Hettys blaues Café

Schwarzromantik & Dunkles Leben

Page: Trudes Traumwelten

Trude war eine dicke Dame Mitte vierzig. Etwas plüschig, nie erwachsen geworden, und stets von dem träumend was sie haben wollte, doch nie bekommen würde. Ich wusste nicht sehr viel über Trude, doch ich rekontruierte mir einen Teil ihres Lebens aus dem, was sie mir erzählte.

Trude war eine der Frauen, die einer Frau sofort unangenehm werden, wenn man sie etwas näher kennen lernte. Willig, billig, aufdringlich. Für das was sie haben wollte, ging sie über Leichen.

Die Natur hatte sie üppig ausgestattet. Es war diese wallende Üppigkeit, bei der man als Frau sehr genau darauf achten muss wie man sich kleidet. Es gab Läden da bekam man sehr preiswerte Bekleidung in großen Größen, die letztlich eher schlampig als kleidsam wirkten. Billige Stoffe, schlechte Verarbeitung und gar kein Schick. Als wir uns das erste Mal gegenüber standen erkannte ich den Schneider sofort.

Auch ich war nie das Abbild einer zierlich schlanken Gemse, insgesamt etwas dicker als schlank. Da wo die Natur zurückhaltend sein sollte, war sie es auch. Sehr froh war ich immer, dass ich eine Taille, einen freundlich anzuschauenden Popo und eine nicht zu gewaltige Brust mitbekommen hatte. Ich hatte im Laufe meines Lebens gelernt, mithilfe einiger optischer Tricks, manches zu kaschieren. Ich mochte nichts buntes wie in den 70ern. Schwarze Eleganz, schwarz-weiß gestreift und bordeaux. Schon immer liebte ich Leder.

Meine liebe Mutter erzog mich dazu, selbstbewusst aufzutreten und zu dem zu stehen was ich bin und kann. Ich. Bei Trude war in dieser Hinsicht manches nicht rund. Trude war sehr anpassungsfähig. Das was sie meinte für den Mainstream sein zu müssen, das war sie. Sie konnte alles, sie wusste alles, und versuchte immer, es allen recht zu machen. Auffallen um jeden Preis. Eine Fähigkeit, über die ich nie verfügte. Sie erkannte sehr schnell, was man allen erzählen musste, um everybodys Liebling zu sein, um Anerkennung zu finden. Krankheit erzeugt Mitleid, also jammerte Trude gerne und viel. Waren Menschen der Meinung von viel Unglück heimgesucht zu werden, wurde es Trude auch. Wie ein Chamäleon passte sie sich jedem an. Sie vermittelte allen, sie teile ihre Interessen, ihr Leid und Schicksal. Unangenehm dabei war, dass sie ihr Wissen auch gegen die Menschen benutzte. Geschickt horchte sie alle aus.

Die erste Zeit war unsere Bekanntschaft von Nichtachtung füreinander geprägt. Doch eines Tages änderte sich das. Trude brauchte mich, um ihre eigenen Interessen durch zu setzen. Ich rückte in ihren Fokus. Vor einiger Zeit bestätigte mir jemand, dass ich sehr eigen sei. Ja, das war ich wirklich. Wer mich erst ignoriert um mich dann zu 100% einzunehmen, der hatte schon verloren. Erst war es nur ein unangenehmer Beigeschmack der sich allem beimischte, dann erkannte ich den Sinn ihrer Schleimerei. Trude begann mich zu stalken, um an das Objekt ihrer Begierde zu kommen – einen Mann.

 

Views All Time
Views All Time
40
Views Today
Views Today
2

Comments are closed.

 

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen