Hettys Gedankenwelten

Schwarze Romantik, dunkles Leben

Wie ehrlich ist eine Männerfreundschaft?

Männer tönen sehr oft, wahre Freundschaft gäbe es nur unter Männern. Klar und deutlich, nein. Wahre Freundschaft kann es nur unter Frauen geben. Warum das so ist, erklärt die historisch gewachsene Geschlechterrolle.

Männer sollen, von alters her, das starke Geschlecht sein. Ihnen werden und wurden, Eigenschaften zugeordnet, die sie teilweise gar nicht haben. Verhaltensmuster und Verhaltenserwartungen. So sollen Männer: abenteuerlustig, aggressiv, aktiv, ausgeglichen, bestimmend, direkt, dominant, ehrgeizig, entschieden, entschlusskräftig, entscheidungsstark, führungsbewusst, groß, hart, kämpferisch, kontrolliert, kraftvoll, kräftig, kühn, verwegen, mutig, tapfer, nicht leicht verletzbar, objektiv, sachlich, rational, realistisch, selbstbewusst, stark, überlegen, unabhängig, unternehmungslustig, verantwortungsbewusst, weinen nicht, zeigen keine Gefühle, zeigen keinen Schmerz, wettbewerbsorientiert und zuverlässig sein. Betrachtet man Männer ganz genau unter einer Lupe, ist die Hälfte davon nicht wahr.

Bei der Ausbildung des Geschlechts sind die Hormone entscheidend. Männer haben Androgene, Frauen Östrogene. Diese Hormone bestimmen im späteren Leben auch die Verhaltensweisen. Männer entwickeln ein “instrumentelles”, Frauen ein “expressives” Verhalten. Für Männer ist das Verhalten das Instrument zum Erreichen der Ziele im Leben. Je nachdem wie erfolgreich sie dabei sind, verändern sie ihr Verhalten und passen sich an. Führt das Verhalten zum Erfolg, wird es in der Regel beibehalten. Stellen sich Misserfolge ein, wird so lange experimentiert, bis es dort ist, wo es eine positive Resonanz erfährt.

Das ist auch eine Erklärung dafür, warum Männer ihr erfolgreiches Verhalten nur sehr selten ändern, es sei denn, sie erkennen selber, dass sie etwas ändern müssen oder sollten. Man kann viele Verhaltensweisen von Männern daraufhin untersuchen. Solange auch nur genug über eine Zote lachen, wird sie wieder und wieder erzählt. Solange eine Flirt Strategie oft genug zum Erfolg führt, wird sie nicht verändert, egal ob sie gefällt oder nicht.

Männerfreundschaften fehlt es an Tiefe

Es gibt einige populärwissenschaftliche Bücher über das Wesen von Männerfreundschaften. Sie weisen nach, dass die Beziehungen der Männer im Allgemeinen von Oberflächlichkeit, Unaufrichtigkeit, Konkurrenzdenken und chronischem Misstrauen geprägt seien. Weniger über Ehrlichkeit und Vertrauen. Männer ignorieren und verdrängen ihre Einsamkeit, indem sie einfach ihre Erwartungen herunterschrauben. Stuart MILLER machte sich 1986 in seinem Buch Gedanken über den Verlust der Vertrautheit zwischen Männern.

Männer befinden sich in ständiger Konkurrenz, dies betrifft alle Bereiche des Lebens. Was der eine hat, will der andere auch haben. Jeder will wissen, das er der Bessere sei. Dies lässt sich sehr gut am Verhalten zu Frauen beobachten oder im Arbeitsprozess. Steht vor uns eine Gruppe von Männern und dieser nur eine Frau gegenüber, werden alle Männer darüber nachdenken diese Frau für sich zu gewinnen, einige werden es gar nicht erst in Erwägung ziehen. Sie schätzen sich gar nicht erst als würdig ein. Von den verbliebenen Kandidaten bleiben nur wenig im Wettkampf, meist dann zwei. Jetzt wird jeder versuchen, die Sympathie der Frau zu gewinnen. Das, was die Frau möchte, ist dabei unerheblich, es geht nur noch um das Duell der Männer.

