Hettys blaues Gothic Café

Schwarze Romantik des dunklen Leben

Selbstgespräche mit dem Du da #2

» Wer weiß schon, welche Menschen heimlich ineinander verliebt sind und es voreinander verschweigen,
damit das Leben geordnet bleibt. «

Treffen mit dem Du da #2

das Dingsda Harvey»Aha, ich muss also dich verstehen! Seit Monaten sagst du mir das, entschuldigst dich für alles. Willst du dich ein Leben lang für alles entschuldigen? Du textest mich mit deinem Kopfkino zu. Hast du mich einmal gefragt, was du mit all dem in mir anrichtest?«

Ich sah ihn nachdenklich und ein wenig desorientiert an. »Dich? Nein, warum auch? Ich bin mal davon ausgegangen, wenn du mir etwas hättest sagen wollen, hättest du es getan.«

»So, du bist davon ausgegangen!« Er saß auf seinem Lieblingsplatz und baumelte mit den Beinen. »Habe ich dir nicht genug gesagt du kluge Frau du? Warum habe ich dir wohl all diese unnützen Fragen gestellt im Urlaub nach unserer ersten Begegnung? Weil ich die Antworten brauchte?«

Ich lächelte leicht. »Nein, ich glaube, die haben dich gar nicht interessiert.«

»Stimmt auffällig. Warum habe ich mich mit dir treffen wollen? Weil der Zug nur über Umwege an sein Ziel fährt? Ich hätte nicht aussteigen brauchen, und meine Zeit mit dir vertrödeln.«

»Ja, du hast gesagt , wortwörtlich – von bis habe ich Zeit für dich – sehr charmant. Ein Opfer musstest du nicht bringen für mich. Du musst mir keine Zeit einräumen wie bei einer Audienz. Den leichten Seitenhieb von mir hast du nicht einmal verstanden.«

»War nicht wirklich gelungen ausgedrückt, kennst mich ja.«

»Ach wirklich? Ich kenne dich nicht, weiß nur, dass du immer den falschen Ton triffst, wenn du den richtigen nicht findest.«

»Nett gesagt. Mir ist eben nichts passenderes eingefallen. Aber ich habe dir gesagt, dass unser Tag der erstschönste in diesem Jahr für mich war. Was hast du gesagt, du willst es nicht weiter wissen.«

»Nein, das hast du nicht gesagt. Du hast gesagt, dieser Tag, an dem du auf dem Fest warst, sei der zweitschönste für dich in diesem Jahr gewesen. Ich wollte nicht weiter fragen, wollte die Antwort nicht hören. Hatte Angst, du sagst irgendwas was mich verletzen könnte. Außerdem habe ich gesagt: Ich muss jetzt aber nicht fragen, welcher der Erstschönste war?«

»Und das Zwinkersmily? Vielleicht habe ich darauf gewartet, dass du mich das fragst.«

»Ehrlich? Ganz ehrlich, das habe ich mir hinterher auch überlegt. Aber du warst so in Hochstimmung, so glücklich. Ich wollte einerseits eventuelle “Geständnisse” nicht. Andererseits hatte ich mal wieder Angst davor, dass du so Knall auf Fall unsere Tipperei beendest.«

»Dummes Dingens du. Auch wenn ich es nicht gesagt habe, habe ich es so gemeint. Muss man alles aussprechen? Vielleicht ist das auch nicht gerade meine Sache. Leicht machst du es einem ohnehin nicht, dich zu verstehen.«

Kann sein, denke ich kleinlaut.

»Ewig höre ich, ich bin dir zu jung. Welche Chance habe ich da? Ich bin nicht zu jung. Ich bin ein bischen jünger als du, doch sonst. Bin ein Mann und kein Jüngling mehr. Das macht mich wütend, wenn ich das höre. Du sagst oft Dinge, mit denen ich nicht klar komme. Die ich nicht verstehe.«

»Warum fragst du nicht? Warum begehrst du nicht auf? Gerade einmal seit wir uns näher kennen, hast du den Aufstand geprobt.«

»Kann ich nicht, bin ich nicht gewohnt. Will nicht.«

»Du willst alles nicht. Dann lerne es endlich. Man kann nicht ein Leben lang allem aus dem Weg gehen.«

