Hettys blaues Café

Schwarzromantik und dunkles Leben

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Warum muss es Liebe sein?

Unlängst hatte ich mich mit einem netten Bekannten zu einem gemeinsamen Ausflug getroffen. Er war 15 Jahre Jünger als ich, doch ich mochte ihn. Da es ja nicht mehr so darauf ankommt, wer heute was macht, hatte ich mich getraut und ihn eingeladen.  Mich erstaunte, dass die Einladung wider Erwarten ohne viel Drama angenommen wurde. Wir vermieden beide alles, was die Sache in Gefahr bringen konnte. Nur nicht böse machen :-). Er schlug den gleichen Treffpunkt vor wie bei unserer ersten Begegnung. Er trug sogar ganz versteckt, und doch sichtbar, etwas, was ich ihm damals gegeben hatte.

Für mich war dieser Tag ein schönes Erlebnis. Es ging mir gesundheitlich nicht besonders gut, so ist das eben mit den Jahren :-). Dennoch vermittelte mir mein Bekannter sehr viel Feingefühl für meine Situation. Er ging geduldig mit meinem Schneckentempo um. Zugegeben, es war mir sehr unangenehm, gerade nach der Begrüßung die da lautete »Hi Alte«. Es traf mich schon sehr, denn dies war eigentlich die Begrüßung zwischen meiner langjährigsten Freundin und mir. Auch mein bester Freund sagt mitunter “Wat los meine Alte”, wenn ich mal übellaunig war. Auch er ist erst in den 40+ Jahren. Von einem Freund kann man das ertragen und auch darüber lächeln. Zeigt es doch, wie gut man sich kannte.

Unsere Bekanntschaft rechtfertigte diese Vertrautheit für mich keineswegs. Im ersten Moment klang es für mich zu vertraut, dann verstand ich, dass hier wohl doch eher das Alter gemeint war. Es fehlte die mir bekannte Lockerheit, Neckerei. Das traf mich, trotz seines Lächelns sehr, befremdete mich etwas. Ich bin ein sehr toleranter Mensch, doch auch Toleranz hat Grenzen bzw. eine Schallmauer. Wie bereits vorher registrierte ich eine gewisse Unsicherheit.

Ich hatte den Eindruck, auch mein Begleiter hatte den Tag genossen. Er schien glücklich, und meine Gegenwart war ihm offensichtlich angenehm. Wir haben viel gelacht, viel geschwätzt und auch über sehr persönliche Dinge geredet. Alles was wir unternahmen war genau so, wie ich es mir immer mit ihm gewünscht hatte. Wir hatten eine gemeinsame Basis gefunden. Wir waren uns vertraut, redeten ganz ungezwungen über fachliche Dinge. Er kehrte nicht das Ekel heraus, sondern zeigte seine netten Seiten. An einer Stelle fanden sich unsere Augen, und wir wiederholten den sehr intensiven Seelenblick. Ich sah Fragen, Unsicherheit und sein Abblenden, denn diesmal wich er aus. Auch hier hätte ich alles für seine Gedanken gegeben.

Wie es so meine Art war, hatte ich mich anschließend für diesen schönen Tag bedankt. Ich hatte einfach das Bedürfnis ihm zu verstehen zu geben, dass ich irgendwie sehr glücklich war. Mir hatte er dieses Gefühl nach unserer ersten Begegnung gegeben.  Ich glaube, wie so oft, bin ich mal wieder ins Fettnäpfchen getreten. Hätte ich warten sollen auf seine Reaktion? Es war mein Tag, ich hatte ihn eingeladen und war immer noch auf Wolke 7.  Wie einfach wäre es gewesen zu antworten ›Ja, es war schön.‹ oder in der Art. Warum aber einfach, wenn es auch kompliziert geht? Ich wusste doch, dass er immer eine gewisse Zeit brauchte, um emotional starke Erlebnisse zu verarbeiten. Warum hatte ich mich nicht zurück gehalten? Wie einfach wäre es doch gewesen, hätte er nur irgendeinen Satz gesagt.

Schlussakkord

Ich bin ein etwas komplizierter Mensch, doch mein Bekannter nicht weniger. Ich wollte nichts weiter hören, als dass ihm der Tag gefallen hat. Auch ein lebendig gewordenes Ekel hat liebe Seiten, dieses auch. Eine einfache normale Reaktion wäre sowieso nie gekommen. Gut, wenn man die nett gemeinten Pöbeleien umdeuten kann, dann hätte auch ein weniger freundlicher Satz gereicht. :-). Da ich immer gleich denke, ich habe etwas verkehrt gemacht, ließ ich das mal wieder durchblicken. Ja, ich lege meist alles negativ aus, wenn kein Echo kommt. Das ist nicht allgemein so, doch in meinem Bekanntenkreis ist es so üblich, dass man sich über solche Dinge unterhält, und sie nicht tot schweigt. Ja, es hatte mich beeindruckt, wie gelassen er die Sache mit meiner Gesundheit hingenommen hatte, sich auch ein wenig besorgt gezeigt hatte. Ich wollte doch nicht mehr, als mich für sein Verständnis bedanken.

Die Antwort, die ich nach einigen Tagen erhielt, war sicher nicht das, was ich erwartet hatte. Er schrieb mir, dass er weiß, dass ich Gefühle für ihn habe, die er leider nicht erwidern könne und wolle. Aber er mag mich, wie man so sagt, auf seine Weise. Ich war mir immer klar darüber, dass auch ich einen Altersunterschied von ca. 15 Jahren nicht mitmachen wollte und könnte. Weiter sagte er mir, er könne sich nicht mehr auf einen Menschen einlassen, er kann nicht mehr vertrauen. Aha. Was war das denn bis jetzt alles?

Ich kann und werde deine Gefühle nicht erwidern.

Offen bleibt für mich die Frage, um welche Gefühle ging es eigentlich? Oder was glaubte der junge Mann, was ich für Gefühle hatte?

Das Reich der Gefühle ist so groß, dass man es genau definieren muss. Ich denke, er ging von Liebesgefühlen aus. Zur Liebe gehört wohl weit mehr als ein Jahr WatsApp und einige Spaziergänge mit dem Handy. Nein für Liebe war das alles viel zu mager. Womit wir dann beim Alter angekommen wären. Wer seine große Liebe im Leben schon einmal gefunden hat, weiß was er möchte, weiß, wie es sich anfühlt. Bei der wahren und einzigen Liebe ging es um viel mehr als die sogenannten Schmetterlinge. Ich akzeptierte meinen Bekannten so wie er war, mit all seinen liebenswerten und gewöhnungsbedürftigen Macken. Wir alle haben positive und negative Seiten. An diesem Tag zumindest zeigte er mir durch viele kleine Gesten, dass er ein sehr einfühlsamer Mensch war, woran ich nie gezweifelt hatte. Aber Gefühle im Sinne von Liebe hatte ich auf keinen Fall. Was ich hatte, war viel Sympathie. Ja, ich machte mir mitunter Gedanken, wenn er gedrückt wirkte, doch das ist vielleicht natürlich, wenn man fast täglich schreibt.

Wir waren uns doch nicht verpflichtet, nicht einmal im Sinne der Sache befreundet. Auch hatte ich ihm den Rat gegeben, sich einen netten Menschen zu suchen, der zu ihm passt. Irgendwie hatte ich auch das Gefühl, dass er es getan hatte.

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