Hettys blaues Café

Schwarzromantik und dunkles Leben

Page: Warum muss es Liebe sein?

Warum muss es  immer Liebe sein?

Im ersten Teil dieser Story ging es um die Frage, wie ist es, wenn man so als 50+ mit dem Thema Gefühle für einen jüngeren Mann konfrontiert wird. Hier nun geht es weiter…………..

2. Begegnung

Unlängst haben wir uns zu einem wunderschönen gemeinsamen Ausflug getroffen. Da es ja nicht mehr so darauf ankommt, wer nun den Anfang macht, habe ich mich mal getraut. Ich schickte eine Einladung los und war erstaunt, dass sie wider Erwarten ohne viel Drama angenommen wurde. Wie schon vor unserer ersten Begegnung vermieden wir alles, was die Sache in Gefahr bringen konnte. Nur nicht böse machen :-). Er schlug den gleichen Treffpunkt wie bei unserer ersten Begegnung vor, und trug sogar ganz versteckt und doch sichtbar, etwas, was ich ihm damals gegeben hatte.

Für mich war dieser Tag ein schönes Erlebnis. Es ging mir gesundheitlich nicht besonders gut, so ist das eben mit den Jahren :-). Dennoch vermittelte mir mein Bekannter sehr viel Feingefühl für meine Situation. Er ging geduldig mit meinem Schneckentempo um. Zugegeben, es war mir sehr unangenehm, gerade nach der Begrüßung die da lautete »Hi Alte«. Es traf mich schon sehr, denn dies war eigentlich die Begrüßung zwischen meiner langjährigsten Freundin und mir. Auch mein bester Freund sagt mitunter “Wat los meine Alte”, wenn ich mal übellaunig war. Auch er ist erst in den 40+ Jahren. Von einem Freund kann man das ertragen und auch darüber lächeln. Zeigt es doch eigentlich, wie gut man sich kennt, dass man sich mag.

Unsere Bekanntschaft rechtfertigte diese Vertrautheit für mich keineswegs. Im ersten Moment klang es für mich zu vertraut, dann verstand ich, dass hier wohl doch eher das Alter gemeint war. Es fehlte die mir bekannte Lockerheit, Neckerei. Das traf mich, trotz seines Lächelns sehr, befremdete mich. Ich bin ein sehr toleranter Mensch, doch auch Toleranz hat Grenzen bzw. eine Schallmauer.

Ich hatte den Eindruck, auch mein Begleiter hat den Tag genossen. Er schien glücklich, und meine Gegenwart war ihm offensichtlich angenehm. Wir haben viel gelacht, viel geschwätzt und auch über sehr persönliche Dinge geredet. Alles was wir unternahmen war genau so, wie ich es mir immer mit ihm gewünscht hatte. Wir hatten eine gemeinsame Basis gefunden. Wir waren uns vertraut, redeten ganz ungezwungen über fachliche Dinge. Er kehrte nicht das Ekel heraus, sondern zeigte seine nette Seite. An einer Stelle fanden sich unsere Augen, und wir wiederholten den sehr intensiven Seelenblick. Ich sah Fragen, Unsicherheit und sein Abblenden, denn diesmal wich er aus. Auch hier hätte ich alles für seine Gedanken gegeben.

Wie es so meine Art war, habe ich mich anschließend für diesen schönen Tag bedankt. Ich hatte einfach das Bedürfnis ihm zu verstehen zu geben, dass ich irgendwie sehr glücklich war. Ich glaube, wie so oft, bin ich mal wieder ins Fettnäpfchen getreten. Hätte ich warten sollen auf seine Reaktion? Es war mein Tag, ich hatte ihn eingeladen und war immer noch auf Wolke 7.  Wie einfach wäre es gewesen zu antworten ›Ja, es war schön.‹ oder in der Art. Warum aber einfach, wenn es auch kompliziert geht? Ich wusste doch, dass D immer eine gewisse Zeit brauchte um emotional starke Erlebnisse zu verarbeiten. Warum hatte ich mich nicht zurück gehalten? Wie einfach wäre es doch gewesen, hätte er nur irgendeinen Satz gesagt.

Schlussakkord

Ich bin ein sehr komplizierter Mensch, doch mein Bekannter nicht weniger. Ich wollte nichts weiter hören, als dass ihm der Tag gefallen hat. Auch ein lebendig gewordenes Ekel hat liebe Seiten, dieses nette Biest auch. Eine einfache normale Reaktion wäre sowieso nie gekommen. Gut, wenn man die nett gemeinten Pöbeleien umdeuten kann, dann hätte auch ein weniger freundlicher Satz gereicht. :-). Da ich immer gleich denke, ich habe etwas verkehrt gemacht, ließ ich das mal wieder durchblicken. Ja, ich lege meist alles negativ aus, wenn kein Echo kommt. Das ist nicht allgemein so, doch in meinem Bekanntenkreis ist es so üblich, dass man sich über solche Dinge unterhält, und sie nicht tot schweigt. Ja, es hatte mich beeindruckt, wie gelassen D die Sache hingenommen hatte, sich auch ein bischen besorgt gezeigt. Ich wollte doch nicht mehr, als mich für sein Verständnis bedanken.

Die Antwort, die ich nach einigen Tagen erhielt, war sicher nicht das, was ich erwartet hatte, doch überfällig. Viele Monate überfällig. Er schrieb mir, dass er weiß, dass ich Gefühle für ihn habe (War ja nicht schwer, da ich es ihm irgendwann einmal gesagt hatte.), die er leider nicht erwidern könne und wolle. Aber er mag mich, wie man so sagt, auf seine Weise. Eine sehr schöne Antwort, und, trotz allem, sehr feinfühlig. Ich weiß nicht, ob es mich überhaupt gefreut hätte, bzw. ich es geglaubt hätte, hätte er etwas anderes gesagt. Für mich persönlich war es die einzig normale Antwort. Ich war mir immer klar darüber, dass auch ich einen Altersunterschied von ca. 15 Jahren nicht mitmachen wollte und könnte. Weiter sagte er mir, er könne sich nicht mehr auf einen Menschen einlassen. Mhhh.

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