»Pfff, will ich nicht. Andere wollen das auch nicht.«

»Wie will man andere verstehen, wenn man nicht nachfragt?«

»Will man sie denn verstehen?«

»Ich schon. Es bist auch nur du, der mir alles so schwer macht. Warum kann ich mit anderen vernünftige Gespräche führen? Warum kann ich mit anderen reden wie ich denke? Mit dir geht das nicht. Ich denke immer, ich sage etwas verkehrtes. Ja, ich habe schon gelernt, wenn ich dich überfrachte, schaltest du ab. Manchmal sagst du es ja auch.«

»Du weißt doch, wenn ich nicht will, will ich nicht.«

»Hab davon gelesen. Trotz allem, habe ich dich lieb. Du bist für mich der hellste Stern an meinem Himmel.«

»Pfff, hör auf. Einerseits bin ich dir zu jung, andererseits das wichtigste in deinem Leben. Was mache ich daraus? Du verwirrst mich immer wieder. Jetzt sage ich dir ganz deutlich, ich kann damit nicht umgehen.«

»Ich habe Angst Du da. Angst mich zu verlieben, mich lächerlich zu machen. Angst davor zu hören, dass ich dir zu alt bin. Ich möchte doch nichts weiter als eine gute Freundschaft. Ist das nicht möglich?«

»Es hat ja auch funktioniert. Es hat doch ganz locker angefangen, wie du immer sagst. Du hast es dahin gebracht wo es ist, in eine unsägliche Qual für uns beide.«

»Ich weiß das.«

»Ich habe dich immer ernst genommen. Ich habe mich einerseits gefreut, dass du dich für mich interessierst. Aber dein Gefühlschaos ist mir zuviel. Vielleicht hättest du mir auch eine Chance geben sollen. Ich habe auch ein Seelenleben. Du hast mich durchschaut, ein wenig jedenfalls. Du hast mir ganz deutlich Dinge gesagt, die mir lange keiner gesagt hat. Dich haben meine Entgleisungen einfach nicht interessiert. Die Zeit in deiner Gegenwart war für mich angenehm.«

»Ich weiß, ich habe es aus deinem Mund gehört. Deine Stimme zeigt manchmal soviele Gefühle. Aber gerade das hat mir Probleme gemacht. Es war mir einfach peinlich vor anderen, wenn du so verliebt gesprochen hast. Ich kann mich darauf nicht einstellen.«

»Tststs verliebt. Das kann ja nun gar nicht sein, ich verliebe mich nicht. Du könntest dich schon darauf einstellen, hast du ja im Überschwang deiner Gefühle auch bewiesen, du willst nur nicht.«

»Richtig, ich will nicht, weil ich weiß, dass es eine sinnlose Sache ohne Zukunft ist. Und ich habe gemerkt, dass das was ich mir von unserer Bekanntschaft versprochen habe, einfach nicht funktionieren wird. Ich wollte dir doch nur helfen bei deiner Schreiberei, da sein für dich, ein guter Freund sein. Ich hätte so gerne mit dir gesprochen, gesagt was mich belastet, was ich dir mehr als einmal gesagt habe. Immer nur SMS ist so unbefriedigend. Ja, ich hätte gerne mit dir gechillt, geredet über Dinge die dich bewegen. Man kann so wunderbar mit dir reden, wir haben es ja schon ausprobiert. Ich höre dir sehr gerne zu. Du hast nie darauf reagiert, also war es dir nicht wichtig. Du kannst Dinge so wunderbar ausblenden.«

»Hätte es dir denn geholfen?«

»Ja, hätte es. Es hätte mir geholfen dich besser zu verstehen, weil ich deine Gedanken kennen gelernt hätte. Und, es hätte mich viel eher wieder auf den Boden geholt. Meistens kommt man viel besser mit Dingen klar, wenn man klare Aussagen bekommt. Einfach ein klares ja oder nein, was ist daran so schwer?«

»Die meisten Menschen wollen es aber nicht.«

»Was interessieren mich die meisten? Ich bin ich, und ich will es. Eine ehrliche Aussage, oder Ansage, ist weniger verletzend als irgendwann zu begreifen, dass man belogen wird. Sagst du ja auch selber. Warum bist du dann nicht fair? Du machst selber, was du an anderen verurteilst.«

»Ich muss gehen, bis bald.«

»Aha, habe ich dich wieder in deine Enge getrieben? Tut mir leid.« Ich lächelte leicht, wie immer wenn ich an das Du da denken musste.

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