Hettys schwarz-blaues Café

Schwarze Romantik & Dunkles Leben

Was für den Goth der Friedhof

Was für den Goth der Friedhof, ist für den Normalo die Cocktailbar. Warum lieben wir Friedhöfe?

Schon als kleines Kind liebte ich Friedhöfe. Jedes Jahr an Totensonntag zog es mich zu diesem Hort der Ruhe. Ich liebte es, die Gräber anzuschauen, war fasziniert von Grabmalen, steinernen Engeln und den wunderschönen Grabgestecken. Im Frühling und Sommer hörte ich den Vögeln zu, machte aus den Gräbern meiner Ahnen die Schönsten auf dem ganzen Friedhof, so fand ich. Efeu kroch dahin, dunkelrote und andere tief dunkle Blumen zierten die Gräber.

Am Grab meiner Großmutter stand eine Steinbank, rechts und links eine bepflanzte Steinurne. Alles wurde überschattet von großen alten ausladenden Bäumen. Hier war ich Mensch, hier durfte ich es sein. Meine Mutter zog von Grab zu Grab der Familie, harkte, pflanzte und plemperte mit Wasser. Man war nie allein, wurde aber auch von keinem belästigt.

Läutete das zarte Glöckchen der Friedhofskapelle, kündigte es einen neuen Bewohner an. Ein kurzer, oder langer, stummer Zug von schwarz gekleideten Menschen schob sich würdevoll über die Hauptgassen um an einem frisch ausgehobenen Grab stehen zu bleiben. Die Frauen trugen Hüte mit Schleier, die Männer waren feierlich in dunkle Anzüge gehüllt. Wie schön. Man trug große Kränze mit Schleifen. Irgendwann begannen meine Altvorderen zu versterben. Ich ließ keine Beerdigung aus.

Friedhöfe haben etwas schaurig schönes, mystisches, melancholisches. Bei Regen und Kälte kann man den Schauer spüren, der einem den Rücken hochkriecht.

Egal wo ich war, fremde Städte, fremde Länder, kein Friedhof war vor mir sicher. Nirgendwo findet man mehr über Statussymbole und verwandschaftliche Beziehungen heraus. Jedes Grabmal, jedes Mausoleum, jeder steinerne Engel erzählt Geschichten.

Christa Päffgen, Erfinderin des Ghotic Rock und Dark Wave

Friedhöfe sind aber auch ein Ort der ganz besonderen Erinnerung. Wem der Name NICO noch etwas sagt, der kann sie auf dem ehemaligen Selbstmörderfriedhof im Berliner Grundewald, Am Schildhorn, finden. Christa Päffgen, so ihr bürgerlicher Name, war eine Ikone zu Lebzeiten, gleichzeitig aber auch das frühe Symbol der dunklen Musik. Man gab ihr dafür den Titel »Priesterin der Finsternis«.

Ihre Musikkarriere begann bei “The Velvet Underground“. Ab Mitte der 1970er Jahre wollte sie sich von ihrem früheren Leben lösen. Sie traf viele Entscheidungen in ihrer optischen Erscheinung, die später so sehr charakteristisch für die Punk- und Gothicszene wurden. Sie färbte sich die Haare schwarz, ließ ihr Äußeres verfallen und trug als einziges Make-up schwarzen Kajal um die Augen. Sie konsumierte offen Heroin und verletzte sich selbst mit ihren Spritzen. Sie trug schwarze, altmodische, zerrissene Kleidung, schwere Lederstiefel, lange Mäntel und mied die Sonne. Sie galt als »Die Frau, die niemals lacht«. Nicos Alben The Marble Index , The End, The Blue Angel wurden sogar als erste „richtige“ Gothic-Alben bezeichnet. Ihr Verfall übertrug sich auch auf ihre Stimme, die immer mehr litt. Aber das ist ja nicht ungewöhnlich für die Musikrichtung. Femme Fatale aus den Jahren 1982/1983 ist ein interessantes Beispiel dafür. Hier noch ein Konzertmittschnitt von 1987.

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