Hettys schwarz-blaues Café

Schwarze Romantik & Dunkles Leben

Was ist ein Du-da?

Was ist ein Du-da? Was, Sie wissen nicht was ein Du-da ist? Jeder Mensch hat einen Du-da. Das ist ein Wesen seines Vertrauens, mit dem man sich über alles unterhalten kann. Es ist immer da. Irgendwann lernt man es vielleicht sogar kennen, es kommt aus dem Nichts. Es ist ein ganz besonderer Mensch; einer mit dem man reden und zanken kann. Es lebt allerdings nur in der eigenen Gedankenwelt; lässt einen solange nicht los, bis man mit seinen Problemen fertig ist. Mein Du-da tauchte im Januar des Jahres X auf. Plötzlich war es eben da. Es sagte Hallo, sprach einige Sätze und verschwand. Meist war es etwas zynisch, selten wirklich nett und freundlich. Eines Tages hörte ich dieses Du-da sprechen. Was für eine Stimme! Sie verleitete mich sofort zum Träumen. Wie mag das Du-da aussehen? Ich dachte so an ein Mittelding aus Yuppi, Bobo und Hipster. Jung, dynamisch und erfolglos, wie man so sagt. Vielleicht auch ein wenig der Nerd Typus.

Wann immer es sich ergab, versuchte ich das Du-da in ein kleines Gespräch zu verwickeln. Manchmal antwortete es, meist jedoch ignorierte es mich. Im Laufe der Zeit hatte ich festgestellt, dass das Du-da nichts von dem war, was ich mal angenommen hatte. Wie das Schicksal so spielt, sollte ich eines Tages das Glück haben, das Du-da kennen zu lernen.Wir hatten eine kleine Feier geplant. Ich hatte es mit übernommen, dieses Ereignis vorzubereiten. Unser Chef war nicht wirklich ein Organisationstalent, was er ehrlich zugab. Kurz vor dem Treffen verließ ich die Gruppe. Den Anlass lieferte das Du-da. Es traf mich sehr, dass es mich eines Tages böse anschnauzte. Mitunter gibt es so Momente, wo ich sehr sensibel auf den falschen Ton reagiere. Ich denke dann nicht mehr, handle nur noch. An diesem Tag hatte ich so einen Moment.

Eines Tages erwartete mich in meinem Web-Briefkasten Post. Das Du-da lud mich persönlich zu dem geplanten Treffen ein. Diese Einladung verstand ich nicht. Ich antwortete sehr unbestimmt, sagte weder ja noch nein. Kurze Zeit darauf bekam ich wieder Post, es entwickelte sich ein kurzes nettes Gespräch. Da wir beide aus der gleichen Branche kamen, fragte ich das Du-da zu einigen organisatorischen Dingen. Wie es seine Art war, antwortete es leicht flapsig, was mich diesmal sogar erheiterte. Also gut, ich wollte wissen, was das Du-da für ein komisches Dingens war.

Das Du-da stand mir an dem bewussten Tag gegenüber. Selbst zwischen dem Web und dem realen Leben gab es Unterschiede. Im ersten Moment erkannte ich das Du-da kaum. Es stand vor mir, sah über mich hinweg und sprach kein Wort. Anstelle eines freundlichen “Guten Tag” nickte es mir nur zu. Zwischen uns herrschte in gewisser Weise Eiszeit. Bei unserem Briefwechsel hatte mir Du-da gesagt, es liebte schwarze Rosen und Gestrüpp. Als wir endlich unseren Tisch bezogen hatten, stellte ich das Blumengesteck, das ich eigens aus reiner Bosheits für ihn anfertigen ließ, an seinen Platz. Es lächelte sehr freundlich in sich hinein.

Im Laufe des Abends brach das Eis. Wir hatten ein gemeinsames Feindbild, das uns etwas näher brachte. Mitunter merkte ich, dass mich das Du-da beobachtete. Manchmal sprach es mich an, wir lachten zusammen, und fanden gemeinsame Gesprächsthemen. Was es den ganzen Abend über sorgfältig hütete, war sein Gestrüpp. Der Abschied war freundlich, und ich merkte, dass es mich impulsiv gern in den Arm genommen hätte, sich aber zurückhielt. Mein intuitiver Sinn sagte mir, dass ich bald von dem Du-da hören würde.

Wenige Tage später schickte mir Du-da eine Nachricht und seine Telefonnummer. Das war der Beginn einer wunderschönen Handybekanntschaft. Alles begann leicht und locker. Das Du-da hatte Urlaub. Immer fand es einen Grund mir irgendetwas zu schreiben. Mal wollte es dies wissen, mal das. Ja, es war kurzweilig. Ich leugne es auch gar nicht, ein wenig fühlte ich mich zu dem Du-da hingezogen. Ich verstand diese Reaktion meiner selbst jedoch nicht. Ganz tief in meinem Kopf hatte ich auch den Verdacht, das Du-da war weniger ein Frauenversteher, als ein Männerversteher. Nach und nach lernte ich seine Urlaubsinsel kennen. Seine Lieblingsplätze, sein “Büro”. Erfuhr, was ihn freute, ärgerte, und das er Pfeife rauchte.

Ich stellte fest, dass das Du-da ein ganz anderer Mensch war, als es sich bisher gezeigt hatte. Für mich entstand das Bild eines netten, liebenswerten Menschen. Zeigte sich das Du-da auch als Kotzbrocken in der Gruppe, so lernte ich ihn hier auf eine ganz andere Weise kennen. Mit welchen Augen sah ich das Du-da? Sah ich es, wie ich es sehen wollte, oder zeigte es sich mir wie es wollte dass ich es sah? Immer wieder fragte ich mich, warum hatte Duu-da ausgerechnet den Kontakt zu mir gesucht? Hatte es ein schlechtes Gewissen, weil es mich aus der Gruppe vertrieben hatte, oder hatte es etwas anderes bewegt? Ich persönlich fand keinen Grund, warum gerade ich das Du-da interessieren sollte.

Zum einen waren wir altersmäßig viel zu weit voneinander entfernt. Unsere gemeinsamen Hobbys? Mhh, dafür hätte er sich nicht soviel Mühe geben brauchen. erst einige Monate später kam mir ein Verdacht. Nachdem Du-da aus dem Urlaub zurück war, redeten wir stundenlang. Mich beeindruckte seine nette, höfliche Art. Du-da war kein bischen flapsig, so wie ich es bisher kannte. Ich hatte immer Kontakt zu Menschen gesucht, mit denen ich mich fachlich austauschen konnte, über gemeinsame Hobbys reden. Schon während unseres lockeren Gesprächs merkte ich, dass Du-da das nicht sein würde, was mich etwas enttäuschte. Aber ich mochte das Du-da. Auch wenn sich meine Hoffnungen auf eine geistige Partnerschaft nie erfüllten, war es doch nicht langweilig. Frei nach dem Spruch, was begehrt man immer am meisten, nahm das Du-da bald einen großen Platz in meinem Denken und Fühlen ein.

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