Hettys blaues Café

Schwarzromantik und dunkles Leben

Was ist die Dark Lady?

Dark LadyWilliam Shakespeare | Dark Lady

Auch wenn William Shakespeare weit vor dem Beginn der Romantik lebte, so schuf er doch mit seinen Sonetten die pure Liebes-Lyrik und Romantik wie auch das Bild der “Dark Lady”.

Shakespeares “Dark Lady” ist zunächst einmal eine Frau, deren Identität im Dunklen liegt. Der Dichter selber lüftet sein Geheimnis nicht. Er gibt dem Leser aber auch zu verstehen, das alles um die Dame dunkel ist, dark. Letztlich verdunkelt sich auch sein Sinn, weil er von ihr betrogen wurde. Gleichzeitig zerbricht die Freundschaft zu einem seiner engsten Bekannten, was für ihn auch in den Bereich der Dunkelheit fällt. Die Dark Lady bedeutet für ihn Liebe, Leid und Leidenschaftschaft.

Shakespeare ließ immer offen, wer die mysteriöse dunkle Dame war. Die Wissenschaft hegt jedoch die Vermutung, dass es in S. Sonetten um ein Dreieckverhältnis geht. Eine Frau führt zwei Männer an der Nase herum, entscheidet sich letztlich für den, durch den sie sich mehr Vorteile verspricht. Die letzte gängige Variante für die Person von Shakespeares Liebster ist die Hofdame der Königin Elisabeth I. Elizabeth Vernon. Selber aus adligem Hause, entschied sie sich gegen S. und heiratete, kurz vor der Geburt ihres Kindes, S. Gönner und Freund Henry Wriothesley, den dritten Grafen von Southampton, mit dem sie ebenfalls ein Verhältnis hatte. Das Kind, so vermutet die Shakespeare-Expertin Prof. Hildegard Hammerschmidt-Hummels, sei S. Kind. Shakespeare war zu dieser Zeit verheiratet, hatte Frau und drei Kinder, was ihn nicht von der leidenschaftlichen Affäre abhielt.

Analyse einiger Sonette

  • Sonett 127 ~ 132: Der Mann redet süß und aufrichtig von seiner großen Liebe. Er neckt seine Freundin mit ihrem Aussehen, die Frau ist eine schöne Göttin für ihn.
  • Sonett 128 ~ 140: Der Mann hat Groll über sein Alter und seine sexuell korrumpierte Freundin. Er fleht sie an, nur ihn zu lieben und andere Männer nicht anzusehen. Er spricht über ihre “negative Anziehung” und will ernsthaft mit ihr Sex haben.
  • Sonett 141 ~ 145: Der Mann drückt seine wahre Liebe über die Dark Lady aus. Obwohl sie jemanden jagt, wartet er auf sie und wird auf sie warten, bis sie ihn wieder ansieht. Er möchte ernsthaft von ihr geliebt werden.
  • Sonett 146 ~ 149: Der Mann bereut, sie falsch eingeschätzt zu haben, und er ärgert sich über ihre Gleichgültigkeit und Herzlosigkeit. Er erkennt, dass er ihre Fehler wegen seiner großen Liebe nicht bemerkt hat. Er sagt, dass es unmöglich ist, die richtige Perspektive zu haben, wenn sich die Menschen verlieben. Er offenbart auch sein unkontrollierbares Gefühl über sie, indem er Liebe mit Fieber vergleicht.
  • Sonette 150 ~ 154: Der Mann hungert nach ihrer Liebe, und er verachtet sich selbst, kann aber ihrer negativen Anziehungskraft nicht entkommen. Er ist weiterhin süchtig nach ihr, obwohl er weiß, dass sie nicht attraktiv genug ist, um dass er seinen Verstand verliert.
  • Sonett 129 (Lust): Der Mann verwirklicht die Essenz der Liebe. Er meint, die Lust sei ein vulgäres Verhalten wie ein Biest, und der Gebrauch von Lust bedeutet, seinen Geist mit vulgären Sinnen zu verzehren. Er will ihren Körper haben. In Zeile 3 und 4 zündet seine Lust; maximiert die Bedeutung, indem acht Wörter (negative Adjektive) aufgelistet werden. Seine Ungeduld über Lust und Hass danach sind in ironischem Kontrast. Sein Geist ist von herrlicher Lust angezogen.
  • Sonett 130 (neckt sein Mädchen): Das Sonett spricht über die Natürlichkeit des Mädchens. Sie ist nicht ausgesprochen schön, aber schön genug für ihn. Der Mann vergleicht ihre Schönheit mit dem Standard der Schönheit wie weiße Haut und rote Wangen.
  • Sonett 131 (Seine Liebe): Das Sonett spricht über normale und natürliche Schönheit. Er hebt hervor, dass die Frau, die natürliche und einfache Reize hat sowie dunklere Haut, die schönste Frau ist. Er sagt über ihre moralischen Fehler; das schwärzeste von ihr ist ihr Benehmen.
  • Sonett 137 (Groll über das Geschlecht der dunklen Frau mit anderen; Selbstaufteilung): Das Sonett spricht über die Teilung von Augen und Geist. Er bestreitet angezogen zu werden, aber er wird angezogen. Er ist in emotionaler Verwirrung. Er denkt, Liebe ist blind. Er zeigt kein gutes Urteilsvermögen und hat einen falschen Eid abgelegt, indem er sagt, dass sie schön ist. Er wurde ein Sklave der Liebe. Er hat eine Krankheit der Falschheit.
  • Sonett 147 (Unkontrollierbare Liebe): Der Mann sagt, dass seine Liebe wie ein Fieber ist. Er erkennt bereits, dass die Liebe von seinem Verstand kontrolliert werden sollte, er unterwirft sich seiner Vernunft. Das Sonett zeigt seine geistige Armut und seinen durch die Liebe verursachten Zusammenbruch. Er wird von unkontrollierbaren Emotionen stark beeinflusst.
  • Sonett 148 (Bedauern über die falsche Einschätzung der Dunklen Dame): Der Mann bedauert es, die Dark Lady, die eigentlich gar nicht so attraktiv ist, wie er sah, falsch eingeschätzt zu haben. Er erkennt, dass er ihre verschleierte Wahrheit nicht herausgefunden hat, weil er vor Liebe blind war. Er beklagt die Eigenschaft der Liebe, dass Anblick von Liebe und rationaler Perspektive nicht übereinstimmen.
  • Sonett 150 (Attraktion für die Dunkle Dame): Der Mann sagt, dass er von dem bösartigen Charme der Dunklen Lady angezogen wurde. Er erkennt, dass er sich in der falschen Richtung verliebt hat, so dass er unter dieser Verwirrung leidet. Trotzdem will er von ihr geliebt werden.

 

Dark Lady in der Literatur

dark-ladyIn der Literatur, wie auch in den verschiedenen dunklen Szenen, wird die Dark Lady unterschiedlich ver- und bewertet. Das Dunkel kann sich auf den Charakter, die Seele, die Handlungen wie auch die Kleidung beziehen. In der Gothic Szene ist sie schwarz gekleidet, kostümiert, maskiert. Bei der Interpretation des Begriffs -dunkel- ist alles erlaubt. Es beginnt bei der Hautfarbe und endet bei der Lebenseinstellung.

Die Dark Lady geistert schon seit Jahrhunderten durch die Literatur, insbesondere die der “Schwarzen Romantik”. Im Gegensatz zum Dark Lord, der weniger geheimnisumwittert ist, ist die Dark Lady fantasiereicher zu verarbeiten. Beide Dunkelheiten haben in der Welt der Vampir-Romane einen festen Platz eingenommen.

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