Andere Situation. In einer Gruppe hat sich eine Beziehung zwischen einer Frau und einem Mann entwickelt. Die Gruppe beobachtet das und nach und nach entsteht ein Konkurrenzverhalten. Die übrigen Männer warten ab, versuchen jedoch, sich mehr oder weniger offensiv, in diese Beziehung zu drängen. Kandidat 1 verlässt die Gruppe. Jetzt wird der mit dem am stärksten offensiven Verhalten versuchen, die freie Rolle einzunehmen. Er hat Erfolg, man verabredet sich. Der Rest der Gruppe ist damit jedoch noch nicht aus dem Rennen. Der direkte Konkurrent des Siegers wird nun seinerseits aktiv. Er gönnt dem anderen den Erfolg nicht, auch er möchte sich profilieren. Jetzt gewinnt eventuell der andere, vielleicht, weil die Frau eine Entscheidung getroffen hat. Kommt ein neuer Kandidat dazu, geht der Wettstreit wieder los. Der Ausgang ist offen. Entweder gewinnt einer, keiner oder alle. Hier kommt es dann wohl auf das Innenverhältnis der Männer zueinander an.

Vertrautheit in Männerfreundschaften

Für Männer sind die gemeinsamen Erlebnisse bei der Wahl von Freundschaften wichtig. Der, mit dem man viel gemeinsam erlebt hat, ist ein Freund. Man kennt sich von Kindheit an, hat viel zusammen gemacht und erlebt. Je höher der gemeinsame Erlebniswert, desto höher der Wert der Freundschaft. Was dabei fehlt, ist meist der ganz menschliche Aspekt. Man hat viele gemeinsame Erlebnisse, also vertraut man sich auch. Man hat keine Probleme damit, sich zu öffnen. Sagt ein Mann, er hat einige Freunde, mit denen er offen reden kann, so heißt das, er hat gar keine. In wissenschaftlichen Studien wurde das Fazit gezogen, dass derlei enge Beziehungen unter Männern zu höchstens 15 % existieren. Erschwerend kommt hinzu, Männer reden gerne über Erfolge, jedoch nicht über Misserfolge, das macht angreifbar.

Das gesamte Lebens- und Freizeitverhalten wird breit gestreut. Immer wieder wird der instrumentelle Charakter von Männerfreundschaften betont. Steven MILLER hat erkannt, dass Männer eine kulturbedingte Abneigung gegen die Männlichkeit und den männlichen Körper haben. Bei dem Anblick eines anderen Mannes spürt der Mann Entfremdung. Bei einem richtigen Freund ist diese Entfremdung allerdings weg bzw. irrelevant. Es ist dann ein Herz, Mut und Verständnis zu finden. Die ständige Angriffshaltung wird durch das gemeinsame Wissen um Siege und Niederlagen überwunden. Männer zeigen selten die Zuneigung zu anderen Männern offen. Allerdings entstehe durch Frotzelei, ironisches kritisieren anderer Männer ein Gefühl von Intimität und Entspanntheit.

Vertrautheit unter Männern entsteht in erster Linie durch gemeinsame Erlebnisse und Erfolge. Vertrautheit wird ebenso zersplittert wie die übrigen Aktivitäten. Man hat keinen Vertrauten für alles, sondern für jede Sache einen Gesprächspartner. Im Gegensatz zu Frauen bleiben auch Gespräche an der Oberfläche. Man teilt sich mit, doch ohne die Erwartung eines Echos. Männer erwarten eher Hinweise, doch nicht wirklich Lösungsvorschläge. Sie können sich nur vor einer Person selbst öffnen.

Weiter sind Männer selten in der Lage Konflikte gemeinsam zu lösen. Sie gehen ihnen aus dem Weg und brechen eher eine Beziehung ab, als sich damit auseinanderzusetzen. Die Ursache dafür liegt wahrscheinlich in der Tatsache begründet, dass sich Männer im Bereich der Konfliktlösung öffnen müssten, was sie aus ihrer Sicht angreifbar macht. Nicht zu vergessen ist hierbei auch, dass Konfliktbewältigung Gefühle berührt. Es kann passieren, das Tränen fließen oder Dinge ausgesprochen werden müssten, die als unmännlich gelten.

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