eine gepflegte Schreibe. In vielen Büchern junger Autoren findet man Begriffe wie Scheiße, Kacke, Scheißhaufen, verpiss dich usw. Man wirkt nicht authentisch, wenn man urbane Sprache benutzt. Bei wem das zur Alltagssprache gehört, der wird es auch alltäglich schreiben.

Ein Problem unserer Zeit ist das Handy. Fast jeder benutzt heute WhatsApp. Ich pflege mit etlichen Menschen den Nachrichtenaustausch per Handy. Auffällig ist, bei den meisten geht die Fähigkeit verloren, sich verständlich und in Sätzen auszudrücken. Leider pflanzt sich das fort. Hunger hab, müde bin, Durst, sind da noch die geringsten Übel. Das sind lediglich Feststellungen, die wohl so bedeutsam sind, wie der Umstand, dass in Bochum gerade ein Grashalm umknickt. Leider sind gerade junge Menschen daher kaum in der Lage, in kurzen Sätzen ein Anliegen verständlich vorzutragen. Wir sprechen vom Hauptsatz in den Nebensatz, nicht umgedreht.

Wer Geschichten schreiben möchte, sollte zuerst einmal Briefe oder Tagebuch schreiben. Wer es lange nicht probiert hat, sollte sich darin üben. Man wird dabei erkennen, dass es gar nicht so einfach ist, das an Gedanken einwandfrei rüber zu bringen, was man eigentlich sagen möchte. Die Frage ist, wie sagt man es, ohne vom Briefpartner nicht missverstanden zu werden.

Fazit: Nur sprechen und schreiben schult schreiben.

Kopiere nie andere Autoren…

Der Weg vom kopieren zum plagiieren ist kurz. Jeder Mensch entwickelt sein eigenes Sprachmuster, seine eigene Wortwahl, seinen persönlichen Ausdruck. Nicht jeder Mensch kann ironisch schreiben, zynisch oder lustig. Das ist nicht nur vom Charakter abhängig, sondern auch von der Tagesform. Sehr viel effektiver ist beschreiben zu trainieren. Man kann alles beschreiben. Kochen, backen, Bus fahren, Fahrrad fahren, Häuser, Landschaften, Menschen usw. Die Schwierigkeit dabei ist, Dinge oder Geschehnisse so zu beschreiben, dass sie sich ein anderer auch vorstellen kann. Wer detailliert beschreiben möchte, muss gut beobachten können. Nehmen Sie sich die Zeit, gehen Sie in den Park und beobachten was um Sie herum geschieht. Wieder zu Hause beschreiben Sie das Erlebte. Picken Sie sich eine Szene heraus, die im Gedächtnis am stärksten haften geblieben ist.

Eine andere Möglichkeit von seinen Idolen zu lernen ist, sich eine Szene aus einem Buch zu nehmen und genau diese mit seinen eigenen Worten zu schreiben. Anschließend vergleicht man seine Schreiberei mit dem Original. Sie werden vielleicht mit Erschrecken feststellen, wie arm ihr Wortschatz noch ist, wo Sie an ihrem Schreibstil feilen müssen. Denkbar auch, Ihnen fallen ganz andere Worte ein, diese Szene wieder zugeben.

Der berühmte erste Satz. Beginne mitten im Geschehen, so ein häufiger Rat, den ich ebenfalls so oft wie möglich praktiziere. Schlage ein Magazin auf, fische einen lebendigen Satz heraus und schreibe damit beginnend eine kurze Geschichte. Das ist hundertmal besser, als die Einstiegsszene seines Lieblingsautors zu kopieren.

Die Gedanken sind frei

Worte zu kopieren ist kein Weg, doch Ideen sind frei, sofern es nicht gerade Bestseller sind. Doch selbst die Idee des Zauberlehrlings Harry Potter, Vampirgeschichten oder Herr der Ringe lässt sich sicher auch ganz anders umsetzen, wenn man es noch nie gelesen hat. Hier haben sich Zeitungsmeldungen bewährt. Schlagen Sie ihre Tageszeitung auf, lesen Sie die regionalen Ereignisse und finden Sie etwas, wo Ihnen spontan eine Geschichte zu einfällt. Sinn dieser Übungen ist, seinen Schreibstil zu finden und zu entwickeln. Macht man so eine Übung mit 10 Personen, wird jeder einen anderen Ansatz finden und auch eine andere Geschichte daraus entwickeln. Mit nur einer Zeitungsmeldung kann man fast jedes Genre der Literatur bedienen.

Wer von seinen Lieblingsautoren lernen möchte, sollte die Bücher analysieren. Wie setzt der Autor etwas um? Wie beschreibt er? Mit welchen Worten, Beschreibungen und Bildern schafft er Spannung? Was sind die Konflikte, wie löst er sie? Wenn Sie schon kopieren wollen, dann nicht die Worte, sondern die Art der Umsetzung. Versuchen Sie einen Zugang zur Gedankenwelt ihres Vorbilds zu finden.

Views All Time
Views All Time
211
Views Today
Views Today
1

Leave a Reply

 

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen